
Ich wurde gefragt, was ich mir für 2026 wünsche. Unter anderem ist das Verbindlichkeit. Ein Ja sollte ein Ja sein, ein Nein ein Nein. Termine platzen, weil es „zum guten Ton“ gehört, sich zu etwas anzumelden doch nie zu erscheinen. Ausbildungen kommen nicht zustande, weil sich zwar genügend Menschen eingeschrieben haben und nie auftauchen nach dem Motto „Am Wochenende hatte ich Besseres zu tun, wird das nicht aufgezeichnet? Dann guck ich das später.“ Nein, denn später hast du keine große Übgruppe, um wichtige Themen direkt anzugehen und in Treffen nerven Ansagen wie „Ich war beim Kurstag nicht da, was hab ich verpasst?“ So lähmt man effektiv nicht nur das eigene Vorankommen sondern übergriffig auch die anderen.
Unverbindlichkeit wird als Lässigkeit, Wahlmöglichkeit, Varianten von Freiheit und Selbstbestimmung verkauft. In Wirklichkeit ist es Feigheit, Unhöflichkeit, alles wollen und nichts durchziehen, Überfressensein und anderes. Menschen bekommen keinen Platz oder Termin, weil ein Freiheitlich-Unverbindlicher die Zeit reserviert hat. Es kann sein, dass man 5 Minuten nach Start des Termins erkennt, dass keiner kommt. Da kann nicht spontan ein anderer Mensch mit Bedarf einspringen. Gemeinsamer Austausch, Erlebnisse, die man in einer Gruppe teilt, Üben, aneinander wachsen und sich reiben – da doch lieber von der nicht auf Schattenanteile programmierten KI Puderzucker einblasen lassen und in seiner Wellnessblase verschwinden.
Genug eskaliert. Unverbindlichkeit ist tödlich. Für Unternehmen, die auf Verlässlichkeit setzen, für Vertrauen in andere, für einen entspannten Umgang miteinander und nicht zuletzt wirtschaftlich. In der „Freiheit“ des Unternehmers/Veranstalters liegt es, damit umzugehen. 2026: Gern sei ein Ja ein ernstgemeintes und ein Nein ebenso. Davon haben alle was.
Unser 17. Hoffnungszitat stammt von Helen Keller: „Es ist ein Wunder, dass ich all meine Hoffnungen noch nicht aufgegeben habe, denn sie erscheinen absurd und unerfüllbar. Doch ich halte daran fest, trotz allem, weil ich noch stets an das Gute im Menschen glaube.“
Wie ein Gemälde wirkt das Foto von Theresa aus Schweden, Dankeschön!
