Uncategorized

Türchen 18

„Ich war das ganze Jahr vielfach auf Reisen. Das solltest du unbedingt auch mal machen, du Stubenhocker!“ DAS schreibt mir allen Ernstes jemand in seiner Weihnachtskarte. Jemand, der mein Leben kennt, das neben meiner Praxis, dem Coaching und Seminaren, die ich gebe, privat aus der sehr aufwändigen Pflege meines schwerstbehinderten Bruders besteht. Das Haus verlasse ich für Coachings und zum Einkaufen, weil man einen Schwerstpflegefall mit Panik, wenn er sich alleine fühlt (selbst wenn jemand da ist), nicht mal eben verlässt für ein „paar Wochen Urlaub“.
Klar hat sich der „Freundes“kreis in drei Jahren Intensivpflege verändert. Zum Kern gehören Menschen, die Verständnis für die Situation haben und mit meinem Bruder klarkommen (er ist je nachdem besucheraffin und isst liebend gern).
Meine Prio liegt auf Menschen, die mehr als ihren eigenen Nabel kennen, Humor haben, es gelassen nehmen, dass im Leben manches anders läuft als man denkt, die einen Lachanfall bekommen, wenn die Situation grotesk ist und damit Dampf rausnehmen, die mir den Kopf waschen, wenns nötig ist oder sagen: „Das ist echt bescheuert“ und dann klug schweigen.
Das 18. Hoffnungszitat stammt von Tacitus: „Es gehört mehr Mut dazu, Missgeschick zu ertragen, als ihm aus dem Weg zu gehen: Tapfere und tüchtige Männer halten auch gegen das Schicksal an der Hoffnung fest, furchtsame und kraftlose stürzen sich aus Angst in Verzweiflung.“
Meine Reisen finden mit den Augen statt. Ist es nicht unglaublich toll, dass so viele „Außenaugen“ mir Bilder schicken für die Posts und ich so rund um den Globus reisen darf? Dieses Foto hat Stephanie gemacht. Danke!

Staunen

Ich werde nie damit fertigwerden, die unfassbaren Naturwunder zu bestaunen. Unglaublich, was es alles an Farben und Formen gibt! Stephanie hat diese großartige Formation fotografiert. Danke!

Türchen 17

Ich wurde gefragt, was ich mir für 2026 wünsche. Unter anderem ist das Verbindlichkeit. Ein Ja sollte ein Ja sein, ein Nein ein Nein. Termine platzen, weil es „zum guten Ton“ gehört, sich zu etwas anzumelden doch nie zu erscheinen. Ausbildungen kommen nicht zustande, weil sich zwar genügend Menschen eingeschrieben haben und nie auftauchen nach dem Motto „Am Wochenende hatte ich Besseres zu tun, wird das nicht aufgezeichnet? Dann guck ich das später.“ Nein, denn später hast du keine große Übgruppe, um wichtige Themen direkt anzugehen und in Treffen nerven Ansagen wie „Ich war beim Kurstag nicht da, was hab ich verpasst?“ So lähmt man effektiv nicht nur das eigene Vorankommen sondern übergriffig auch die anderen.

Unverbindlichkeit wird als Lässigkeit, Wahlmöglichkeit, Varianten von Freiheit und Selbstbestimmung verkauft. In Wirklichkeit ist es Feigheit, Unhöflichkeit, alles wollen und nichts durchziehen, Überfressensein und anderes. Menschen bekommen keinen Platz oder Termin, weil ein Freiheitlich-Unverbindlicher die Zeit reserviert hat. Es kann sein, dass man 5 Minuten nach Start des Termins erkennt, dass keiner kommt. Da kann nicht spontan ein anderer Mensch mit Bedarf einspringen. Gemeinsamer Austausch, Erlebnisse, die man in einer Gruppe teilt, Üben, aneinander wachsen und sich reiben – da doch lieber von der nicht auf Schattenanteile programmierten KI Puderzucker einblasen lassen und in seiner Wellnessblase verschwinden.

