Der Kaiser ist ja ganz nackig!

Wir versuchen vieles zu reparieren in diesen Zeiten. Leitungen und Rohre sind oft alt. Sie zu erneuern ist eine Mammutaufgabe, bedeutet es, Straßen aufzureißen, alle Anschlüsse neu zu machen, Dreck, Geld, Chaos. Durch Einstürze wird klar, wie gefährlich es ist, an Orten zu wohnen, die gut unterhöhlt sind, sei es durch Bergbau oder natürliche Höhlen. Die Versiegelung von Flächen, unsere Steinwüstengärten und unser Verhalten der Natur gegenüber haben Konsequenzen, die nur noch schockieren. Dämme, die die Wassermassen nicht mehr halten können, Bäche, die zu Todesfallen werden, die sich keiner vorstellen kann. Die zerstörten Gemeinden wieder aufzubauen wird Jahre dauern. Die Menschen sind traumatisiert, haben ihre Liebsten verloren, ihre Heimat, ihr Haus, ihre Sicherheit, ihre Tiere und ihr Arbeitsleben. Allen Kraft zum Neuanfang und Unterstützung da, wo es notwendig ist.

Vieles ist bei uns gut. Neu, modern, umsichtig, von guter Qualität. Vieles ist alles andere als das. Hauptsache schnell gemacht, die Qualität ist nicht wesentlich. In meinen Augen braucht es ein neues Qualitätsbewusstsein. Wenn wir schludrig sind, nicht die beste Qualität nehmen, nicht darauf achten, dass alles auch zusammenpasst und stimmig ist (wenn ich ein dickes Rohr in ein dünnes stecke und hoffe, dass das dünne so viel Durchfluss wie das dicke schafft, ist das eine seltsame Vorstellung), sind die Konsequenzen gigantisch. Kleine Fehler summieren sich zu Katastrophen.

Wenn wir in unserer Familie an einen solchen Punkt kommen, an dem vieles nicht mehr passt, die Dinge gefühlt aus dem Ruder laufen und die Stimmung schwankt, pflegen wir uns eine Auszeit zu nehmen. Dann ruht für fünf Tage alles. Da setzen wir uns zusammen und gehen alle Bereiche des Lebens schriftlich einzeln durch. Was passt, was läuft gut, was darf bleiben? Wo klemmt es? Welche Gründe können wir ausmachen? Wie ist das Problem auf gute Weise lösbar? Ist es überhaupt lösbar? Was, wenn nicht? Alternativen? Fachleute befragen? Feedback von außen einholen? Wer kennt sich aus?

Wir trennen uns von Dingen und Tätigkeiten, die nicht mehr gut sind. Wir verändern konsequent, was nicht mehr passt. Wir sind bereit, vieles aufzugeben, um neu anzufangen. Wir haben Arbeitsstellen gekündigt, Wohnungen verlassen, haben uns beruflich komplett neu orientiert, die Wechsel vom Paar zur Familie und wieder zum Paar bewusst gestaltet, um das auf guten Wegen zu haben. Wir haben unsere Werte an das angepasst, was immer wieder neu unser Leben ist.

Einmal im Jahr setzen wir uns zusammen und prüfen die Bereiche ehrlich und klar. Das ist nicht immer lustig oder schön, aber es verhindert Katastrophen, die vermeidbar sind. Gegen Katastrophen, die über einen kommen können wie Tod, Krankheit und anderes von Außen kann sich niemand schützen.

Unser Land, unsere Welt braucht auch so einen „Kassensturz“. Wir sind eingeladen, uns klarmachen, was falsch läuft, wo wir gefährliche Wege beschreiten und Menschen gefährden. Wir brauchen Überlegungen, was in Schulsystemen komplett danebengeht, wie wir das Rentenproblem lösen und mit Pandemien, Wetterkatastrophen und dem Ungleichgewicht, das die Erde im Außen spiegelt und das in uns begründet ist, umgehen. Wir brauchen jetzt eine Bilanz, eine klare Analyse und eine komplette Neuausrichtung. In unseren Herzen und Köpfen. In unseren Familien, Gemeinschaften, in den Dörfern und Städten, den Bundesländern, der Welt.

Wenn uns Chaos im Innen und Außen zeigen, dass wir als Menschheit doch auf einem ausgesprochen falschen Weg unterwegs sind – warum laufen wir mit? Es gibt genug „Kinder“, die sagen: „Der Kaiser ist ja ganz nackig!“ Der Kaiser ist schon lange nackt und wir haben so viel Angst vor Veränderung, dass wir uns an alles klammern, was längst brüchig ist.

Wandlung kann friedlich und überlegt geschehen, das muss nicht durch Chaos und Kriege sein. Wir sind stark genug als Weltengemeinschaft, die Themen gemeinsam neu anzuschauen und auf friedliche und faire, gesunde und gesundende Wege zu bringen.

Im Kleinen, im Großen.

Allen einen tatkräftigen Dienstag.

Steffi hat das Licht festgehalten, das so nur in dieser Jahreszeit möglich ist. Danke dafür.

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