Türchen 15 Seelengeheimnisse

 

„Seit Urzeiten haben sich die Menschen nach Sein und Leben der Seele gefragt; je mehr sie in Verbindung standen mit dem ‚Geheimnis der Natur‘ und es erlebten, umso stärker war immer der Glaube an die formende Kraft der Seele einerseits wie andererseits das Staunen und Bewundern einer weltweiten göttlichen Ordnung. Bei allen Völkern finden wir die Vorstellung, dass im menschlichen Körper noch ein zweites Ich lebt, dessen Träger die Seele ist. (…) Die moderne Seelenforschung erkennt den großen Verlust und die Gefahr für das körperlich-geistige Wohl, das in einer einseitig materiell-mechanischen Lebensauffassung liegt (…). Worin immer Sein und Leben der Seele zu suchen sein mögen, wir wissen und fühlen es klar: Eine unnfassbare Wirklichkeit ist die Seele.“ Dieses Zitat stammt von Sebastian Kneipp aus dem Werk „Das große Kneippbuch. Lehr- und Hausbuch der gesamten naturgemäßen Lebens- und Heilweise“, das Sebastian Kneipp und Bonifaz Reile, einer seiner Mitarbeiter, herausgegeben haben. Es war zu seiner Zeit weitverbreitet, in diesem Jahr jährte sich der Geburtstag von Pfarrer Kneipp zum 200. Mal.

 

In der Praxis habe ich jeden Tag mit Themen zu tun, die sich an den Schnittstellen von Körper, Seele und Geist befinden. Alle drei Bereiche wollen wohl genährt werden, beachtet und gepflegt sein. Für den Körper machen wir ja viel – von waschen und pflegen bis hin zu Ernährung wissen wir eine Menge. Wir handeln nur nicht danach. Der Geist braucht Nahrung in Form von guten Gesprächen, Literatur, Kunst, Musik, Spiritualität, das Gefühl von Aufgehoben und Geborgensein. Davon schneiden wir uns momentan massiv ab. Die Folgen können wir bereits sehen, von Orientierungslosigkeit und wenig Zukunftszuversicht junger Menschen bis Abgeschnittensein von allem, was trägt, das „vom Glauben abfallen“, mit allen Konsequenzen in Form von Einsamkeit und Verzweiflung. Im Seelischen brauchen wir Wärme, die durch Mitmenschlichkeit, Empathie, Begeisterung für das, was wir tun, Verehrung für die Schönheit der Welt, Naturerleben und vielem mehr aufgebaut wird – auch hier zeigt unsere Lebenswirklichkeit massive Verwerfungen.

 

In diesen Zeiten, in denen im Außen Dinge geschehen, die uns vor große Fragen stellen, sind mehrere Dinge wichtig:

Halten wir unseren Geist fern von Verwirrungen aller Art. Hass, Beschuldigungen, Anklagen, Vorwürfe aller Art tun niemandem gut. Bleiben wir dabei, dass eine ausgesprochene Wahrheit immer hilfreich ist, um mit Schwierigkeiten aller Arten klarzukommen. Die Wahrheit kann auch sein: „Ich weiß nicht, wie das Problem gelöst werden kann.“ Das wäre eine ehrliche Ansage. Bei neun Milliarden Menschen auf dem Planeten sind mit Sicherheit jede Menge Leute dabei, die Ideen zur Lösung beisteuern können. Warum fällt es so schwer zuzugeben, dass man nicht weiß, was richtig ist? Keiner weiß das. Gemeinsam können wir an Lösungen arbeiten.

Halten wir unsere Seele in der Liebe, sonst fällt sie in ein Land aus Eis und Hass und wir verlieren unsere Menschlichkeit. Besinnen wir uns darauf, dass Respekt, Achtung und Wertschätzung unseren Tonfall prägen sollen. Machen wir uns bewusst, dass jeder versucht, das Beste in der Situation zu tun. Respektieren wir das, bleiben wir in einem konstruktiven Gespräch und beenden Missionierungen aller Art. Und sorgen wir innerlich für Wärme, Begeisterung mit Miteinander. Jeder an seinem Platz. Das strahlt dann überall hin.

Sorgen wir durch achtsame Ernährung, viel mehr Schlaf, ausreichend Bewegung für unseren Körper, damit er fit bleibt und in seiner Mitte, um mit Belastungen aller Art fertig zu werden.

Jeder hat damit genug zu tun. Und alle haben wir die Aufgabe, gemeinsam mit der Weltengemeinschaft endlich anzufangen, Zukunft neu zu denken: Klima, Pandemie, Wirtschaft, Bildung, Gesundheit geht jeden Menschen auf dem Planeten etwas an. Das sind die Themen, die wir als Weltenfamilie zu lösen haben. Jetzt. Nicht irgendwann. Voll Respekt vor dem Wissen und den Erfahrungen anderer. Achtsam und bedacht. Sachlich und fern von persönlichen Befindlichkeiten. Mit weitem Blick, denn wir legen jetzt Grundsteine für die nächsten Jahrhunderte. Zeigen wir uns gegenseitig, dass neun Milliarden Menschen in der Lage sind, mit allen Herausforderungen fertig zu werden. Wenn wir bereit sind, den Kreativitätspool anzuzapfen, auch ungewöhnliche Ideen anzuschauen und aufhören, uns für die allein seligmachenden Wissenshüter zu halten. Jedes Kleinkind ist kreativer als das, was wir den ganzen Tag hören. Ehrlichkeit bedeutet, die Wahrheit zu sagen, denn sie ist Klarheit. Und alles, was wir klar erkennen, können wir auch gut angehen und an Lösungen arbeiten. Jetzt. Egal, was war – Fakten wären sinnig, bevor noch mehr Leid wächst. Im Advent sollte Vertrauen wachsen, Erwartung, dass wir losgehen und Probleme lösen, anstatt uns in die Wolle zu bekommen. Dann kann auch das Licht und damit verbunden die Wärme wieder in die Welt kommen.

Allen einen freundlichen Wochenteilungstag.

 

Schneeverwehungen können wie Meereswellen aussehen. Danke an Theresa für das Foto. Sie hat es vor einigen Jahren gemacht, als es über Weihnachten in Rottenbauer tüchtig geschneit hat.

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