Bitte um Wahrheit

Zur Zeit wird bei uns viel diskutiert über Führungskultur. Wir erleben das in einigen Firmen, dass – verstärkt, nicht unbedingt bedingt durch Corona – die Umsätze einbrechen und die Worte „Konkurs“, „Umstrukturierung“, „Schließung“ im Raum stehen. Die Pandemie zwingt alle dazu, Klartext zu reden. Was lange unter Teppiche gekehrt wurde, steht nun offen da und muss angesprochen werden. Und wie sieht die Realität aus? Keine Kommunikation, Flurfunk, hintenrum Gerüchte und gegenseitige Verleumdung. Das ist in allen Bereichen zu spüren.

Ich finde, Menschen haben ein Recht auf die Wahrheit. Die ist nicht immer bequem, selten schön und doch können wir Menschen ausgezeichnet mit Dingen umgehen, wenn sie in Klarheit benannt sind. Dann schwenken wir nämlich auf der Stelle in Lösungsmodi ein, denn unser Gehirn nimmt Fakten als Fakten und arbeitet dann direkt in Richtung „was machen wir daraus“. Das würde Beziehungen, Firmen, der gesamten Welt gut tun und vor allem auch im Hinblick auf die Faktenlage bei Corona der Bevölkerung.

Wahrheit ist manchmal schwer anzunehmen, weil es auch bedeutet, Versäumnisse anzuschauen und aufzuarbeiten und das ist nicht negativ, sondern bringt voran, denn wir lernen aus Fehlern und wissen dann, was nicht mehr geschehen darf. Aber keine Wahrheit ist der Horror, denn das befeuert die Gerüchteküche. Was geschieht? Die Menschen zerfleischen sich gegenseitig, Behauptungen werden gehandelt wie sonst Aktienkurse und am Ende wird viel Hass und Verletzung erzeugt, ohne dass sich an der Unklarheit was verändert hätte.

Auch wenn es schwerfällt: bleiben wir bei der Wahrheit. Benennen wir die Dinge. Betrachten wir Fehler, Versäumnisse, Fehlhandlungen unter dem Aspekt des Lernens, denn Fehler machen alle Menschen, alle ohne Ausnahme. Wenn wir aber Fehler als Lernchancen sehen und uns gegenseitig erlauben, Versäumnisse zu benennen und dann gemeinsam zu überlegen, wie man damit umgeht, bleibt uns langfristig viel Leid erspart.

Wenn die Firmen, die ihre Mitarbeiter permanent im Unklaren lassen, die Gerüchteküche nicht beenden und meinen, durch solche Verhaltensweisen viele Kündigungen zu erzeugen, damit die Statistiken schöner aussehen, wüssten, dass die besten Ideen zur Rettung der Unternehmen von ihren Mitarbeiten und deren Familien stammen, würden sie den vielen positiven Berichten in dieser Frage folgen. So wird zerstört, wo vorher Vertrauen war. Wahrheit verschweigen, vertuschen oder umbiegen zerstört und enttäuscht. Vertrauen ist das wichtigste Kapital, das Firmen haben. Das der Mitarbeiter und das der Kunden. Ist das verspielt, ist nichts mehr zu retten.

Wahrheit bringt Klarheit. Wir brauchen Klarheit in diesem Land auf allen Ebenen. In Beziehungen, in Firmen, in der Politik und vor allem im Umgang mit der Pandemie im Hinblick auf die Mitglieder der Gesellschaft, die am meisten darunter leiden – die Jüngsten und die Ältesten. Es beginnt bei jedem. Stehen wir aufrecht in Aufrichtigkeit. Sagen wir, was zu sagen ist in Respekt, Wertschätzung und unter Beachtung der Menschenwürde. Dann kann aus Fehlern eine wunderbare neue Pflanze des Vertrauens und des Miteinanders wachsen. Alles andere ist Spielen mit Menschen, Verspielen von Wertschätzung, Respekt, Achtung und jeglichen Vertrauens in die Verlässlichkeit von Aussagen. Wir brauchen Menschen mit Mut. Dazu aufgefordert ist jeder. Sagen wir klar, was ist. Wir können mit allem zurechtkommen, aber nicht mit Unwahrheit und Unklarheit, sie berauben den Menschen der Würde und des Respekts.

Der Dienstag ist mit der Kraft des Mars versehen. Wie wäre es heute mit einem kraftvollen Ja zur Wahrheit und damit zum Neuanfang? Egal, aus welcher Krise wir hervorwachsen dürfen – es beginnt alles mit einer klaren Aussage, wie es steht.

Ursula hat uns mit auf einen Frühherbstgang genommen mit ihrem Foto. Die klare Herbstluft möge die Köpfe freiblasen. Es ist allerhöchste Zeit, bevor wir in der Winterkälte seelisch und moralisch erstarren ob der Weltlage.

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