
Ein Anblick zum Staunen – die Kraft der Wolken, die Wassermassen, die auf die Erde hinabstürzen. All das spielt sich derzeit draußen ab, gestern von Stephanie fotografiert (die dann sehr nass wurde). Danke für dein Foto!

Ein freies Herz und ein ruhiges Gewissen nennt Theresa von Avila „etwas sehr Großes“. Oft genug sind wir nicht freien Herzens, weil wir uns irgendwelchen Dingen beugen, uns verleugnen, gegen unsere innere Stimme handeln. Ein freies Herz haben bedeutet, authentisch sein zu können, was in einer Demokratie einfacher sein kann. Es bedeutet, jemanden zu lieben ohne Wenn und Aber. Für etwas einstehen, sich ein Herz fassen im Sinne von mutig auf seinem Weg vorangehen, auch wenn es ein einsamer sein mag, einfach, weil er der einzig möglich ist.
Wie wichtig unser Herz ist, merken wir erst, wenn es stolpert oder seinen Dienst nicht mehr tut. In der Medizin galt das Herz lange als Pumpe, doch es hat ein eigenes Gehirn, sein eigenes Gedächtnis, kann durch Emotionen gestärkt werden oder sogar physisch wie gebrochen sein. Es hat nicht nur Kammern für das Blut, sondern Räume der Erinnerung an geliebte Menschen, Räume für alle, mit denen wir verbunden sind und noch leere Räume für die Menschen, die wir noch im Leben lieben und mögen werden.
Das ruhige Gewissen, das ein sanftes Ruhekissen ist – ich glaube, wir alle haben kein ruhiges Gewissen, denn jeden Tag machen wir eine Menge Dinge, die nicht gut sind. Wir handeln gegen unsere Überzeugungen, können längst nicht mehr alle Konsequenzen unseres Handelns überblicken und richten ungewollt Schaden an durch Äußerungen oder etwas nicht wahrnehmen.
Nehmen wir den Druck raus – wir sind übend, lernend und dürfen immer wieder neu anfangen. Mit jedem besseren Wissen können wir anders handeln und auch das ist eine Kunst.
Heute einen herzlichen und mutigen Tag mit ausreichend reinem Gewissen allen.
Wie anders ist die Welt auf nicht farbigen Fotos. Das Auge geht dann viel tiefer in Details. Danke an Theresa für das spannende Venedigfoto.

Am Wochenende gab es eine heftige Diskussion. Im Raum stand diese Behauptung: „Menschen wollen nur noch Mittelmaß. Die denken nicht mehr, wollen einfache Sachen, die sie verstehen und basta. Also greifen wir sie einfach da ab. Keine tiefen Infos, keine Grabearbeit in der Seele, Wellness ist dran, für mehr haben sie keine Lust.“ Ich hätte nicht gedacht, dass ich in Sekundenbruchteilen von „ruhig und friedlich“ auf „brandgefählicher Ausraster in Sicht“ komme. Vielleicht, weil diese Aussage wirklich oft zutrifft, ich das jedoch nicht wahrhaben mag.
Ich bin in vielem für einen gesunden, stabilen Mittelweg zwischen Extremen. Was ich nicht mag, ist das Stillstehen bei Erreichen einer Mittelmäßigkeit. Ich schätze es, wenn sich Menschen in Themen tief hineinfuchsen, es zur Meisterschaft in ihrem Fach bringen. Eine handwerklich großartige Arbeit begeistert mich ebenso wie das Können eines Musikers, der die Seele eines Stücks lebendig werden lässt oder Kochkunst, wenn das Gericht nicht nur schmeckt, sondern auch dem Auge Freude bereitet. Ich liebe es, wenn Menschen in dem aufgehen, was sie tun und darin immer besser werden. Exzellenz wurde das einst genannt, Kunstfertigkeit oder Meisterschaft.
Dahinter stecken Arbeit, Ausdauer und viel Liebe, Leidenschaft und Leidensfähigkeit, denn es bedeutet oft mehr Lernen, mehr Aushalten von Frustrationen, weil es dauert, bis etwas leicht ausschaut.
Ich glaube, dass in Therapie und Coaching Meisterschaft durchaus im wahrsten Sinn des Wortes not-wendig ist. Diese erreicht man durch Lernen, Lernen, Lernen, Beobachten und Üben. Menschen wahrhaft begleiten gelingt in meiner Wahrnehmung nicht durch Mittelmaß. Wellness ist total okay – es hat für mich aber mit Therapie und Coaching nichts zu tun. Das darf auch schön, leicht, lässig, anregend und lebendig sein, keine Frage. Aber auf anderem geistigen Boden als seicht.
Klares Ja zu Meisterschaft/Exzellenz/Qualität. Auf der Basis von Humor, profunder Sachkenntnis, klarem Verstandestraining (einst Denken genannt), Erfahrung, Mut, Freundlichkeit und stets weiter ausgebautem Wissen (was irgendwann vielleicht Weisheit werden darf) und der Erkenntnis, dass wir getragen werden von etwas, das größer ist als wir selbst und so auch Gnade immer wieder eine Rolle spielt, entsteht gute Arbeit. Sie hat mit Handwerk zu tun (auch Management kommt von manus agere!), mit Üben und irgendwann mit immer sicherer werdendem Können. Nein, mit Mittelmaß mag ich nicht zufrieden sein müssen. Egal, ob das alle anderen anders sehen, ich biete kein seichtes Wellnessprogramm.
Allen einen frohen Start in die (bei uns in Bayern) um einen Tag kürzere Woche nach Pfingsten.
Welche wasserfreundliche Fee hat diesen Mantel um die Pflanze gezaubert? Stephanie hat ihn entdeckt. Danke für dein Bild.

