Author page: Christine Krokauer

Mach es dir gemütlich

Sommerfrische – das war ein feines Wort. Man hatte Ferien. Bedeutete – außer Gartengießen, Berge Bücher lesen, ab und an Obst ernten und einmachen war Ruhe im Karton. Alles lief langsamer. Es gab Pellkartoffeln mit Quark, weils schnell ging. Wir buken stundenlang Pfannkuchen und Waffeln, das ging nur in den Ferien, da war endlich Zeit zum Warten auf die nächste Waffellieferung. Wir aßen tonnenweise Obst und Gurken aus dem Beet, zogen Karotten aus dem Boden, putzten sie an der Hose ab und ab in den Mund. Es gab für die Stadtkinder das Freibad, wir sprangen in die Tauber, verbotenerweise immer vor dem Wehr. Barfußgehen-Wettbewerbe auf kochendheißem Teer. Radfahren mit Wind in den Haaren. Schnell im Tante Emma-Laden für 10 Pfennig ein Wassereis vor dem Essen naschen und in der Dämmerung Federball spielen, bis man ihn nicht mehr sah.

Heute reisen Menschen ans Ende der Welt, um die Apokalypse vor Ort in Augenschein zu nehmen. Andere überqueren die Alpen per pedes, bewältigen den Jakobsweg oder machen eine Kreuzfahrt in die Antarktis, solange man noch Eis sehen kann.

Wann baumelt deine Seele wirklich mal? Kommst du in den Genuss, dich fast zu langweilen, damit Kreativität entstehen kann? Wann mäanderst du durch einen Tag, einfach, weil es gut tut? Wann sitzt du nur so da und schaust dir die Wolken an, dich erinnernd, wie Zeit war in deiner Kindheit – ein klebriger, langer Kaugummi, der sich ziehen konnte und doch war es gut, wie es war zwischen fünf Stunden im Wasser spielen und abends Sterne gucken mit Wolldecke.

 

Hab eine gute Zeit. Manchmal ist die beste Zeit die, in der du nichts im Außen tust, sondern deiner Seele Zeit gibst, nach Hause zu kommen. Mach es ihr gemütlich.

 

Hier macht es sich meine Seele ab und an gemütlich – im Goetheanum in Dornach.

Jagd nach Erholung

Nirgends strapaziert sich der Mensch so sehr wie bei der Jagd nach Erholung.

Laurence Sterne, 1713–1768

Immortelle, hier unter der Rosenreihe, ist als Pflanzenwasser eine Empfehlung für alle, die blaue Flecken plagen.

Tiefgreifend

Immer wieder staune ich darüber, dass die Aufstellung des inneren Teams so eine tiefgreifende Arbeit ist.  Und wie oft wir die Erlaubnis für etwas brauchen – die Erlaubnis zum Selbstwert, die Erlaubnis zum Respekt für sich selbst und vieles mehr. Die Erlaubnis ist sehr unterschätzt, wir denken, dass wir uns etwas erlauben, in Wahrheit steht ein riesiges inneres Veto vor der guten Selbstsorge. Auch spannend am Samstag die Frage eines Klienten: Ist das nicht Egoismus? Gelandet sind wir bei Ken Wilbers gesunder Ego-Entwicklung, die durchaus wichtig ist, um im Leben auch was auf die Beine zu stellen, doch dann darf das Ego auch wieder Stück für Stück einer Generosität, Mentoring und Weitergabe von Wissen weichen, damit die Welle wieder zurück ins Meer gelangen kann.

Kurz danach dann die gewaltige Wasserentladung in Form des Gewitters mit Überschwemmungen. Das Außen spiegelt  gerade viel von dem wider, was in uns Menschen geschieht. Hohe Zeit, genau hinzuschauen, wir ignorieren Entwicklungen, die erst sehr viel später – wenn überhaupt – den Anstrich bekommen könnten „Gut, dass das so schiefgelaufen ist, da mussten wir alles neu aufbauen“.

 

Allen einen freundlichen Start in eine an Sorgen und Nöten arme Woche.

