Sowas von 2022

Die wilde Jagd am Himmel bläst nach und nach das alte Jahr hinfort. Vermutlich wird es viele erleichtern, dass 2021 sich dem Ende zuneigt, für die meisten Menschen war das ein härteres Jahr als 2020.

Wie wird das neue Jahr?

Auf die Dinge im Außen habe ich nur begrenzten Einfluss. Zwar unterschätzen wir alle massiv unsere Macht in Bezug auf das, was außen geschieht, denn wir entscheiden mit jedem Kauf, was wir unterstützen: ob wir regional, bio, sorgsamer Anbau bevorzugen oder meinen, ein T-Shirt müsse billig sein: all das hat massive Konsequenzen in der Summe der Konsumenten. Insofern könnten wir alle täglich bei sehr vielen Entscheidungen überlegen, was sinn-voll ist und wo wir besser zurücktreten.

Auf die Stimmung im Land habe ich Einfluss. Wenn ich mies gelaunt und ängstlich bin, stecke ich damit andere massiv an. Den Dingen, denen ich meine Aufmerksamkeit schenke, gebe ich Wachstum und Gedeihen – ich habe also eine Menge in der Hand. Füttere ich die Angst, den Hass, den Zwist oder nehme ich die massiven Herausforderungen unserer Zeit sportlich und betrachte sie als krasse Übungsmatte, auf der sich meine Ansichten täglich zu beweisen haben?

Was ich sicher beeinflussen kann, ist meine innere Einstellung, meine Ausrichtung und Fokussierung. Wo ich mich persönlich einnorde, habe ich durchaus in der Hand, denn Gedanken sind frei und ich bestimme ihre Richtung. Widme ich mich dem Potential, der Schönheit der Welt, der Zukunftsgestaltung? Befasse ich mich mit New Work, wo verpflichte ich mich welchen Dingen, welchen Werten folge ich? Welchen Pfad empfinde ich als den zu mir gehörigen und gehe ich ihn oder nutze ich die achtspurige Autobahn, weil es einfacher ist?

In Franken wünscht man sich einen „Guten Beschluss“. Man schließt etwas ab in diesen letzten Tagen des Jahres. Vermutlich wünschen sich einige, dass die Pandemie sich nun abschließt und hoffen auf die Rückkehr zum vorigen Zustand – nein, das wird nichts. Die Welt hat sich verändert und wir sollten begreifen, dass Aufwachen mehr hilft als wegsperren und ignorieren.

Wir sind nicht mehr der Nabel der Welt. Das Land der Dichter und Denker präsentiert sich in der letzten Woche des Jahres als Land der Spaltung, der Unhöflichkeiten, des Beschimpfens, der Lagerbildung und argwöhnischen Betrachtung der Mitmenschen, verbunden mit der Arroganz, die uns seit einigen Jahren zu eigen ist, was uns alles zusteht, worauf wir alle Rechte haben und wie unser Standard zu sein hat. Ist das so?

Wir vergeuden unsere Energie weiterhin auf diesem Level – aus meiner Sicht gehört unsere gesamte Energie anderweitig investiert. Jenseits dieser Befindlichkeiten liegt das Feld, auf dem Zukunft geschrieben wird. Jenseits des Anspruchs, andere von unserer Meinung, unserem Rechthaben überzeugen zu müssen, beginnt die Arbeit, die jetzt zu tun ist. „Beyond fear“ lautete ein tolles Projekt von Tina Turner und Kolleginnen vor Jahren. Jenseits der Angst ist der Garten, an dem wir uns treffen, wie Rumi sinngemäß bereits im 11. Jahrhundert erkannte.

Wo wird 2022 dein Garten sein? Bleibst du im Land der Befindlichkeiten, des Rechthabens, des Zwists oder bist du dabei, wenn Zukunft gestaltet werden will, die Welt Ideen, mutige Menschen und kraftvolle Persönlichkeiten braucht? Tankst du Kraft oder verschleuderst du sie im Kampf gegen Irgendwas? Leg die Waffen nieder. Steh aufrecht und komm ins Team. Die Pandemie ist – und das schreibe ich zum xten Mal – ein Brandbeschleuniger und sie legt den Finger auf ALLES, was nicht rund läuft. Also nutze die Chance und folge dem Finger. Genau an seinem Ende beginnt die Arbeit an der Zukunft. Genau an diesen Stellen.

Wo bist du am besten aufgehoben, wo liegen deine Stärken? Folge genau DEM Finger, an dessen Ende DEINE Power gebraucht wird. DAS ist sowas von 2022. Könnte gut werden.

Allen einen freundlichen Donnerstag, den letzten 2021. Genießen wir das.

 

Amaryllis sind sensationell.

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