Freitags- und Wochenend-Nachdenk-Input

Mensch sein – ich glaube, das ist unsere Bestimmung. Mensch werden und sein. Bettine von Arnim schrieb einst „Der Mensch ist nicht, er wird“, das habe ich als Praxismotto gewählt. Mir gefiel es ausnehmend gut, dass wir werdende Wesen sind. Wir sind nie „fertig“, sondern wachsen immer wieder und anders, werden vielleicht weise, ehe wir vergessen. Und doch kann unser Gehirn bis zur letzten Sekunde neu vernetzen, großartig.

Manche Menschen fürchten nichts mehr als die Erkenntnis, dass sie „nur“ Mensch sind, fühlende Wesen, die Stärken und Schwächen haben, die sich irren, die den Weg nicht immer wissen. Menschsein könnte Schwäche bedeuten. Ist das wahr? Ich denke, nein.

Menschwerdung ist ein spannender Prozess. Wir kommen als Wunder auf die Welt. Bevor wir überhaupt das Licht der Welt erblicken, haben wir vielleicht schon Tausende von Jahren Entwicklung und manches Leben hinter uns, haben wir Eltern gebraucht, damit wir in diesem Leben entstehen. Was für ein Weg von Samen- und Eizelle zum Säugling und welche Entwicklung bis zum Greis ist möglich!

Es gibt Menschen, deren Leben wir als „groß“ empfinden, weil sie Inspirationsquellen sind, Meister in ihrem Fach, Lichtgestalten. Sie werden verehrt, vergöttert, bewundert. Oft genug haben sie sich nicht um diese Rolle geschlagen, sondern sie wurde ihnen auferlegt. Schritt für Schritt sind sie ihre Wege gegangen. Haben eine Sache nach der anderen getan, weil sie nicht anders konnten. Aus vielen einzelnen Schritten entstehen Lebens-Wege.

Menschwerdung – so schwierig, so komplex und so tiefgreifend. Es bedeutet, sich in seinen Tiefen auszuloten, aber auch seine Größe anzuerkennen. Sich Wert und Werte geben. Aus Fehlern lernen. Komfortzonen haben und verlassen. Erlauben, dass andere den Lebensweg kreuzen, beeinflussen, verändern und doch ganz beim Eigenen bleiben. Aufwachen und tun, was getan werden muss, weil es zur Aufgabe gehört, die wir erkannt, angenommen haben. Es ist nicht wichtig, ob unsere Aufgabe groß und berühmt oder klein und unerkannt ist. Wichtig ist, dass wir sie finden, ergreifen und tun, was die Not wendet. Jede Lebensaufgabe, die ein Mensch findet und ergreift, ist ein Prozess der Menschwerdung. Menschwerdung bedeutet, diese Aufgabe zu suchen, zu finden und zu ergreifen. Dann wird ganz, was noch geteilt war, sind Leib, Seele und Geist eine Einheit, die nicht angreifbar ist.

Werden wir Mensch. Ein größeres Abenteuer können wir in diesem Leben nicht mehr erfahren, oder? Welcher Mensch möchtest DU sein und welcher Mensch KANNST nur DU sein?

Allen einen liebreizenden Venustag und ein schönes Wochenende.

Danke an Christoph für das Foto aus dem Goetheanum in Dornach, einem Ort, an dem auch viel für Menschwerdung jeder Art gestaltet wurde und wird.

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