 

Nach einem Regenguss ist der Himmel über Bornholm noch bewegt. Danke an Theresa für das Bild!

Die Seele würdig gestalten

Kann ich die Seele weiten,

Dass sie sich selbst verbindet

Empfangnem Welten-Keimesworte?

Ich ahne, dass ich Kraft muss finden,

Die Seele würdig zu gestalten,

Zum Geisteskleide sich zu bilden.

Der Wochenspruch aus dem anthroposophischen Seelenkalender von Rudolf Steiner.

Klarheit

Die Gespräche in der Praxis haben derzeit eine interessante Qualität. Menschen stellen sehr, sehr tiefe Fragen, sind mit Leben und Tod in allen Facetten konfrontiert, auch im übertragenen Sinne. Krasse Zeiten, krasse Fragen. Eine Klientin stellte gestern fest, dass sie aus lauter Liebe und Rücksichtnahme ein ganzes Gespinst aus Halbwahrheiten entwickelt hat und sich nun vorkommt wie die Fliege im Spinnennetz. Jede weitere Bewegung schnürt sie enger.

Das Bild könnte man gerade auf die Welt übertragen. Wir sind in einem Netz aus Unwahrheiten und ungesunden Entwicklungen. Systeme sind überaltert, das Wachstum der letzten Jahrzehnte war nicht auf stabile Fundamente für die Zukunft ausgelegt, sondern auf Ausmelken. Wir hängen in vielem anderen Ländern hinterher und weiterhin das Gegenteil. Wir proklamieren Ansprüche wie Kredite ohne Sicherheiten bieten zu können.

So krass Wahrheit sein kann, sie befreit, schafft Klarheit, dann kann man sich zusammensetzen und gemeinsam überlegen, wo und wie es weitergehen kann.

Weiß jemand zufällig, wo das Kind aus dem Andersen-Märchen abgeblieben ist, das über den Kaiser gesagt hat: „Aber er hat ja nichts an!“

Wir haben schon lange nichts mehr an und tun so, als wären wir in Goldbrokat gewandet.

 

Im Spiegel erkennen wir so manches. Stephanie hat dieses tolle Foto gemacht. Danke!

 

Kindermund

„Aber er hat ja nichts an!“ sagte endlich ein kleines Kind. „Herr Gott, hört des Unschuldigen Stimme!“, sagte der Vater; und der Eine zischelte dem Andern zu, was das Kind gesagt hatte.

H.C. Andersen, Des Kaisers neue Kleider

Im kleinsten Wassertropfen findet sich die gesamte Welt. Manuela hat das Foto gemacht. Danke!

Schau genau

Das Ernährungsseminar der Ayurvedaausbildung war sehr spannend. Es ist ein hochkomplexes und jahrhunderte altes System und ich bin – wie bei allen alten Systemen – unglaublich beeindruckt von der Beobachtungsgabe und Wahrnehmungsfähigkeit der Menschen früher. Was wir heute über MRTs und andere Techniken erkennen, haben sie auf feinfühlige Weise beobachtet – weil sie genau hingeschaut haben. Das vermisse ich oft in der Arbeit mit Menschen, egal wo, dieses genaue Schauen. Nicht im Sinne von „sich gruseln vor Milben im Elektronenrastermikroskop“, sondern mit dem neugierigen Kinderblick, dem Anfängergeist, der fragt: „Hey, wer oder was bist du denn? Lass mal schauen!“ Liebevoll wahrnehmen ist gemeint.

Ich schaue, wie meine Klienten gehen, sitzen, atmen. Wie schnell sie sprechen, gestikulieren, was sie anhaben und worüber sie sprechen, wenn wir noch nicht „angefangen“ haben. Ich achte auf ihre Wortwahl, ihre Stimmmelodie und ihre Hände. Alles spricht, alles formt sich zu einer Idee, einem Bild, das niemals fix ist, sondern ein „heute so“. Allein das Wahrnehmen öffnet schon einen anderen Raum, in dem der Mensch sein darf. Er hat nicht nur Störung xy, sondern er ist Mensch und der interessiert mich.