Genug eskaliert. Unverbindlichkeit ist tödlich. Für Unternehmen, die auf Verlässlichkeit setzen, für Vertrauen in andere, für einen entspannten Umgang miteinander und nicht zuletzt wirtschaftlich. In der „Freiheit“ des Unternehmers/Veranstalters liegt es, damit umzugehen. 2026: Gern sei ein Ja ein ernstgemeintes und ein Nein ebenso. Davon haben alle was.

Unser 17. Hoffnungszitat stammt von Helen Keller: „Es ist ein Wunder, dass ich all meine Hoffnungen noch nicht aufgegeben habe, denn sie erscheinen absurd und unerfüllbar. Doch ich halte daran fest, trotz allem, weil ich noch stets an das Gute im Menschen glaube.“

 

Wie ein Gemälde wirkt das Foto von Theresa aus Schweden, Dankeschön!

Frühlingslied

Sehnsucht nach dem Frühling

O wie ist es kalt geworden

und so traurig, öd‘ und leer!

Rauhe Winde wehn von Norden,

und die Sonne scheint nicht mehr.

Auf die Berge möcht‘ ich fliegen,

möchte sehn ein grünes Tal,

möcht‘ in Gras und Blumen liegen

und mich freun am Sonnenstrahl.

Möchte hören die Schalmeien

und der Herden Glockenklang,

möchte freuen mich im Freien

an der Vögel süßem Sang.

Schöner Frühling, komm doch wieder,

lieber Frühling, komm doch bald,

bring uns Blumen, Laub und Lieder,

schmücke wieder Feld und Wald!

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 1798 – 1874

Das Winterbild hat Theresa in Schweden gemacht. Danke!

Türchen No. 16

Schwupps – noch einen Termin gibt es 2025, alle anderen sind weg. Am 5. Januar geht es weiter in der Praxis, es braucht den Durchatemmoment. Aus einem leeren Krug kann man nichts ausgießen, egal, wie groß die Not ist. Immer wieder den Krug zu füllen ist wichtig.

Unser 16. Hoffnungszitat ist ein Sprichwort aus China: „Hoffnung ist wie Zucker im Tee. Auch wenn sie klein ist, versüßt sie alles.“

Beate hat das Foto gemacht. Frost wie Perlenschnüre entlang des Efeus – die Natur löst immer wieder Ehrfurcht in einem Menschen aus. Danke für dein Bild.

Rhythmus schenkt Kraft

Aus den Klientenfragebögen lese ich oft heraus, dass Menschen keine Mahlzeiten mit anderen einnehmen, unregelmäßig essen und schlafen gehen. Wir fallen immer mehr aus dem Rhythmus, ohne zu erkennen, dass gerade Rhythmus unserem Leben gewaltig Halt und Struktur gibt. Bei der Masse an Schlafstörungen ist es wenig hilfreich, mal um 22 Uhr und mal um 1 Uhr frühs ins Bett zu gehen. Gerade Schlafarchitektur muss auf guter Basis stehen und die lautet dann in der Behandlung erstmal: immer zur gleichen Zeit ins und aus dem Bett. Keine Bildschirme mehr zwei Stunden vor dem Schlafengehen. Die letzte Stunde des Tages ist Schlafvorbereitung. Keine schweren Mahlzeiten oder massiv Sport vor dem Schlafen, keine Megastreit. Lesen, Tag Revue passieren lassen, kleine Rituale, die das System auf den Schlaf vorbereiten, gut gelüfteter Raum, keine Milbenburg als Matratze und ein typgerechtes Kopfkissen. Ein Schlaftee, ätherische Öle, das gute alte Lavendelsäckchen sind hilfreich, warme Füße erleichtern das Schlafen, wer heiße Füße hat, kann einen Knieguss machen, das ist sowieso ein genialer Schlafhack von Kneipp, vorausgesetzt, die Füße sind warm. Warme Socken für Frierer, mehr Abhärtung, damit die Füße wärmer werden, ein Abendspaziergang, Dankbarkeitstagebuch und für den Tag Mahl-Zeiten, die den Namen auch verdienen, je nach Typ. Hauptsache, in Ruhe eine Zeit, die nur für Essen und Genießen reserviert ist. Rhythmus ist ein gewaltiger Kraft- und Strukturgeber, schau in die Natur, sie lehrt dich das am besten.