Es wächst der Sinne Macht
Im Bunde mit der Götter Schaffen,
Sie drückt des Denkens Kraft
Zur Traumes Dumpfheit mir herab.
Wenn göttlich Wesen
Sich meiner Seele einen will,
Muss menschlich Denken
Im Traumessein sich still bescheiden.
Der Wochenspruch für diese Woche aus dem anthroposophischen Seelenkalender von Rudolf Steiner.
Die wachsende Macht der Sinne erleben wir im Sommer sehr intensiv – Anblicke wie der auf Maikes Foto ziehen unsere Achtsamkeit schlichtweg nach Außen und das Denken darf sich still bescheiden. Danke für dein Foto.

Was war gestern los? Nicht nur, dass dauernd Sirenen, Martinshorn plus Rettungshubschrauber unterwegs waren – wir drei waren platt, als hätten wir den Stadtmarathon (viel Glück allen, die dieses Wochenende in Würzburg starten) zweifach gelaufen. Kopfschmerzen, Müdigkeit und ein Gefühl, als wate man durch heißen Schlick.
Die letzten Wochen waren ein Ritt aus vielerlei Gründen, doch das erklärt nur teilweise unsere Erschöpfung. Wir stellten fest, dass wir damit nicht die Einzigen waren, jeder berichtete gestern von außergewöhnlicher Müdigkeit. Ich vermute, das hat mit dem Wetter zu tun. Seit den Polarlichtern fällt mir bei Klienten eine Zunahme an Gereiztheit und Müdigkeit auf – gestern kam das dann auch bei uns an, wir sind da relativ unempfindlich, was Wetter und Mondphasen betrifft.
Umso schöner, dass wir uns auf heute besonders freuen, den Seminartag-Startschuss im Nautilus-Projekt ins nächste große Thema: Integrale Arbeit nach Ken Wilber. Wir erarbeiten uns das integrale Denken und befassen uns die nächsten Wochen mit der Frage der Quadranten, was Holons sind, wie wir alle Bereiche stärken können und schauen das Modell der Inner Voices an, ehe der Abschnitt „Gelingende Kommunikation“ beginnt. Das sind spannende Aussichten.
Allen ein gutes Wochenende, mit vielen Möglichkeiten, Dinge zu tun, die Freude bereiten und viel Austausch mit lieben Menschen!

DAS ist reine Erholung – das Plätschern des Wassers entspannt die Nerven, die Grüntöne tun den Augen wohl und die Monoterpene in der Luft, die die Nadelbäume als Kommunikationsmittel nutzen, stärken das Immunsystem. Stephanie hat also beim Fotografieren jede Menge Bonuspunkte gesammelt. Dankeschön!

