Mittwochs-Nachdenk-Input

Sie ist vorüber, die erste Würzburger Fuck up-Night unter dem Motto „Was wir vom Scheitern lernen können“. Zunächst ein wenig vorsichtig war die Runde, Scheitern ist ja schließlich in unseren Breiten nicht das, womit man fein angeben kann. Und genau das wollen solche Events  ändern, denn niemand lebt in stetigem Aufwärtslauf, sondern unser Leben ist ein Hangeln zwischen den berühmten Bifurkationspunkten, Momenten im Leben, in denen sehr weitreichende Entscheidungen getroffen werden. Wir wären keine Menschen, wenn wir stets die perfekten Entscheidungen träfen. Wenn was schiefgeht, dann meistens ganz und gar. Große Momente im Negativen, doch wo so eine Energie drinsteckt, steckt auch die Gegenkraft drin, das vergessen wir dann halt schon in solchen dunkelsten Stunden der Verzweiflung (und wenn uns jemand drauf hinweist, ist das nicht gut für seine Gesundheit).

Ich habe im Leben oft mehr von dunklen Stunden gelernt als von den Augenblicken des Glücks und der Freude. Die waren super, keine Frage, gern mehr, aber so wirkliche Entwicklungsschritte finden nicht immer in der Wohlfühlzone statt, sondern im Überwinden von Widerständen, im Aushalten und Beantworten von Fragen, im Weitergehen, auch wenn es schwerfällt und im Suchen von neuen Wegen, weil alte nicht mehr taugen.

Die guten Phasen dienen so gefühlt nach unserem gestrigen Austausch dem Aufbau von Mut und Kraft, die anderen Zeiten brauchen das wieder auf, aber geben dafür auch etwas zurück – Enttäuschung ist nicht selten Ende der Täuschung, der wir aufgesessen sind. Manchmal waren unsere Ideen einfach unausgegoren. Manchmal lag es am falschen Zeitpunkt, an zu wenig Geld, Durchhaltevermögen und manchmal wissen wir es einfach nicht. Fakt ist – wir finden uns am Boden wieder und die Lektion lautet: Aufstehen, Krone richten und weiter geht’s.

Keiner von uns hat es auf Edisons Geduld gebracht und 1000 Versuche gewagt bei einer Sache. Aber wir haben schon tausend Sachen versucht. Ich überlege gerade, ob „finde den Fehler“ hier nicht auch sinnig wäre …

Es war ein spannender Abend, der uns eines aufgezeigt hat – kein Leben läuft rund. Kein Mensch trifft immer die richtigen Entscheidungen. Krisen sind hart, nicht so erwünscht und führen uns manchmal auf ganz ungeahnte Wege. Nicht immer können wir rückblickend sagen „schön wars, was sind wir jetzt schlau und wir wären nicht die, die wir jetzt sind ohne diesen Mist!“, aber Erkenntnisgewinn war jedes Mal dabei. Entscheidend ist, aus diesen Erkenntnissen – die der Trostpreis der Lebenslotterie sind – Trittsteine zu machen, damit wir auf dem Wasser des Lebens gehen können. Nur Mut. Übung macht den Meister. Wer keine Fehler macht, macht meistens nicht viel. Auch ein Plan. Leben ist aber das Gesamtpaket. In diesem Sinne allen einen hochbeweglichen Merkurtag!

Das Pferdefoto hat Sigrid aufgenommen, Danke!

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