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Gedankentraum

An Sinnesoffenbarung hingegeben

Verlor ich Eigenwesens Trieb,

Gedankentraum, er schien

Betäubend mir das Selbst zu rauben,

Doch weckend nahet schon

Im Sinnenschein mir Weltendenken.

Wochenspruch für diese Woche von Rudolf Steiner aus dem anthroposophischen Seelenkalender.

Stationen fürs Zubereiten der Mahlzeiten am Wochenende – mit Rezept dazu und das nötige Werkzeug.

Was derzeit so ist

Das Haus ist vorbereitet für einen Kurs. Sonnenblumen und eine wilde Mischung aus dem Garten zieren den Raum, damit es schön ist, wenn die Menschen kommen. Seminare sollen alles nähren – Körper, Seele und Geist. Da viele Menschen es sehr mögen, wenn es warm ist, dürfte es perfekt fürs Wochenende sein, mehr als 35 Grad im Schatten wird man selten bieten können 🙂

Dazwischen versuchen wir ein wenig verwirrt, an neue Brillengläser zu kommen (der Augenarzt kann keinen Termin vergeben und schlägt vor, dass der Optiker misst und neue Gläser ordert und dann kann das Rezept nachgereicht werden) und die spannende Frage zu klären, was ich jetzt tun kann, wo mein Testhörgerät zurückgegeben werden musste und meine Hörfortschritte gerade wieder schwinden und wie ich an die Verordnung des Geräts komme. Es ist ein Knochenschallleitungsgerät (die deutsche Sprache ist ein Phänomen), das man nicht mal implantieren muss, man kann es über ein Stirnband (damit habe ich getestest) oder eine Bügel tragen. Die Kassen, so höre ich überall, übernehmen die Kosten dafür nicht, eher für eine OP, bei der an den Gehörknöchelchen (es sind sehr kleine Knochen) Verstärker angebracht werden. Diese OP ist aufwändig, verlangt großes operatives Geschick und ist natürlich nicht zuletzt wegen Klinikaufenthalt, Narkose und Eingriff teuer. Das Schalleitungsgerät ist auch teuer, funktioniert auch brauchbar und es muss nicht operiert werden. Ich bin gespannt, wie es mit meiner Verordnung läuft. Vorausgesetzt, es klappt irgendwann mit dem Rezept. Laut Internet wäre Ende September ein Termin beim HNO möglich, in der Uni habe ich im November einen Termin. Erstaunliche Welt.

 

Allen ein feines Wochenende mit genug Abkühlung.

Augen und Ohren

Das Auge führt den Menschen in die Welt, das Ohr führt die Welt in den Menschen ein.

Lorenz Oken, 1779–1851

Momo im Buch von Michael Ende ist eine Meisterin des Lauschens. In Hannover gibt es eine Skulptur, die daran erinnert. Danke an Theresa für das Foto!

Vom richtigen Moment

Abwarten können, den richtigen Moment nicht verpassen. Alles zu seiner Zeit.

Die griechische Mythologie kannte zwei Götter in Bezug auf Zeit – Chronos, den wir mit dem quantitativen Erleben von Zeit verbinden, Zeit, die vergeht, die Chronologie, mit Uhren messbar und Kairos, der richtige Augenblick, das qualitative Empfinden von Zeit, das Erwischen der Gunst der Stunde. Beide ergänzen einander.

Wir leben oft im Chronos-Modus und verlieren den Blick für Kairos. Der Landwirt den richtigen Erntemoment abwarten – das Korn darf nicht unreif sein, das Wetter muss berücksichtigt werden und vieles mehr, dann wird die Ernte gut. Wir brauchen immer wieder ein Wahrnehmen der Kairosqualität – den richtigen Moment, um etwas zu sagen, zu tun, zu gehen oder zu bleiben. Dann verändern wir auch Zeit, denn wenn wir im richtigen Moment am richtigen Ort das Richtige tun, bleibt die Zeit wie stehen und wir sind im Flow.

Allen heute einen Kairosmoment.

 

Getreidefelder. Den passenden Erntemoment wahrnehmen erfordert Erfahrung und ein Gespür für den richtigen Moment. Danke, liebe Manuela, für das Foto!

Stilles Reifen

Stilles Reifen

 

Alles fügt sich und erfüllt sich,

musst es nur erwarten können

und dem Werden deines Glückes

Jahr und Felder reichlich gönnen.

Bis du eines Tages jenen reifen Duft der Körner spürest

und dich aufmachst und die Ernte in die tiefen Speicher führest.

Christian Morgenstern, 1871 – 1914

Manuela hat das Getreide näher betrachtet. Danke für dein Bild!

