Aufräumen

Es stürmt. Die Menschen sind unruhig. Bei vielen kommen Themen hoch, die noch nie zur Sprache gebracht worden sind. Kindheit, die nun angeschaut werden will, weil nun, 30, 40, 50 Jahre später, Erkenntnisse aufploppen, die mit diesen frühen Jahren zusammenhängen können. Streitende, schreiende überforderte Eltern. Liebesentzug, ungerechte Behandlung. Gewalt auf vielen Ebenen. Nicken, wenn die Rede auf Teppichklopfer und Holzkochlöffel kommt. „War ja damals überall so.“ War es das? Ist das eine Entschuldigung, eine Beschwichtigung, ein „auf alle verteilen, damit es weniger schmerzt-Ding“?

Was jeder Mensch erlebt und wie er es verarbeitet ist unglaublich unterschiedlich. Das eigene Erleben und Erinnern in Worte fassen nach Jahrzehnten, in denen unsere Gedächtnisinhalte immer wieder überschrieben worden sind, ist kompliziert. Welche Bedeutung hat das für mich mit über 50, 60, 70? Was davon mag angeschaut, benannt, bezeugt werden? Welcher Umgang damit hilft dem Menschen jetzt weiter?

Ich erlebe die Arbeit mit Menschen in vielen Bereichen als Aufräumen, in ein befriedetes Verhältnis kommen. Wenn wir mehr inneren Frieden in uns tragen, können wir mit Unfrieden im Außen besser klarkommen, müssen ihn nicht vermehren, sondern den Blick auf das weiten, was im Großen auch angeschaut, benannt, bezeugt, gewürdigt und heil werden mag. Oder, wie gestern ein sehr junger Mensch meinte: „Der Mist könnte auch ganz anders gewesen sein und ich erzähle mir die ganze Zeit eine total bescheuerte Geschichte, bis ich sie selbst glauben muss.“ Wow.

 

Wie ein Engel tanzte das Polarlicht über Schweden. Theresa hat das krasse Foto gemacht, Dankeschön!