Was ist wirklich wichtig? In der Arbeit mit Menschen geht es jeden Tag um diese Frage. Wie erkennen wir, was „Unseres“ ist? Oft kommt die Frage: „Wie finde ich den Sinn meines Lebens?“ Sinn ist mit unseren Werten eng verbunden. Manchmal ist die pragmatische Antwort auf die Sinnfrage die: Der Sinn findet dich.
Ich habe nach dem Abitur bei einer Tageszeitung eine Ausbildung zur Redakteurin gemacht. Politik und Feuilleton fand ich großartig, also habe ich Politische Wissenschaften, Geschichte und Kunstgeschichte studiert. Am Ende des Studiums war das zweite Kind unterwegs und wir starteten unsere Selbstständigkeit mit dem Erfassen von Dissertationen und anderen Texten, die meisten hatten damals noch keinen Computer. Dann ging es mit Verlagslektorat weiter und der Betreuung von Autoren, was ich Jahrzehnte gemacht habe, während die Kinder groß wurden.
Durch den Kinderarzt lernte ich die Anthroposophie kennen und machte eine intensive Ausbildung in Waldorfpädagogik. Zwischendurch war ich im Leitungsteam eines Naturkaufhauses, das alles bot von Naturkosmetik über Waschmittel bis Bekleidung und baute eine Filiale in einer anderen Stadt erfolgreich auf. Dann begegnete mir die Biographiearbeit, die Ausbildung zum anthroposophischen Familien- und Sozialberater und ich setzte den Heilpraktiker für Psychotherapie drauf. Ich erkannte – dann muss man auch Therapie gründlich lernen, was ich mit Ideodynamisch-Systemischer Psychotherapie tat, dem folgten zahllose Fort- und Weiterbildungen bis heute.
Seit Jahren arbeite ich nun in der Therapie und im Coaching von Menschen, Teams (vor allem in Kindergärten, an Schulen unf mittelständischen Betrieben). Eine intensive Coachingausbildung schloss sich an. Seit 2009 unterrichte ich leidenschaftlich gern, erst an diversen Instituten, dann in meiner eigenen Schule bis heute. Seit März 2023 lebt nach dem Tod der Eltern mein schwerstbehinderter Bruder als Pflegefall bei uns.
Ich habe nie aufgehört zu lernen und zu studieren. Ich hoffe sehr, dass diese Begeisterung noch lange anhält. Immer fand sich die nächste Tür von allein. Rückblickend war es ein unglaublich spannender und vielfältiger Weg, weil ich alles bis heute mache: Schreiben, Verbundenheit mit Biowelt, Anthroposophie, Buddhismus, den ich im Studium kennenlernen durfte, Arbeit mit Menschen in vielerlei Lebenslagen und Bereichen.
Alles macht Sinn. Und überall durfte ich Erfahrungen sammeln, die in mein tägliches Tun einfließen. Wenn wir offen sind, wach und bereit, kommen die Aufgaben. Manche waren anfangs viel zu viel und schwer, doch habe ich die Erfahrung gemacht – es braucht den Mut, daran zu wachsen und manchmal auch den Mut zu sagen: Das ist nicht meins. Weg damit.
Das Leben ist eine großartige Sache. Spannend, oft genug meganervig, stressig und weiß der Geier was alles. Egal – es ist jeden Tag total lebendig. Ich bin gespannt, wie es weitergeht und wen ich in Zukunft begleiten darf.
Allen einen liebevollen Venustag.

