Nur ein Atemzug

Festhalten können wir alle nichts. Wir werden nackt geboren und sterben nackt. Wenn das Baby geboren ist, bewundern wir nicht zuerst die kleinen Nägel oder schauen nach dem Geschlecht des Kindes, sondern wesentlich ist die Frage, ob es selbstständig atmet. Im Sterbeprozess des Menschen ist das Aushauchen des letzten Atemzugs das Zeichen für den eingetretenen Tod und ist das, was man beobachten kann. Also könnte es doch sein, dass der Atem im Leben das Wichtigste ist, oder?

Rund 25.920 Mal am Tag haben wir Gelegenheit zu atmen. Den Moment bewusst zu erleben, in dem die Luft ein- und ausströmt. „Nur dieser eine Atemzug ist Leben“, hat einer meiner Lehrer gesagt und wie wahr der Satz ist, habe ich oft genug erlebt.

Manchmal können wir nur einen Atemzug im Bewusstsein halten, weil die Tage schrecklich sind. Manchmal atmen wir Tage ohne nachzudenken, es atmet uns und wir sind lebendig dadurch.

Machen wir uns immer wieder klar – Leben ist der Moment, in dem der Atem ein- und ausströmt. Nicht mehr, nicht weniger. Nur dieser Atemzug ist Gegenwart, ist gestalt- und lebbar. Nicht die Atemzüge, die wir hinter uns haben und die, die wir noch atmen dürfen oder auch nicht. Nur der jetzt.

Feiere den nächsten Atemzug. Er zeigt dir: du lebst. Und damit gestaltest du. Also, was willst du heute mit diesem Geschenk des Lebens tun?

Allen einen freundlichen Wochenteilungstag.

 

Sinas Foto der Bergweide zeigt uns Kühe beim Grasen. Wer schon mal eine gute Zeit einer Kuh beim Kauen zugesehen hat, versteht vieles besser. Die Kuh kaut, sie ist ganz Verdauung. Sie ist. Sie macht sich keinen Kopf, welches Gras sie gestern gefressen oder welches sie morgen genießen wird. Sie isst das, was da ist und verdaut genau das. DAS ist manchmal echte Lebenskunst. Danke für dein Bild, Sina!

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