Chaos erzeugt Löwenmut

Nicht nur das Wetter schlägt Kapriolen und pendelt zwischen schwülwarm und leichtem Frösteln hin und her. Der Garten wächst um Meter gefühlt am Tag. Wenn in den ersten beiden Tagen der Woche schon Krisenfälle kommen, die berechtigt gerade nicht wissen, wo ihnen der Kopf steht, weiß ich, wie es draußen ausschaut. Krasse Diagnosen, die von einer Sekunde auf die andere das komplette Leben verändern. Todesfälle. Beziehungen, die sich an Kleinigkeiten so aufreiben, dass sie mit einem Schlag beendet werden, ohne dass der wahre Grund auf den ersten Blick sichtbar wäre – so ist es derzeit. Wenn schon Wallung, dann richtig, scheint mir die Devise zu sein.

Gestern Abend sagte ein Klient etwas erschöpft: „Sind denn alle grad verrückt?“ Ich hoffe doch, dass wir gerade dabei sind, unseren vermeintlichen Verstand ein wenig zu verlieren und uns zu erinnern, wer und was wir sind und was unsere Aufgabe auf diesem Planeten ist. Die lineare Entwicklung früherer Jahrhunderte, in denen die Menschheit Zeit hatte, sich an Neuerungen zu gewöhnen, weicht der exponentiellen Explosion: alles scheint gleichzeitig zu passieren und das erzeugt das Gefühl in uns, dass wir nicht mehr nachkommen, kaum mehr durchblicken und von der Komplexität der Welt total überrollt werden.

Ja. Das ist gerade so. Chaos löst in jedem Menschen erst einmal Unbehagen aus. Was, wenn das Chaos die Geburtswehen einer neuen Zeit sind? Einer, in der wir begreifen, dass wir nicht mehr alles durchblicken können und deshalb auf ein Miteinander angewiesen sind? Was, wenn das Chaos bedeutet, dass unsere Komfortzone nicht mehr existiert und wir eingeladen sind zu neuen Entwicklungswegen? Was, wenn wir klar bekennen dürfen: Ich habe Ängste. Ich bin verwirrt. Ich weiß nichts? Weil es so ist und ehrlich!

Jeder hat Ängste, jeder ist verwirrt und fragt nach Orientierung, die sicher nicht von „starken Männern“ kommen darf. Wir wissen immer weniger von immer mehr, was uns das Gefühl der Kontrolle nimmt. Gut so. Wir können nicht einmal uns selbst kontrollieren, also dürfen wir das loslassen und damit fällt ein Teil des Stresses weg.

Werden wir wach, offen, neugierig. Sind wir bereit, die nächsten Schritte zu gehen und uns verwirren zu lassen von der Vielfalt, die auch Chance ist, nicht nur Bedrohung! Kommen wir aus der Angstecke heraus und entwickeln notgedrungen Demut, Bescheidenheit und Löwenmut. Den Mut, neu anzufangen. Den Mut, alles neu zu denken, zu hinterfragen und die Wahrheit wieder mit ganzem Herzen zu suchen und zu finden.

Das ist Arbeit. Das ist mühsam. Das ist richtig, richtig anstrengend und wir haben keine Ahnung, wo und wie das alles gehen soll. Wunderbar! Wenn keiner was weiß, können wir doch gemeinsam herausfinden, wo die Menschheit hingehen mag. Und jeder ebenso für sich, welchen kleinen und kleinsten Schritt er heute gehen kann auf seinem Weg, denn wo wir hinwollen, wissen wir im tiefsten Inneren immer. Wenn wir denn mal ehrlich zu uns selbst sind, oder? Unser Herz weiß genau, was wir wollen und was nicht. Unser Lebenssinn lässt uns unsere Schritte gezielt setzen, auch wenn sie zufällig scheinen mögen. Vertrauen wir dem Prozess.

Welchen Schritt wirst du heute tun auf deinem Weg? Wird er für dich nützlich sein und langfristig für den Planeten? Dann setze ihn in Freude und voller Mut. Stecke Menschen mit Freude, Mut und Abenteuerlust gern an. Solche „Viren“ lassen uns wachsen und erlauben Gedeihen und Vertrauen.

Allen einen freudigen Donnerstag.

 

Letztes Jahr sah es gut aus mit dem Obst. Schauen wir, was im Herbst in diesem Jahr zu ernten sein wird.

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