Author page: Christine Krokauer

Kraftorte

Es gibt Tage, da höre ich nur Negatives. Katastrophe reiht sich an Chaos. Überforderte Menschen, die sich als Spielball des Schicksals erleben. Situationen, die zunächst sehr ausweglos aussehen. Verfahrene Partnersituationen, Streit, der eskaliert, Aggressionen, die an der falschen Stelle ausbrechen, Vorwürfe und Anschuldigungen, die nicht korrekt adressiert sind und Menschen, die das abbekommen, sich nicht wehren können, an sich zweifeln und letztlich verzweifeln.

Hier braucht es als Begleiter durch solche Krisen ein eigenes stabiles Standing, das auch nicht immer felsenfest gegeben ist. Woraus schöpfe ich Kraft?

Aus der Erfahrung eines vollen Lebens, das reich an Herausforderungen war und ist. Aus der Überzeugung, dass wir absolut kreativ sind im Finden guter Lösungen. Aus dem Wissen, dass vieles Sinn gemacht hat, auch wenn wir es nicht verstanden haben. Aus einer klaren Tagesstruktur, die viel mit Rhythmen im Tag zu tun hat, stärkenden Ritualen, bewussten Mahl-Zeiten, Natur und Austausch. Aus Singen, Lachen und kreativem Tun. Aus dem Wissen, dass ich nicht Lösungen zu liefern habe, sondern Vertrauen in die eigene Kraft der Klienten und Coachees. Und der Fähigkeit, einen Raum zu öffnen, in dem der Mensch so sein darf, wie er ist mit all seiner Not, seiner Verzweiflung, seiner Stärke und diesen Raum auch sicher zu halten.

Ich wünsche dir ein Wochenende voller guter Räume, in denen du gehalten und getragen bist.

 

Mein bester Kraftort überhaupt – der Garten rund um das Holzhaus von Ita Wegman in der Klinik Arlesheim.

In der Zukunft Schoß

Es ruhen in der Zukunft Schoß für meine Seele

die guten und die schlimmen Lose.

Was mir Gutes täglich erfließt,

will ich bemerken;

an ihm zeigt sich mir,

was Götter aus mir gemacht.

Was mir Schlimmes zuweilen erfließt,

will ich ertragen;

an ihm zeigt sich mir,

was ich selber aus mir noch machen kann.

Ich danke meinem guten Schicksal,

wie ich jetzt lebe.

Ich danke meiner Stärke im schlimmen Geschick

die Kraft, die im Leben mich aufwärts führen kann.

Wer glaubt, dass gutes Geschick allein fördere,

Schlimmes allein niederbeuge,

der sieht nicht das Jahr,

sondern nur den Tag.

            Rudolf Steiners

Ein Kraftort der besonderen Art zum perfekten Nachdenken – die Eremitage in Arlesheim.

Was den Geist bewegt

Viele Fragen bewegen den Geist eines Klienten: Zu seiner Arbeit, zur Partnerschaft, seine WG löst sich auf, zur Partnerin ziehen oder nicht? Die Erkenntnis, zu viel Zeit mit Medien zu verbringen. Wie schwer der Dopaminentzug ist, zeigen drei Tage ohne Netz. „Warum halte ich nicht durch?“

  1. Wir geben zu schnell auf, wenn es nach dreimal probieren nicht klappt, höre ich: „Das wirkt bei mir nicht.“ 2. Wir kehren nicht freundlich vom Abschweifen zurück, sondern verlieren uns in Anklageschleifen, wie unfähig wir sind. 3. Gedankenblähen. Wir kreieren Gedanken, keine Handlungen, das macht langfristig unzufrieden. 4. Wir glauben dem Geschrei im Kopf. 5. Wir trainieren keine Ausdauer. 6. Wir glauben, dass alles leicht sein soll, weil das Gurus sagen. 7. Wir hätten gern alles auf dem Silbertablett serviert.