Unser 15. Hoffnungszitat stammt von Adolf Kolping:  „Wie übel wären dir dran, wenn unsere Hoffnung auf Menschen ruhte.“

Ich freue mich im Winter an den Blütenfotos des Sommers – hier eine Haferwurzel. Ist das nicht unglaublich schön?

Licht ins Dunkle tragen dürfen

Zu tragen Geisteslicht in Weltenwinternacht

Erstrebet meines Herzens Trieb

Dass leuchtend Seelenkeime

In Weltengründen wurzeln

Und Gotteswort im Sinnesdunkel

Verklärend alles Sein durchtönt.

Wochenspruch aus dem anthroposophischen Seelenkalender von Rudolf Steiner. Das Foto dazu hat Beate gemacht. Dankeschön!

Türchen 13 und 14

Ein kleines Seminar steht heute an zur Eurythmie, noch eine volle Praxiswochen, dann richtet sich das Augenmerk auf die Vorbereitung des Familienfestes. Rechtzeitig am Morgen übergibt sich der Bruder gewaltig. Krasser Panikmoment. Er hat nach seinem Harnwegsinfekt Schnupfen, ich hoffe, es ist nur Schleim. Menschen mit Handicaps können oft nicht Nase putzen. Wegen dieser Aktion gerade werden zwei Extramaschinen Wäsche laufen, denn er war gerade fertig gewickelt, angezogen und in seine Wolldecke gehüllt, als der Würgreiz kam. Also alles auf Anfang. Jetzt ist er wieder schick, fühlt sich gut und macht seine Puzzles. Lieblingskommentar vom Gemahl: „Da müssen wir jetzt einfach abwarten, was rauskommt.“ Ja. Es fällt nicht direkt unter „produktiver Husten“, vermute ich.

Der Gemahl besorgt den Baum, das Fest nimmt Formen an. Es gibt auch einen normalen Alltag bei uns. Allen ein entspanntes drittes Adventswochenende.

Unser Zitat für die Tage 13 und 14 stammt von Johann Wolfgang von Goethe: „Hoffnung ist die zweite Seele des Unglücklichen.“

 

Stephanies Foto ist atemberaubend. Dieser Baum folgt seinen eigenen Regeln und hat gelernt, mit allem umzugehen, was ist. Ich übe noch.

Perfekter Baum!

Bisher haben wir in jedem Jahr einen Kompromiss gefunden, wie viele Äste am Baum störend sind und wegmüssen. (Das ist das Ende unserer Weihnachtsbäume, die Zweige dienen nach dem Fest als Abdeckung für die Rosen).

Türchen Nr. 12

Jemand sagt: „Lass uns mal eine Vision von der besten Zukunft der gesamten Welt entwerfen.“ Die Gruppe nickt, Ideen prasseln eine Stunde in den Raum. Ich überlege, warum mich das aufregt. Tage später ist mir klar: Wir brauchen weder weitere Visionboards noch übergriffige Ideen, die auf die Individualität anderer Völker/Gruppen/Natur keinerlei Rücksicht nimmt, Missionierung geht nie gut. Es geht darum, was der Einzelne tut. Der Spruch „Global denken, regional handeln“ hat was. Wir brauchen kein „ich mach alles neu“-Mützchen, das wir über alles streifen, egal wie der Kopf ist. Menschen, die wenig reden, sondern Samen austeilen, Mikrokredite geben, Bäume pflanzen, achtsam mit Natur und Ressourcen umgehen, Dinge reparieren, wiederverwerten, anderen eine hilfreiche Hand geben verändern die Welt, nicht die Bubblebabbler. Menschen, die M-U-T entwickeln = machen und tun, weder super noch perfekt, Prototypen. Je mehr, desto näher an guten Lösungen. Jeder kann im eigenen Umfeld viel tun, weniger reden und mehr mit Herz und Verstand handeln.