 

Grenzen sind auch mal nötig

Das Leben ist ein stetes Lernfeld. Ich habe immer wieder Termin-Möglichkeiten zu schrägen Zeiten möglich gemacht für Menschen, die ein stressiges Leben haben, abends, an den Wochenenden. Seit Monaten beobachte ich ein erstaunliches Phänomen. Ich höre, wie gruslig alles ist, wie schlimm, absolute Megakrise, Notfall, Notfall, Notfall!!!! Ich schaufle einen späten Abendtermin frei, was für Menschen, die wie ich um 4.30 Uhr aufstehen, im Grunde ein Brett ist. Der Termin wird eine Stunde vorher abgesagt, weil es „im Betrieb noch zu voll ist“. Ich voller Verständnis Alternativen angeboten. Abends sehe ich eine Fotoserie „spontan ab ins Theater und Eisessen“ mit frohen Bildern, just zur Terminzeit, die nicht schaffbar war wegen Überlastung. Der Abend sei von Herzen gegönnt, keine Frage. Ich hätte mir auch eine schöne Abendgestaltung vorstellen können.

Manchmal treffe ich Entscheidungen. So die, dass es wie in jedem Betrieb Zeiten gibt, zu denen es keine Termine gibt. Verbindlichkeit ist ein aussterbender Wert. Ich finde das sehr schade, denn er gehört zu meinen Kernwerten.

Es wird nicht bei dieser Entscheidung bleiben, sondern die Unkultur, sich zu etwas anzumelden und dann entweder nicht zu erscheinen ohne Information oder am Veranstaltungstag mit erstaunlichen Argumenten abzusagen („das Wetter ist schön, ich will doch lieber zum Wandern gehen“), ohne jede Rücksicht darauf, dass eventuell gekocht, eingekauft, Skripten gedruckt, Vorbereitungen gelaufen sind, hat mich auch die längste Zeit erstaunt. Es gibt ab sofort Anmeldefristen und Stornogebühren wie überall.

Das mag jetzt hart klingen, aber ich kann nicht Selbstfürsorge meinen Klient:innen anraten und meine Grenzen permanent überschreiten (lassen).

 

Allen einen klaren Donnerstag.

 

 

Danke an Beate für das tolle Foto!

 

Trennen, nicht trennen

Wenn sich Menschen nicht mehr gut tun, es nur noch kracht und knallt bei jeder Gelegenheit, weil man die Knöpfe gegenseitig drückt – darf man sich dann trennen? Eine spannende Frage. Was ist die Herausforderung hinter so einer Situation, weshalb gerät man als Paar überhaupt in so einen täglichen Krieg, der nur Verletzungen hinterlässt? Oft sind es Themen aus der Kindheit, die so ein Verhalten auslösen. Verlustängste, nicht gesehen werden, traumatisierende Erlebnisse, die aufeinanderprallen.

Es braucht Ehrlichkeit, um sich einzugestehen, dass man sich ineinander verbissen hat, die Themen jedoch nicht im Außen, sondern bei einem selbst zu finden sind. Manchmal kann man das gemeinsam schaffen, manchmal braucht es professionelle Hilfe, manchmal ist Trennung (auch auf Zeit), eine Möglichkeit, erstmal Luft ins System zu bringen. Es gibt keine allgemeingültige Lösung. Beziehungen sind komplex und nicht einfach, vor allem, wenn nichterwachsene Anteile (aus welchen Gründen auch immer sie nicht erwachsen werden konnten oder durften) Hauptrollen spielen.

Eine gute Partnerschaft ist ein großartiges Fundament fürs Leben. Es ist jedoch Bereitschaft notwendig, an sich zu arbeiten, hinzuhören und mit frischem Geist den Partner, die Partnerin zu betrachten, um nicht Schubladen zu bedienen „du bist ja so und so“. Wir sind auf alle Fälle ganz anders. Allen einen partnerschaftlichen Tag.

 

Maike ist ein „Bergmensch“ und nimmt uns mit ihren tollen Fotos gern mit auf ihre Wanderungen in die Bergwelt. Dankeschön!

Atmen

Atmen. Einfach nur atmen und staunen über die Schönheit der Welt.

Danke an Maike für das wunderbare Foto, das zur Pause einlädt.

Durch den Wind

Es windet und ist kühler – durchschnaufen ist angesagt. Die Tage waren gut gefüllt in der letzten Zeit, man merkt, dass derzeit viel los ist bei allen. Nun sind wir wieder „durch den Wind“ plus Mond, auch das merkt man an dem, was gerade Thema ist in der Praxis. Orientierung wird vielfach gewünscht. Wer bin ich? Wer will ich sein? Was ist mein Weg? Bleibe ich im Unternehmen oder wechsle ich? Passt der Partner noch zu mir?

