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Wem gehört das Glück?

Das Glück gehört denen, die sich selbst genügen. Denn alle äußeren Quellen des Glückes und Genusses sind, ihrer Natur nach, höchst unsicher, misslich, vergänglich und dem Zufall unterworfen.

Arthur Schopenhauer

Herbstblätter wie ein Farbenvorhang! Stephanie hat das zauberhafte Foto gemacht, Danke dir!

Wir diskutieren die Aussage, dass unsere Generation Kreuzfahrten, Ausbeutung des Planeten und Freizeit im Sinn habe und wir seit 1970 hätten wissen müssen, was Sache ist. Das drückt die berechtigte Wut aus, 2025 als Mensch mit herausfordernden Themen belastet zu sein und die Annahme, dass die Generation davor wie die Made im Speck gelebt hat.

Im Dorf meiner Kindheit war die Welt begrenzt. Ich trug geerbte Rundhosen, die mit Borten verlängert wurden, bis sie zerfielen. An Jacken wurden Ärmelbündchen angestrickt, Gemüse kam aus dem Garten, der geistige Horizont zwischen Rathaus und Kirchturm verortet. Ein Lehrer wurde wegen eines Heinezitats versetzt: „Und fehlt der Pfaffensegen dabei, die Ehe wird glücklich nicht minder“. An der Uni staunten wir über Studentenaufstand und -verbindungen, hörten von Marx, Adorno. Widerstand gab es so gut wie nicht in der Dorfwelt, dafür Paradigmen und Glaubenssätze. Der autofreie Sonntag öffnete kein Bewusstsein für Ressourcen, er war Rollschuhfahren der Extraklasse. Terroristen-Fahndungsbögen waren der Schrecken unserer Kindheit, die Angst vor einem Krieg ebenso und vor Gewalt aller Art. Der Sterntitel zum § 218 war das Skandalthema, verwerflich wie Scheidungskinder! Wir sind nie geflogen, haben weder Wohnmobil noch Ferienhaus. Veränderung und Umdenken begannen durch Lebenserfahrung. Sind wir Ignoranten gewesen? Reden wir uns heraus aus Verantwortung?

Diskussionszwischenstand: Mit Wissen/Informationsumgang 2025 auf 1970 zu schauen zeigt ein anderes Bild als in dieser Zeit gelebt zu haben. Unsere Generation darf in die Rolle von Ältesten wachsen, um Unterstützung zukommen zu lassen, die Räume öffnet und dann zur Seite tritt. Es geht um Lösungen. Wir sind in Prozessen, mit Blindspots gesegnet. Im Erkennen können wir Veränderungen anstoßen und manches beitragen. Der Anfang: Das Erüben einer neuen Gesprächskultur, eine Form des Interbeings zwischen den Generationen, Meinungen und Weltsichten. Open End.

 

Wie können wir immer wieder Türen des Verständnisses öffnen? Diese Klinken finden sich am Goetheanum in Dornach.

Ein gutes Wochenende

Werte – ein wundervolles Thema in der Arbeit mit Menschen. Das Richard-Barrett-Werte-Modell ist hilfreich, vor allem, wenn man es mit den Inhalten von Spiral Dynamics zusammenschaut, mit Wilbers Integralem Denken und der Theorie U von Otto Scharmer. Genau das haben wir im Seminar gemacht und uns intensiv ausgetauscht. Eine tiefe und berührende Zeit haben wir miteinander verbracht!

Der Samstag hatte andere Vorzeichen. Die letzten Apfelkisten wurden verarbeitet – Saft und Würfel, die Quitten sind als Saft in Flaschen gelandet. Jetzt ist alles wunderbar versorgt. Am Abend gab es Grießbrei mit frischem Apfelmus, eine Freude. Am Spätnachmittag war noch die Abnahme unseres neuen Geräts für die Photovoltaikanlage, jetzt ist alles auf dem neuesten Stand.

Jetzt widme ich mich dem Korrekturlesen der Winterausgabe der @Holunderelfe, auf die sich viele Lesende schon freuen (berechtigt, es wird wieder ein wundervolles Heft), meinen Klientinnen und Klienten, am Mittwochabend bin ich zu Gast in einer Selbsthilfegruppe mit den Themen „Märchen und Stille“. Am nächsten Wochenende steht der Seminartag zu „Carl Rogers“ an – die Woche wird also in jedem Fall mit vielen Highlights gefüllt. Wie dankbar bin ich für diese Vielfalt.

Einen gelingenden Wochenstart!

So klein haben die Quitten angefangen. Für die Verarbeitung brauchte ich das Beil. Herrliche Früchte!

