Was ist dein erster Minischritt?

Die Tage sind voll. Herausforderungen verschiedener Art stapeln sich. Wenn ich mir abends anschaue, was alles so gewesen ist, erlebe ich das als eine große Liste, die abgearbeitet wurde. Dann sitze ich da und frage mich nicht mehr unbedingt linear, was hintereinander weggeschafft wurde, sondern was davon zu dem gehört, was meinen eigenen Lebenssinn berührt. Wie viel davon ist für mich wirklich wesentlich, weil es zur Verwirklichung meiner Lebensaufgabe gehört und wieviel davon ist von außen aufgedrückt?

Diese Frage finde ich immer wieder wichtig, damit ich unterscheide zwischen Dingen, die ich zwar tun muss, weil sie einfach zum Leben gehören wie Wäsche waschen, einkaufen, putzen, bügeln, Dokumentation etc. und den Dingen, für die mein Herz schlägt wie die Arbeit mit Klienten, Kurse schreiben und halten und anderes. Bemerke ich bei meiner Rückschau, dass ich vieles gemacht habe, was nicht wirklich nur von mir erledigt werden kann, kann ich auch etwas stehen lassen, nicht mehr tun oder delegieren. Und ich schaue zu, dass ich bewusst Durchatemmomente einbaue. Wer viel tut, muss Zeitfenster einplanen, damit die Chance zum Durchschnaufen besteht. Dabei kann ich gut Socken stopfen, weil mein Geist mit anderem befasst ist, die Hände fein was tun, auch bügeln und denken geht gut zusammen für mich.

Zäsuren helfen, vollgepackte Tage zu bewältigen. Viele Menschen sind derzeit überfordert mit dem „neuen Normal“, weil jetzt wieder im Außen vieles geht. Gestern sagte ein Klient genervt: „Ich will nicht mehr dauernd flexibel sein müssen!“ Mein Gedanke dazu war: „Das Beste, was uns derzeit passiert, ist, dass wir ständig flexibel sein dürfen, damit wir wieder in Bewegung kommen und uns fragen: was ist mir wahrhaft wichtig?“ Seine Antwort: „Wenn ich wüsste, was ich wirklich will, wäre ich froh.“ Eine Stunde später hatte er erkannt, dass er längst weiß, was er wirklich will, aber Angst hat, das anzugehen.

Warum ist das bei vielen so? Weil wir den Ist-Zustand sehen, der uns nicht freut, und den Wunsch-Zustand, der himmelhoch über uns schwebt. Dass es da einen Weg hinauf gibt und der aus Tausenden von kleinen Schritten besteht, übersehen wir dann schon mal gern.

Deine Fragen heute also schon als Einstimmung fürs Wochenende: Was willst du wirklich im Herzen? Was wäre ein erster kleiner Minimäuseschritt auf dem Weg dahin? Wir können unser Leben lang unzufrieden sein, träumen und unseren wahren Sinn verfehlen. Wir müssen aber nicht. Ein Schritt nach dem anderen. Manche klein, manche groß. Lasst uns miteinander gehen oder überlegen, welche Stationen für deine Reise zum Ziel sinnvoll sind. Wer, wenn nicht du? Wann, wenn nicht jetzt?

Allen einen sehr liebevollen Venustag.

 

Klar kann man einen Wünscheballon steigen lassen (was bei uns glaube ich verboten ist). Du kannst aber auch schlichtweg beschließen, dich selbst auf den Weg zu machen, anstatt aufs Universum zu warten (psst: Was haben Godot und das Universum gemeinsam?). Theresa hat auch dieses Foto gemacht, Danke!

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