Mein Beitrag? Ich pflege eine schwerstgehandicapte Person neben meiner Arbeit mit Menschen, wir bauen so viel wie möglich selbst an, das ist seit 40 Jahren ein Biohaushalt. Wir kaufen wenig neue Dinge, reparieren, flicken und haben 2025 ein großes Gewächshaus gebaut. Wir versuchen uns einzumitten, keine Angst zu haben und zu schüren, wach, achtsam und offen zu sein, wann immer es geht. Das mag nicht viel sein, aber es ist besser als nichts. Der alte Spruch aus Afrika: „Wenn viele Menschen an vielen Orten viele kleine Dinge tun, kann sich das Antlitz der Welt verändern“ gibt Zuversicht. MUT rockt.

Unser 12. Hoffnungszitat ist von Friedrich Hölderlin: „Es lebte nichts, wenn es nicht hoffte.“

Erschöpfung

Diese Woche habe ich restlos erschöpfte und ratlose Menschen gesehen in Berufen mit viel Verantwortung für andere und sie wissen nicht weiter. Druck von außen. Werte auf Homepages, die im Alltag mit Füßen getreten werden, was Burnout fördert. Wenn gut aufgestellte Menschen hilflos in Tränen ausbrechen und fragen: „Wie soll ich morgen da wieder hingehen?“, stimmt vieles nicht mehr. Was tun wir? Nichts. Wegschauen. Abwarten, Ball flach halten, wird schon irgendwie. In der Zwischenzeit zerbrechen tatkräftige kluge Menschen, weil sie ihr Team nicht verlassen wollen oder gehen, um woanders vielleicht mehr bewirken zu können, mit schlechtem Gewissen. Warum anerkennen wir nicht: Vieles vom Bisherigen trägt nicht mehr. Wir dürfen umgestalten. Gestalten und erschaffen ist klüger als zerstören und neu aufbauen, was eine der Gefahren von außen mit sich bringt.

Unser 11. Hoffnungszitat stammt von Susette Gontard aus einem Brief an Friedrich Hölderlin im Januar 1799: „Doch noch leuchtet uns die Hoffnung für unsere geliebte Liebe, lass uns sie pflegen und erhalten, solange wir nur können. Eine Stunde, voll Seligkeit des Wiedersehens und Hoffnung in der Brust, sind genug, ihr Leben auf Monate zu erhalten.“

 

Stephanie hat das Foto aus der Schweiz mitgebracht. Genieße deine Augenferien! Danke, Stephanie.

Ein bisschen Himmelsgucken

Am Himmel leuchtet gerade ein unfassbar schöner goldener Morgenhimmel, wie es von den Farben her nur im Winter möglich ist. Dieses Naturstaunen tut gut. Kannst du heute eine Pause machen und die Natur um dich herum wahrnehmen?

Stephanie hat im Spätherbst diesen Himmel fotografiert. Dankeschön!

Rezept für den Zaubertrank

Asterix und Obelix, im Hamburg entdeckt im Miniaturwunderland. Manchmal wünschen wir uns einen Zaubertrank, der fit und stark macht, uns hilft, den Alltag mit links zu stemmen und alles aus dem Weg zu packen, was stört. In solchen Momenten darf uns bewusst werden, dass wir gerade überfordert, müde, erschöpft und ausgelaugt sind. Es wäre gut, wenn wir dann nicht nach dem Zaubertrank schielen und uns vollstopfen mit Powerpillen und noch mehr Kaffee trinken, sondern bewusst dem System eine Pause gönnen. Manchmal muss ich Klientinnen und Klienten sagen, dass Ausschlafen wichtig ist, Bewegung an der frischen Luft, bewusstes Fernbleiben von Menschenmassen, Zerstreuung aller Art und Angstmacherei. Klar müssen Spiegel bestimmt werden von Vitamin D und anderem, doch etwas einwerfen, damit der Laden läuft, ist keine langfristig sinnvolle Option. Den Zaubertrank müssen wir nicht erfinden, weil wir ihn bereits haben. Er hat folgende Zutaten: Training guten Schlafs, moderate Bewegung, typgerechte Ernährung, Zeiten von Muße und Stille, Freude, gute Freundschaften und Rückhalt bei liebevollen Menschen und das Erüben von Zuversicht und innerer Ruhe. Dann sind wir besser in unserer Mitte und die Winde von außen stärken dann die Wurzeln, entreißen uns aber nicht dem Boden, auf dem wir stehen.

Danke an Annemarie für das Foto aus Hamburg!