Im Seelensonnenlicht

Es sprießen mir im Seelensonnenlicht

Des Denkens reife Früchte

In Selbstbewusstseins Sicherheit

Verwandelt alles Fühlen sich

Empfinden kann ich freudevoll

Des Herbstes Geisterwachen

Der Winter wird in mir

Den Seelensommer wecken.

Wochenspruch aus dem anthroposophischen Seelenkalender von Rudolf Steiner.

Stephanies Foto aus der Schweiz passt perfekt zu diesem Spruch. Danke dir!

Kopf freimachen

Am Sonntag werden wir einen wunderbaren Kurstag zu einem Herzensthema haben – Werte. Der Samstag gehört den letzten Obstkisten. Unermüdlich ist diese Woche der Dörrautomat gelaufen mit Tausenden von Apfelwürfelchen, die im Müsli landen oder als Tee aufgegossen werden. Jetzt entsafte ich die letzten Äpfel, die Quitten sind fertig. Zumindest das Schnippeln und Entsaften soll fertig werden, trocknen können die Würfelchen die nächsten Tage alleine. Dann erstmal Kurswochenenden, das nächste Großprojekt sind traditionell die Plätzchen.

Mein Kopf ist froh über das Schnippeln. Wir testen gerade beim Bruder, ob Dekokte aus der TCM bei ihm gut greifen und wissen nicht, wie seine Reaktion ausfällt. Die Tage im Retreat haben ein großes Fragenloch aufgemacht, in das ich die letzten Monate alles Ungelöste gestopft hatte, was nach und nach angeschaut werden mag. Anders gesagt: Es herrscht im Kopf das absolute Chaos. Allein die Theorie, Chaos sei die Mutter aller Kreativität erlaubt mir den Hoffnungsfunken, dass sich Dinge auch gut entwickeln können.

Ein feines Wochenende dir.

 

Be prepared

Erstaunliche Fragen erreichen mich jeden Tag. Ob ich weiß, wie die Würzburger Prüfer bei der Heilpraktikerprüfung prüfen. Sehr fair, fundiert und freundlich. Ja, aber was sie denn fragen? Oh, da muss ich erst meine Kristallkugel holen. – Wenn ich eine Ausbildung mit einer Prüfung abschließe, von der ich weiß, dass sie anspruchsvoll ist, gibt es für mich nur eine Option: mich möglichst umfassend, gründlich, in die Tiefe und angemessen vorzubereiten. Auf Lücke lernen finde ich in Anbetracht des Leids der Menschen, die zu uns kommen, unangemessen. Auf „leichtes Durchkommen“ zu spekulieren ebenso.

Immer wieder laden mich solche Fragen ein, meine eigene Haltung meiner täglichen Arbeit gegenüber zu prüfen. Nach so vielen Jahren in diesem Berufsfeld habe ich ein wenig Erfahrung und doch trete ich jeden Tag an wie den allerersten. Ich weiß nie, was ein Mensch mitbringt in den Termin, was gebraucht wird, was wir also auch gemeinsam machen werden. Genauso wenig, wie ich vor einer Prüfung wissen muss, was drankommt. Ich bereite mich einfach bestmöglich vor und wenn ich etwas weder weiß noch vernünftig gemeinsam mit dem Klienten oder Coachee angehen kann, sage ich das sofort, um Leid nicht zu vergrößern. Insofern – schöne Fragen, die der Reflektion dienen. Allen Prüflingen viel Erfolg, hier starten am Montag die mündlichen Prüfungen.

 

Stephanies Schweizfotos sind auch in diesem Herbst atemberaubend. Dankeschön!

Mutig

Man entdeckt keine neuen Erdteile, ohne den Mut zu haben, alte Küsten aus den Augen zu verlieren.

André Gide

Milchkartons können ein neues Leben haben. Eine Ikebanaarbeit im Kurs von letzter Woche. Darauf wäre ich selbst nicht gekommen.

Chaos mal wieder

20 Uhr. Seit acht Stunden ist ein Handwerker im Haus und bringt ein hochkomplexes Gerät in Verbindung mit der Photovoltaikanlage an. Der Strom muss deshalb ständig ausgestellt werden. Alle Rechner runterfahren, Telefonanlage ist ewig tot. Am Ende stellt sich raus – dass es nicht funktioniert, liegt an einem fehlenden Update. Vielleicht. Der Tag war chaotisch, dennoch hat sich vieles auf seltsame Weise gefügt. Komisch, wenn kein Telefon funktioniert und die Mails in Stapeln einlaufen. Für den Bruder war das total anstrengend, jedes Mal, wenn er sich hinlegte zum Schlafen wurde gebohrt und gehämmert. Dafür haben wir heute Fieber und Harnstau. Stress verträgt er einfach gar nicht. Nebenher läuft der Dampfentsafter (so Strom da war), der Dörrautomat sorgt dafür, dass Glas um Glas gefüllt wird mit Apfelwürfeln. Wintervorräte beruhigen meine Nerven.

