Heilige Ruhe und Wandel

Wandel – im Kleinen wie im Großen. Im Kleinen haben wir das am gestern Abend erleben dürfen beim Vortrag über Mitgefühl in der Alten Synagoge. Jeder Besucher kam von seinem langen Tag dorthin. Vielleicht übermüdet, gestresst, genervt. Voller Sorgen und Nöte, abgehetzt. Jeder hatte sich aufgemacht, zur Synagoge zu kommen, um sich und anderen zu begegnen. Am Ende des Vortrags haben wir gemeinsam eine Meditation zum Mitgefühl gemacht. Langsam breitete sich Stille aus. Langsam entstand in den Herzen ein warmes Licht. Langsam begann dieses Licht, die Menschen zu verbinden und sich dann auf den Weg in die Welt zu machen. Zu Menschen, an die die Teilnehmer liebevoll dachten, zu Menschen, die ihnen begegnen im Alltag und zu den vielen Menschen, die wir noch nicht kennen. „Das war so eine feine heilige Stimmung heute“ – Abschiedsbemerkung einer Teilnehmerin. „Heute hat es Klick gemacht bei mir“, bemerkte eine andere und ging strahlend aus dem Raum. Dankbarkeit für solche Momente.

Wandel – wir reden so oft davon, doch wenn auch nur der kleinste Wandel im Leben ansteht, weigern wir uns, gehen in den Widerstand und sabotieren beste Absichten.

Weshalb ist das so? Weil jede Form der Veränderung Angst auslöst. Selbst Haare schneiden kann irritieren, wenn Menschen ein bestimmtes Bild von sich haben und plötzlich fehlen zu viele Zentimeter, das löst beinahe eine Existenzkrise aus.

Hilfe finden wir wie so oft in der Natur. Die Natur lebt uns jedes Jahr aufs Neue die Kunst des Wandels vor. In unseren Breiten ist nie dauerhaft Winter oder Sommer, sondern die Jahreszeiten wechseln sich ab, manchmal schnell, manchmal dauert es, aber es ändert sich. Kein Baum beschwert sich, wenn im Herbst die Blätter fallen oder beginnt schon im Januar das Jammern, weil die neuen Blätter noch nicht sichtbar sind. Natur ist. Atmet. Wächst, blüht, fruchtet, samt aus und legt sich zur Ruhe. Sie kommt und geht und scheint in vollkommenem Vertrauen zu leben, dass im Frühling wieder Blätter kommen werden oder Äpfel nicht ewig am Baum hängen und ihm Stammschmerzen bereiten.

Wir haben viel von unserem Urvertrauen in die tiefe Weisheit des Lebens verloren. Wenn der Wandel und das Vertrauen bei Bäumen gut klappen, könnten doch auch wir versuchen, vor Veränderungen nicht zu scheuen, sondern sie einfach zuzulassen und auszuprobieren. Prompt ploppen dann Glaubenssätze auf Marke „es kommt ja nie was Besseres nach“ – ist das wirklich so?

Herzlichste Einladung – vertraut dem Prozess. Gebt Wandel auf vielen Ebenen eine faire Chance. Wenn ihr diejenigen seid, die ihn gestalten, habt ihr genug Möglichkeiten zu prüfen, was gut wird und was nicht und Korrekturen unterwegs einzuleiten, oder etwa nicht?

Allen einen wandlungsfähigen Tag.

Die beiden Fotos heute hat Steffi gemacht. Sie zeigen einen Baum zu verschiedenen Jahreszeiten. Schaut mal, wie unterschiedlich die Wirkung ist. Großartig, oder?

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