
„Ich war das ganze Jahr vielfach auf Reisen. Das solltest du unbedingt auch mal machen, du Stubenhocker!“ DAS schreibt mir allen Ernstes jemand in seiner Weihnachtskarte. Jemand, der mein Leben kennt, das neben meiner Praxis, dem Coaching und Seminaren, die ich gebe, privat aus der sehr aufwändigen Pflege meines schwerstbehinderten Bruders besteht. Das Haus verlasse ich für Coachings und zum Einkaufen, weil man einen Schwerstpflegefall mit Panik, wenn er sich alleine fühlt (selbst wenn jemand da ist), nicht mal eben verlässt für ein „paar Wochen Urlaub“.
Klar hat sich der „Freundes“kreis in drei Jahren Intensivpflege verändert. Zum Kern gehören Menschen, die Verständnis für die Situation haben und mit meinem Bruder klarkommen (er ist je nachdem besucheraffin und isst liebend gern).
Meine Prio liegt auf Menschen, die mehr als ihren eigenen Nabel kennen, Humor haben, es gelassen nehmen, dass im Leben manches anders läuft als man denkt, die einen Lachanfall bekommen, wenn die Situation grotesk ist und damit Dampf rausnehmen, die mir den Kopf waschen, wenns nötig ist oder sagen: „Das ist echt bescheuert“ und dann klug schweigen.
Das 18. Hoffnungszitat stammt von Tacitus: „Es gehört mehr Mut dazu, Missgeschick zu ertragen, als ihm aus dem Weg zu gehen: Tapfere und tüchtige Männer halten auch gegen das Schicksal an der Hoffnung fest, furchtsame und kraftlose stürzen sich aus Angst in Verzweiflung.“
Meine Reisen finden mit den Augen statt. Ist es nicht unglaublich toll, dass so viele „Außenaugen“ mir Bilder schicken für die Posts und ich so rund um den Globus reisen darf? Dieses Foto hat Stephanie gemacht. Danke!