Lösungsideen: 1. Dranbleiben. 2. Freundlichkeit zu sich selbst, „ah, abgeschweift, da ist das Buch, ich lese jetzt“. 3. Gankenpupse sind nicht die Realität. 4. Traue prinzipiell erstmal keinem Gedanken in deinem Kopf. 5. Nochmal dranbleiben. 6. Ja, es kann leicht sein, muss es aber gerade am Anfang nicht. Trainiere lieber, was du willst. 7. Selbst Geschafftes macht froh. Weg von zu viel Mediennutzung. Natur, direkter Kontakt mit echten Menschen, viel händisch machen (Gemüse schnippeln, Teige kneten, Garten, Holzwerkeln, stricken, Hauptsache Hand). Männer-Tipp: Bitte nicht einreden, dass alles toll sein muss, ihr euch gut zu fühlen oder zu funktionieren habt. Mentale Gesundheit brauchen alle. Traut euch bitte, darüber zu sprechen und Hilfe einzuholen.

 

Stephanie hat die Morgenstimmung mit Bodenfrost eingefangen. Danke für das Bild!

Und doch ist einer

Die Blätter fallen

 

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,

als welkten in den Himmeln ferne Gärten;

sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde

aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.

Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen

unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke: Das Buch der Bilder

 

Einmal im Jahr muss dieser Text sein. Das Foto ist aus Stephansried, wo Sebastian Kneipp aufgewachsen ist.

 

 

Wann hat Noah die Arche gebaut?

Bei vielen Menschen läuft es derzeit friedlich und rund, bei anderen stürzt alles ein. Das ist das Spannungsfeld des Lebens. Nichts bleibt – weder das Rundlaufen noch die Katastrophen. Vielleicht dürfen wir uns beim Rundlaufen erholen, weil es Arbeit war, diesen Zustand zu erreichen. Genießen wir das Plateau, in dem das Leben scheinbar nichts von uns will. Nutzen wir die Zeit, um unsere Wurzeln zu vertiefen, damit der nächste Lebenssturm nichts entwurzeln kann.

Wann ist es Zeit, sich mit sich selbst zu befassen? Anders gefragt: Wann hat Noah die Arche gebaut? Meines Wissens vor der Sintflut und nicht, als es angefangen hat zu schütten. Das ist ein gutes Bild als Antwort auf die Frage, wann man seine inneren Themen angeht, die Baustellen klärt und sich fokussiert auf Werte, Ziele und die Art, das Leben zu gestalten. In der Krise geht es um Schadensbegrenzung und Überleben. In der Ruhe kann ich mit innerem Abstand betrachten, anders wahrnehmen, tiefer bohren, weil ich stabiler bin und damit auch achtsamer vorgehen.

Wann schaust du deine Themen an, um mit Freude und Bedacht  deine Wurzeln zu stärken, deine Zweige auszulichten, damit überall Sonne und Luft hinkommen kann und deine Blätter leuchten zu lassen?

Einen freundlichen Donnerstag für dich mit der Kraft des Jupiters.

Wanderungen in der Natur – wer sich eine so beeindruckende Landschaft wie diese in der Schweiz aussucht, erlebt Auf und Ab auf eigene Weise. Danke für dein Bild, liebe Stephanie.

 

Blätterfall

Blätterfall

Der Herbstwald raschelt um mich her …

Ein unabsehbar Blättermeer

entperlt dem Netz der Zweige.

Du aber, dessen schweres Herz

mitklagen will den großen Schmerz –

sei stark, sei stark und schweige!

Du lerne lächeln, wenn das Laub,

dem leichten Wind ein leichter Raub,

hinabschwankt und verschwindet.

Du weißt, dass just Vergänglichkeit

das Schwert, womit der Geist der Zeit

sich selber überwindet.

Christian Morgenstern

Einmal im Jahr muss dieser Text auftauchen, weil er so zeitlos wundervoll ist. Blätterrascheln am (nachgebauten) Badehaus von Sebastian Kneipp in Bad Wörishofen.