Manchmal macht es viel Sinn, zunächst zu schauen, ob das Thema wirklich „von außen“ kommt oder das Außen mir nur einen Hinweis auf Hausaufgaben in meinem Inneren gibt. Der Fokus kann zu sich selbst zurückgenommen werden, Projektionen nach außen aufhören und es beginnt das Aufräumen. Nicht selten erledigen sich Themen im Außen von selbst. Dann nimmt der Wind auch immer wieder etwas mit, was lose war, nicht genug befestigt und schafft so Raum für Neues.

 

Blick in den Kurpark Bad Wörishofen

Gehalten werden

Jedes Geschöpf ist mit einem anderen verbunden, und jedes Wesen wird durch ein anderes gehalten.

Hildegard von Bingen, 1098–1179

Der Hildegard-Garten in Bad Wörishofen

Verbindende Kommunikation

Vulkane hinterlassen ihre Spuren beim Erkalten der Lava wie hier in Los Organos auf La Gomera. So entstehen Basalte, wie wir sie an vielen Orten der Welt mit vulkanischer Aktivität finden. Hitze und Wasser können beeindruckende Formen erzeugen. Im Wochenspruch für diese Woche verbinden sich auch Sinneshöhen und Seelentiefen, Gegensätze, die dennoch auch einander bedingen.

Am Wochenende haben wir uns im Nautilusprojekt mit verschiedenen Modellen zum Thema Kommunikation beschäftigt, darunter intensiv mit Carl Otto Scharmers Theorie U, Schulz von Thun und anderen. Wie gelingt Kommunikation? Wie können wir achtsam lauschen, aus dem Herzen heraus, ohne gleich in Urteile und Wertungen zu verfallen? Was sind die Qualitäten, die wir in Zukunft für gute Kommunikation brauchen und wie können wir diese entwickeln? Ein wunderbarer Kurstag mit der Einladung, mehr aus dem Herzen heraus zu lauschen und bereit zu sein, empathisch hinzuhören, anstatt ein Gegenüber im Gespräch zu haben, dem ich meinen Text reindrücke nach dem Motto „immer zweimal mehr wie du“.

 

Allen eine tolle Woche mit tiefen Begegnungen, die dann möglich werden, wenn wir uns erlauben, mit wachem Geist, offenem Herzen und Interesse zu lauschen.

 

Danke an Carina für das Foto aus La Gomera!

Der Götter Wahrheitswort

Und bin ich in den Sinneshöhen,

So flammt in meinen Seelentiefen

Aus Geistes Feuerwelten

Der Götter Wahrheitswort:

In Geistesgründen suche ahnend

Dich geistverwandt zu finden.

Wochenspruch für diese Woche aus dem anthroposophischen Seelenkalender von Rudolf Steiner, GA 40

Lesestoff

Volle Tage. Die Luft ein wenig angenehmer, das ist gut. Hausputz, am Nachmittag ist Filmstudio dran, morgen Kurstag. Gut, wenn es nicht ganz so heiß ist, da lässt es sich mit Scheinwerfern und Kameras und allem Drumherum leichter aushalten.

Bei uns reifen die ersten Johannisbeeren, wir haben alle drei Sorten und sie reifen unterschiedlich und schmecken auch unterschiedlich. Stachelbeeren machen sich auch auf den Weg zur Reife und wir haben die ersten Himbeeren gegessen aus dem Garten.

Gestern kam das Buch von Jonas Gampe über Permakultur an. Themen wie Urban Farming, der Film Tomorrow, Permakultur auch im Sozialen und weitere Projekte wie Edible incredible oder Rob Hopkins beschäftigen mich derzeit, auf meinem Nachttisch liegt zudem das Buch von Lisa Miller, die nachgewiesen hat, dass Menschen, die Spiritualität als Bestandteil im Leben haben, ein anderes Gehirn entwickeln, welches weniger zu Depressionen neigt. Deshalb ist die Einführung spiritueller Techniken bei diesem Krankheitsbild eine Option, um langfristig damit gut umgehen zu können. Wir haben heute viele Möglichkeiten, moderne Spiritualität zu entwickeln oder auf dem Boden des Vorhandenen unseren Platz zu finden. Es braucht nur eines – Routine und Übung. Wie bei allem. Wenn etwas selbstverständlich wird trinken, kann es seine Wirkung entfalten.

 

Allen ein Wochenende nach eurem Geschmack.

 

Stephanie hat ein feines Meerfoto gemacht. Dankeschön!

Was sinnst du nur?

Klingt im Wind ein Wiegenlied,

Sonne warm herniedersieht,

seine Ähren senkt das Korn,

rote Beere schwillt am Dorn,

schwer von Segen ist die Flur –

Junge Frau, was sinnst du nur?

Theodor Storm, 1817-1888

Ursula schickt dieses wunderschöne Landschaftsbild. Danke dafür!