Wo kannst du heute Menschen in deiner Umgebung wahr-nehmen? Sie wahrhaftig so nehmen, wie sie sind? Und was geschieht dadurch?

 

 

Genau hinschauen – dann erst sehen wir die unfassbare Schönheit der Wesen und Dinge. Beate hat das mit dieser Blüte getan. Was wir sehen? Ein Wunder. Danke für dein Bild.

Wunder

Was sehen wir, wenn wir wirklich sehen? Wunder über Wunder.

Manuela hat die Blüte fürs Foto in Position gebracht. Danke für dein Bild.

Erkennen und Handeln

Erkenntnis ist eine Sache. Sie ist jedoch noch nicht der entscheidende Schritt. Es ist schön, wenn wir wissen, wie Dinge zusammenhänge, wir Erklärungen für Verhaltensweisen anderer haben (oder unsere eigenen), das bedeutet jedoch noch nicht, dass wir unangemessenes Verhalten dann verändern oder klärt – falls sich andere unangemessen verhalten –, wie wir selbst  damit umgehen. Umsetzung jedoch ist der wesentliche Faktor. Wie gehe ich mit Erkenntnis um? Wie setze ich mein Wissen so ein, dass es mir und anderen hilfreich ist?

Manchmal ergibt sich bei einer Aufstellung beides. Eine Klientin hatte gestern eine sehr tiefgreifende Erkenntnis. Sie konnte vieles klar sehen und Schritte ableiten, wie sie das angehen kann. Dazu haben wir das Rollenspiel genutzt und sie mit einem inneren Helferteam ausgestattet, das sie in sich selbst entdeckt hat. Selbstwirksamkeit, ganz praktisch erlebt.

 

Wege. Im Wald besonders schön. Die Klienten gehen sie im übertragenen Sinn. Maike hat dieses augenfreuende Bild gemacht. Danke!

 

 

Feines Blümlein

Sie war ein Blümlein hübsch & fein, hell aufgeblüht im Sonnenschein. Er war ein junger Schmetterling, der selig an der Blume hing (….)

Wilhelm Busch

Kardenblüten fangen an den Enden an und arbeiten sich zur Mitte durch. Schmetterlinge freut das, wie Stephanies Bild belegt. Danke dir!

Spaltungen überbrücken

Auf Paris richten sich derzeit die Augen der Sportwelt und die Eröffnungsfeier hat etwas erreicht, was man nicht von jeder behaupten kann – sie löst viele Diskussionen aus. Daran sieht man im Grunde ein Phänomen unserer Zeit, die Spaltung. Wir sind sehr schnell mit einer Meinung am Start, machen uns jedoch selten die Mühe, den Standpunkt des anderen zu verstehen und die Welt mal mit seinen Augen zu sehen.

Jeder Mensch hat absolut Recht mit seiner Meinung. An einem Ort: in seinem eigenen Kopf und nur da. Jeder kann nur mit den Brillen sehen, die ihm zur Verfügung stehen und aus der eigenen Perspektive, die nie das gesamte Bild wahrnimmt.

Was wäre ein Weg? Ins Gespräch gehen. Erklär mir deine Welt! Magst du meine kennenlernen? Was hast du dir bei etwas gedacht? Wieso vertrittst du diese These, welche Geschichte steckt dahinter? Dann würden wir gewaltig viel lernen, Perspektiven erweitern und erkennen, dass aus der Sicht jeden Menschen die Welt absolut so ist, wie er sie zu sehen vermag.

Das gilt für Eröffnungs- ebenso wie Familienfeiern, für Chefs und Teams, für Eltern und Kinder, für Angehörige verschiedener Nationen, Geschlechter, Völker, Religionen. Lauschen wir der Geschichte des anderen. Nicht um alles zu akzeptieren, aber um vielleicht sagen zu können: „Okay, so hab ich das vorher nie gesehen. Danke, dass du mir das erklärt hast. Das kann ich jetzt so stehen lassen. Ich bleibe bei meiner These, muss jetzt aber nicht mehr mit dir in einen Wettstreit eintreten, wer Recht hat.“ Entspannt, oder?