Klarheit

Je älter ich werde, desto klarer werde ich. Das hat damit zu tun, dass man nur um den heißen Brei herumredet, solange man meint, noch viel Zeit für alles zu haben, nett sein zu müssen, niemanden vor den Kopf zu stoßen. Ich muss niemanden vor den Kopf stoßen. Freundlichkeit halte ich für eine absolute Notwendigkeit im Zwischenmenschlichen, wenn sie authentisch ist und auch das ist ein Wert, der an Bedeutung gewinnt. Wasser predigen und Wein trinken kann man machen, muss man nicht. Klarheit bedeutet: Die Learnings wahrzunehmen, die in Situationen stecken, und wenn danach gefragt ist, sie zu benennen. Es bedeutet in meiner Arbeit mit Klienten, durchaus zu kommunizieren, dass und weshalb der Kaiser nackt ist. Es gibt nichts Peinliches, nur noch nicht Erkanntes, Durchdrungenes, vielleicht Aufgelöstes. Klarheit kann schmerzhaft sein, doch ist auch hier die Frage der Verpackung wichtig. Die Mentoren, die zu mir sehr klar im Leben waren, waren entscheidende Wegweiser. Sie haben mir weder Wege abgenommen noch meine Probleme gelöst, sondern deutlich gemacht, wo ich stehe. Ohne Vorwurf. Ohne Wertung. Einfach nur – so ist es. Von hier aus gehst du jetzt wo genau hin? Klare Fragen. Das hat mancher Situation im Leben das Drama genommen. Rückblickend kann ich sagen – Drama kann anstrengend sein. Klarheit ist ruhiger. Du wählst jeden Moment. Wähle klug nach deiner Kraft, denn es ist dein Weg.

 

Figur von Edith Maryon.

Farbenfreude

Buntes Laub entsteht, wenn das Chlorophyll vom Baum aus den Blättern gezogen wird. So sieht man die Farbenvielfalt, die sonst vom Grün überdeckt ist.

Sammeln wir Leuchtfarben in diesen Tagen des goldenen Oktobers.

Montagsübung für dich

Wen würdest du dir an eine Tafelrunde mit Platz für 12 Menschen setzen, um dich auszutauschen?

Diese Übung geht angeblich auf James Agate zurück (1877–1947). 1933 notierte er in seinem Tagebuch dieses Fragespiel: „Welche elf Gäste würdest du in freier Wahl unter allen Menschen seit Adams Zeiten zu einem Dinner einladen wollen?“

Stelle in einer ruhigen Stunde deine Gästeliste zusammen. Erlaubt sind Menschen, Sagengestalten, Tiere, Märchenfiguren etc. Notiere dir bitte auch die Sitzordnung. Wer wird neben wem sitzen? Warum?

Diese Übung zeigt dir, wer für dich (im Geistigen und real) eine bedeutende Rolle spielt. Diese Menschen/Wesen haben tiefgreifenden und inspirierenden Einfluss auf dein Leben, deine Sicht der Welt und deine Art zu handeln. Sie sind wie dein geistiger Urgrund oder zeigen, in welche Richtung deine tiefen Fragen derzeit gehen.

 

Einen freundlichen Start in die neue Woche!

 

Fast eine Tafelrunde – unser Stuhlkreis vor einer Aufstellung.

Des Denkens Leuchten

Sich selbst des Denkens Leuchten
Im Innern kraftvoll zu entfachen,
Erlebtes sinnvoll deutend
Aus Weltengeistes Kräftequell,
Ist mir nun Sommererbe
Ist Herbstesruhe und auch Winterhoffnung.

Der Wochenspruch aus dem anthroposophischen Seelenkalender von Rudolf Steiner.

Am Goetheanum kann man des Denkens Leuchten kraftvoll entfachen.