Viele Rhythmen im Jahr wie vor Jahrzehnten schwinden, alles ist Veränderung, Polarlichter in unseren Breiten sind beispielsweise für uns neu.
Sind wir bereit? Sind wir in der Lage, Liebgewonnenes zugunsten von neuen Wegen loszulassen? Erkennen wir, was zu tun ist? Können und wollen wir gemeinsam mit anderen an Lösungen arbeiten, oder geht es um das Zementieren eines Egoismus, der langfristig ruinös ist?
Wir können nicht mehr alles bedenken. Es braucht Teams aus unterschiedlichsten Feldern für die vielfältigen Themen, weil wir nur so auf Gedanken kommen, die wir selbst nicht haben aufgrund unserer normalen Begrenztheit. Mehr Menschen, mehr Ideen. Mehr Lauschen. Mehr Taten. Mehr das Gemeinsame erkennen. Wir sind Bewohner eines Planeten im Sinne von „nur Menschen“. Keiner ist besser oder schlechter, es geht darum, was wir miteinander tun können, um künftigen Generationen eigene Wege zu ermöglichen.
So viele Dinge geschehen derzeit, die großartige Wegweiser in die Zukunft sind, doch der Fokus liegt auf Angst und Negativem. Wollen wir ernstlich als die Generation in die Geschichte eingehen, die vor lauter Angst unkreativ die Augen verschlossen hat? Das war noch nie die beste Idee, egal in welchem Bereich. Face your fear. Gemeinsam schaffen wir so vieles. JETZT ist die Zeit, weil sie uns JETZT auffordert zum Handeln.
Gelb leuchten die Felder nun wie auf Sinas Foto. Danke dir!

Wenn ein Mensch gut aufgestellt durchs Leben geht, sagen wir: „Das ist ein aufgeräumter Mensch“. Kein Chaos im Denken, im Sein. Heute sind viele Menschen eher im Messimodus – alles wird gesammelt, unsortiert, wir sind nicht in der Lage, Wichtiges vom Unwichtigen zu scheiden, uns mit Abstand etwas klar zu betrachten oder gar „Nein“ zu sagen zu Ablenkungen aller Art.
Viel Stress ist hausgemacht. Ich erlebe, dass die Menschen das nicht mehr im Elternhaus lernen, wie man sich sortiert, seine Gedanken prüft, sein Wissen erweitert, sich selbst gut aufstellen kann. Deshalb begleite ich inzwischen immer mehr Menschen nicht nur therapeutisch, sondern auch in Lebensführungsfragen. Wann hast du dich selbst das letzte Mal sortiert? Dein Auto ist häufiger beim TÜV als dein Geist? Herzliche Einladung zum Großreinemachen, ehe der Sommer deine Sinne ganz ins Außen zu ziehen vermag.
Allen einen freundlichen und friedlichen Wochenteilungstag heute.
Frauenmantel – nicht nur eine mächtige Heilpflanze, sondern auch zauberhaft in Sträußen und im Garten über Wochen.

3715 Meter hoch erhebt sich auf Teneriffa der Pico del Teide, Spaniens höchster Berg. Viele Geschichten und Sagen ranken sich um ihn. In jungen Jahren waren meine Eltern dort und schwärmten lebenslang von diesem Berg, sie brachten bestickte Tischdecken von Teneriffas Teide mit.
Berggipfel haben etwas Magisches, wie auch Gipfel im Leben etwas Magisches haben. Manchmal sind es auch Höhepunkte im Negativen. Wir haben in unserem Sprachgebrauch einen Begriff nicht mehr in Gebrauch, der in meiner Kindheit gängig war. Wenn jemand von uns so krank war, dass es auf Messers Schneide stand, sprach der Hausarzt von der „Katharsis“, die es nun zu überstehen galt. Als ich ihn fragte, was das sei, erklärte er es so: „Manchmal muss sich ein Mensch entscheiden, ob er gesund werden mag oder nicht. Das ist die Katharsis, wenn er vom lieben Gott gefragt wird: Willst du nach Hause kommen oder noch ein bisschen hierbleiben? Und weil das so eine schwere Frage ist, muss man da ganz ruhig bleiben im Außen und darf nur vorsichtig die Menschen im Auge haben und die Entscheidung so nehmen, wie sie ausfällt.“
Oft denke ich an dieses Wort Katharsis, wenn Menschen an schweren Entscheidungspunkten im Leben stehen. Werden sie das aushalten, weil sie noch nicht fertig sind mit dem Leben oder gehen sie zurück in die geistige Welt?
Allen einen guten Start in die kurze Woche!
Tanja hat dieses wunderschöne Teide-Foto von Teneriffa geschickt. Ich danke dir!