Dazwischen kehren meine Gedanken immer wieder zurück zur Verbindung der Begriffe „kokoro“ und „Interbeing“. Sie bevölkern meinen Geist seit Wochen und ich bin sehr gespannt, wo mich diese Reise hinführen mag.

Einen feinen Jupitertagtag dir!

Farnherausforderung

Shin, Soe und Tai. Drei Zweige oder Stängel einer Pflanze mit unterschiedlicher Bedeutung. Shin steht für den gegenwärtigen Moment, Soe für die Vergänglichkeit und Tai für die Zukunft. Entscheidend für die Gestaltung ist die Frage, von wo das Sonnenlicht kommt.

Anfänger starten mit dieser Übung und erfahren daran – Ikebana ist eine Meditationsform. Wir wandern durch die Natur mit achtsamen Augen. Welches Blatt könnte wofür stehen? Abgeschnitten wird nur, wenn feststeht – genau das ist es. Exakt dieses Blatt hat die richtige Biegung, das richtige Alter, die passende Form.

Einen Tag haben wir geschaut, sind durch den Wald gestreift auf der Suche nach welkem Farn. Im Wald war kein einziger welk, in den Beeten sehr wohl, doch das war nicht gewünscht, es sollte in der freien Natur gesucht und gefunden werden. Kurz bevor wir aufgeben wollten, fanden wir einen Büschel Farn, der näher am Waldrand stand und zartestes Gelb im Grün aufwies. Bingo. Bis dann alles in der richtigen Richtung, Aufreihung und Biegung passte, war es Abend. Staunend erlebten wir, wie die Meisterin des Ikabana einzelne Blüten und Blättchen in der Hand bog, Stängeln eine etwas akzentuiertere Biegung verpasste oder fragte: „Wo genau steht deine Sonne? Schau mal genau, du brauchst zwei Sonnen für deinen Farn, oder?“ Grandios, was man an drei Stängeln erleben kann und wie sicher man viele Male scheitert. „No more plants were harmed“ übrigens. Ganz strikte Anweisung: Nur entnehmen, wenn die Entscheidung klar gefallen ist. Lieber zehn Mal schauen als einmal schneiden. Achtsamkeit vom Feinsten.

Spielen

Kastanien – herrlicher Glanz, in der Tasche ein freundliches schmeichelndes Spielzeug und ein Wunder der Natur. Offenbar regen Kastanien Menschen gern zum Gestalten auf vielerlei Art an, wie dieses Fundstück zeigt.

Kokoro

Für meinen Minirückzug in die Stille hatte ich mir ein Wort mitgenommen, das ich überdenken, erfahren, erleben und vielleicht erkennen wollte: kokoro. Das ist der japanische Begriff für, ja, für was? Genau das war die Frage. Eine schlichte Übersetzung lautet achtsames Herz, doch es ist viel, viel mehr. Ich fand viele Entsprechungen mit den Nebenübungen von Rudolf Steiner und seinen Leitsätzen, Einladungen zum Denken, aber vor allem auch Erleben. Herz, Verstand, Stille, Dankbarkeit, Präsenz, die Erkenntnis, dass menschliches Leben im Alltag gestaltet sein will mit Bedacht und Tatkraft, mit dem Wissen um die Vergänglichkeit allen Seins, ein Weg, der sich uns oft erst im Rückblick erschließt. In kokoro treffen sich Ost und West auf eine gute Weise, denn auch wir kennen das christliche Herzensgebet, Achtsamkeitsübungen und Stille, „ora et labora“, vom Heiligen Benedikt als Ein- und Ausatemprozesse des Tages spürbar und vieles mehr. Jeder erlebt Schönes und Schweres, Leichtes und Lastendes. Entscheidend ist, wie wir mit diesen Erfahrensschichten umgehen, ob sie uns Fundament für Standfestigkeit verleihen durch Integration oder einen Kampfplatz darstellen, weil wir damit ringen. Das Herz wählt stets weise.

Einen kraftvollen Marstag!

Sommererbe, Herbstesruhe, Winterhoffnung

Sich selbst des Denkens Leuchten

Im Innern kraftvoll zu entfachen

Erlebtes sinnvoll deutend

Aus Weltengeistes Kräftequell

Ist mir nun Sommererbe

Ist Herbstesruhe und auch Winterhoffnung.

Wochenspruch aus dem anthroposophischen Seelenkalender von Rudolf Steiner.

Stephanie hat das Bild aus der Schweiz mitgebracht. Danke dir!