Himmelsbotschaften

Wärmewelle. Für viele ein Kopfschmerzgarant, die Laune geht bei manchen steil nach oben, bei anderen sackt der Kreislauf ab. Halten wir uns daher vielleicht an die Nächte, denn sie bescheren noch wenige Tage ein besonders Schauspiel – ein Komet ist abends am Himmel zu sehen. Ist dir aufgefallen, welche Mühe sich der Nachthimmel gerade gibt, dass wir den Blick weg von den Taschenkobolden mal nach oben richten? Erst Polarlichter, der Supervollmond, ein Komet. Vor 2000 Jahren hat ein Komet Menschen bewogen, sich auf die Suche nach etwas zu machen, das lebensverändernd ist. Herzliche Einladung an dich! Angenommen, der Komet Tsuchinshan-Atlas, heute Nacht vom Supermond begleitet, wäre wie damals der Auftakt zu etwas völlig Neuem in deinem Leben – was wäre das? Nimm im Herzen gern noch Leonardo da Vincis Frage mit: „An welchen Stern willst du deinen Lebenskarren binden?“, sprich – welche Vision hat für dich Tragkraft, Zugkraft aus der Zukunft heraus und reicht dir hier und heute die Hand, um Veränderungen anzustoßen oder zu feiern, dass du goldrichtig aufgestellt bist für den Moment? Alles darf sein.

Ein spannendes Wochenende dir mit vielen Innerungen und tollen Momenten im Außen.

 

Stephanie hat diesen unfassbaren Himmel im Bild festgehalten. Dankeschön!

Pilze, solche und solche

Herbstzeit ist auch Pilzzeit. Es macht Sinn, sich kundig zu machen, was im Kochtopf landen mag. Pilzführungen sind da sehr erhellend und eventuell auch lebensrettend.

Sigrid hat beim Waldspaziergang diesen hübschen Kerl entdeckt. Danke für dein Foto.

Zweinigkeit

Kommunikation – oft ein Kampf ums Rechthaben. Der Wunsch, dem Gesprächspartner klar zu machen, dass die eigene Sicht auf die Welt die richtige ist. Überzeugung, Nötigung, Kampf und Beleidigtsein. Wie wäre dieser Gedanke: Jeder Mensch schaut mit seinen Augen in die Welt. Seine Wahrnehmung ist geprägt von seinen Erlebnissen (und welche Narrative er daraus gemacht hat), seinem momentanen Zustand (in der Wut sieht man recht wenig), seiner Art. Er sieht also die Welt aus seiner Sicht „richtig“ (was lustig ist. Bei Millionen Infoeinheiten, die pro Sekunde aufs Gehirn einprasseln und von denen wir ca. 8 ins Bewusstsein bekommen, glauben wir, wir nehmen die Welt wahr). Der Gesprächspartner sieht die Welt aus seiner Warte ebenfalls richtig. Jeder lebt auf seiner Insel der „wirklichen Welt“. Im Konfliktfall geht es darum, den anderen einzuladen, auf die eigene Insel zu kommen oder auf die des anderen zu gehen, um die Welt mit seinen Augen zu sehen. Dann entsteht Verständnis. Dann kann die Antwort sein (für die Vera Birkenbihl das Wort „Zweinigkeit“ prägte): Ach, so siehst du das, aus deiner Sicht kann ich das nachvollziehen. Ich sehe es dennoch anders, kann dich jetzt aber verstehen. Wo können wir uns in der Mitte finden?“

Vielleicht eine Hilfe für alle, die gern rechthaben wollen (du hast Recht! Immer! In deinem Kopf) oder viel Energie hineinstecken in den sinnlosen Kampf, andere von ihrer Sicht zu überzeugen. Lasst gern die Welt durchaus freundlich und friedlich schön bunt.

Einen Tag ohne Energievergeudung durch Konflikte!

 

Alles in der Natur kommuniziert miteinander. Jedes Wesen in seiner eigenen Sprache. Stephanies Foto ist in der Schweiz aufgenommen, Danke dafür!