 

Einen freundlichen und friedlichen Wochenteilungstag mit dem Schwung des Merkur heute für dich.

 

Sigrid hat den Eiffelturm besucht und das Foto gemacht. Dankeschön!

Überraschungen

Manchmal erscheinen Wege leicht und sie erweisen sich durchaus als gewaltige Herausforderung, manchmal rechnen wir mit dem Schlimmsten und es ist machbar – ein flexibler Geist nimmt die Dinge, wie sie sind.

Maike liebt Bergwege und die Herausforderung, Gipfel zu erklimmen, um die Aussicht zu feiern. Danke für dein Foto!

Ayurvedaernährung als Therapie

 

So ein spannendes Seminar, Ayurveda-Ernährung als Therapie. Gefallen hat mir die Ansage des Dozenten, dass es bei der Behandlung von Erkrankungen um Disziplin anstelle Wunschdenken geht. Das fehlt sehr. Wir bevorzugen einfache Wege, kaufen Dinge kaufen, anstatt sie selbst zu machen. Wollen, dass es fix geht, wo doch alles seine Zeit braucht. Wir möchten eine Tablette einwerfen und die Probleme sind behoben – Veränderung ist Arbeit für und an sich selbst. Warum sind wir uns dieses Engagement der Selbstsorge nicht wert oder lassen es erst gar nicht zu Krankheiten kommen? Manches kann man durch gesunde Ernährung, Bewegung, also Lebensführung gut im Griff behalten. Anderes sind Schicksalsschläge, mit denen wir zurechtkommen müssen. Alles sind Entwicklungen.

In der Praxis erlebe ich Krankheiten der Klienten oft aus Aufwachmoment – wir schlafen und erwachen durch die Krankheit. Müssen wir auf solche Momente warten oder wäre die „kleine Disziplin“ der guten Gewohnheiten nicht einfacher, als viel Power aufzubringen, um den schweren Weg zu gehen? Wähle klug.

 

Hab einen feinen Tag!

 

 

Wir haben gemeinsam gekocht und genossen beim Ayurvedawochenende im letzten Sommer. Da war es so heiß wie heute – und es war großartig, wie unglaublich gut verdaulich das gut gewürzte Essen war.

Helden

Kontrolle über den Geist und die Sinne zu erlangen ist wahres Heldentum. Werde ein Held.

Swami Sivananda

Ein Tomatensüppchen mit frischen Tomaten aus dem Garten mit Chapati – super bei Hitze. Guten Appetit.

So schön

Dankbarkeit trifft es am besten. Ich bin so dankbar für das Arbeiten mit Menschen, weil so vieles möglich ist, viel mehr, als man anfangs meinen mag. Es finden sich für manche Fragestellungen gänzlich unerwartete Wege, die sich als trittfest, zielführend und machbar erweisen. Vieles ist Erfahrung, Wissen, gelebtes Leben. Manches ist absolut unerwartet auch für mich, es taucht als Idee auf, findet Worte und mündet in probieren und anwenden, entwickeln, experimentieren und dabei wieder Freude finden am Tun. Ein Erstgespräch am Samstag – Menschen öffnen sich. Sprechen über Dinge, die lange verschlossen waren, verdrängt und nun auftauchen, belasten, Entwicklung verhindern. Wenn ein erschöpfter Mensch in einen Raum tritt, in dem er nichts muss, es nicht um Erfolge, Imago/Bild im Außen und „mein Haus, mein Auto“ geht, sondern um die Fragen: „Wer bist du? Was ist deine Frage? Was ist dein Schmerz?“ taucht das unverfälschte Wesen auf. Das ist scheu, verletzlich, zeitlos, anmutig und unfassbar schön. Es kennt alle Antworten, alle Wege. Es wartet auf die Erlaubnis, seine Stimme lauter werden zu lassen. Lauscht und folgst du deiner leisen inneren Weisheitsstimme? Sie ist zart. Wie du.

 

An einem Plätscherbrunnen sitzen unter rauschenden Bäumen und lesen – DAS muss das Paradies sein.