Author page: Christine Krokauer

Vom Leben lernen

Filmtag heute und morgen Kurstag – ich freue mich. Weniger der Bagger, der ausgerechnet heute vor dem Fenster lärmt (nachdem die gesamte Woche auf der nachbarlichen Baustelle Ruhe war). Manchmal ereilt mich die Sehnsucht nach Ruhe im Außen, was freilich ein frommer Wunsch ist.

Das Thema morgen ist die Einführung in den Buddhismus, damit die Seminarteilnehmenden verstehen, was die Grundlagen von Achtsamkeit sind und worauf die Übungen fußen. Zudem finde ich es immer wieder spannend, auch Biographien im Kurs mit drinzuhaben, so werden die angehenden Cardea-Therapeut:innen und Cardea-Coach:innen nicht nur mit dem Leben und Werk von Carl Rogers vertraut gemacht, sondern die Therapeut:innen lernen auch intensiv Virginia Satir und Milton  Erickson kennen, das Leben von Albert Ellis und anderen. Wenn wir in die Lebensgeschichten von Menschen schauen, verstehen wir leichter, wieso sie einen bestimmten Lebensweg eingeschlagen, Techniken in der Arbeit mit Menschen entwickelt und sich einen speziellen Blick auf die Welt erarbeitet haben. Wir erkennen dann auch leichter den Wert unserer eigenen Biographie, das, was wir ins Leben „hineinschreiben“, was uns formt und zum Wachstum herausfordert.

 

Anna hat diesen wunderbaren See mit dieser erstaunlichen einzelnen Wolke entdeckt. Danke für das Bild. Ruhe zum Anschauen, tut gut.

Schief gegangen

Manchmal geht viel schief. Eigentlich hätten wir jetzt die Photovoltaikanlage auf dem Dach, doch die Monteure konnten nicht kommen. Verschoben um Wochen. Das ist deshalb so ärgerlich, weil wir zwei Tage freigeschaufelt haben, damit die Handwerker aufs Dach können und die gesamte Terminplanung im Eimer war. Dass sich was verschiebt und umgeändert werden muss, liegt oft auch am Wetter und anderem, was man nicht ändern kann, ist auch nicht das Thema. Das Problem ist nicht vorhandene Kommunikation.

So ist es auch in unseren Beziehungen oft – wir kommunizieren zu wenig vom Wesentlichen und zu viel von dem, was nicht weiterbringt. Das, was wir wirklich meinen, wagen wir oft nicht zu sagen und unterstellen damit unseren Gesprächspartnern, dass sie die Wahrheit offenbar nicht ertragen können. Damit tun wir manchem Unrecht. Ins Gespräch gehen, sich austauschen ist wichtig! Es gibt wenig, worüber man nicht sprechen kann. Auch wenn wirklicher Mist passiert: Mund auf, offen darüber reden. Scheitern gehört zum Lernen, Misserfolge sind normal, nur legt unsere Showwelt nahe, dass bei anderen alles glatt geht, funktioniert, die Beziehungen megaschön sind, die Locations zum Urlauben erste Sahne und der Rest nur super ist. Nix ist nur super und das reale Leben ist keine im Studio abgemischte Soundversion, sondern unplugged mal voll daneben. Kein Grund zur Panik. Neu sortieren, aufstehen, weitergehen.

 

Allen einen hoffentlich freundlichen Freitag.

 

Die Geduld, die der Buddha hier ausstrahlt, ist manchmal von mir sehr weit entfernt.

Unnennbare Zärtlichkeit

Er sah nichts als die blaue Blume, und er betrachtete sie lange mit unnennbarer Zärtlichkeit.

Novalis (1772–1801), in: Heinrich von Ofterdingen.

Anna hat bei einer Wanderung in dieser Woche diese zauberhaften Schönheiten entdeckt. Danke für dein Foto!

Vorfreude

Ich freue mich so! Ich bin von einem lieben Herzensmenschen eingeladen ins Ballett. Das erste Mal in der Blauen Halle für mich, der Außenspielstätte des Theaters. Alice im Wunderland. Das wird großartig. Viele Jahre meiner Kindheit waren vom Ballett geprägt, denn ich habe eine hervorragende ganz klassische Ballettausbildung genossen, 13 Jahre lang, von einer sehr strengen Ballettmeisterin alter Schule, die uns die großen Choreographien nahegebracht hat. Ich muss nur die ersten Töne hören, schon weiß der Körper, was drankommt, das finde ich nach Jahrzehnten, die dazwischenliegen, sehr spannend.

Ich hatte mit drei den ersten Unterricht, bald kamen Spitzenschuhe, am Ende stand American Tap Dance. Da wir ein musischer Haushalt sind (außer mir spielen alle mehrere Instrumente), ist die Umsetzung von Klang in Körpersprache etwas Vertrautes. Musik erlebe ich als Bewegung, es fasziniert mich, wenn ein Choreograph Werke von Bach in Tanz umsetzt.

Ein Instrument und eine Sportart lernen waren in der Erziehung unserer Kinder wesentlich. Der Grund: So werden Fähigkeiten geschult, die das Leben leichter machen wie Ausdauer, Geduld, Üben, auch wenn sich nicht schnell Erfolge zeigen, aufeinander lauschen, als es in die Orchester- und Ensemblearbeit ging, den Körper gut ergreifen, Stress durch Bewegung abbauen und Ausdrucksmöglichkeiten finden, die jenseits der Sprache liegen.

Allen einen Tag voller Musik und AkzepTANZ.

 

Aus Einzelkindzeiten mit den Eltern und meinem blauen Vichykarokleid, von Oma genäht. Im gleichen Jahr hatte ich meine erste Ballettaufführung als (was sonst) Schneeflocke.

Tanze!

Du musst tanzen, als gäbe es niemanden, der zuschaut. Liebe, als würdest du niemals verletzt werden. Singe, als würde niemand zuhören. Und lebe, als wäre es der Himmel auf Erden.

William W. Purkey

Diese Wendeltreppe, die Silke fotografiert hat, stammt aus dem Schloss in Bad Mergentheim – dort war meine Ballettschule untergebracht. Als Kind habe ich stundenlang nach oben geschaut, weil ich dachte, dass man wirklich die Sonne sieht.

Was brauchen Familien?

Ein wunderbarer Vortragsabend im Kindergarten mit einer interessierte Gruppe über die Herausforderungen des Elternseins. Wir haben den Bogen gespannt vom Säugling bis zum Schulkind, vom Liebespaar zur Familie und den Problemen, die den Alltag zum Abenteuer machen können.

Was brauchen Kinder? Was brauchen Eltern? Was brauchen Familien, damit sie ihre Aufgaben gut bewältigen und in ihrer Kraft bleiben? Thema waren auch Infekte im Kindesalter. 12-14 pro Jahr gelten als normal, das stellt berufstätige Eltern und Einrichtungen vor Probleme. Wir haben angeschaut, warum das Training des Immunsystems für eine lebenslange Gesundheit wichtig ist und welche Hacks helfen wie Wadenwickel und andere einfache Möglichkeiten.

Elternsein ist mit Unsicherheit verbunden. Die Sorge, alles richtig zu machen, dem Kind den besten Start ins Leben zu ermöglichen, konfrontiert werden mit Fähigkeiten/Grenzen des Kindes, der Partnerschaft, der eigenen Geduld ist nicht leicht. Eltern brauchen Ermutigung und Unterstützung, Kinder großziehen und gut in die Welt schicken ist DIE Masteraufgabe. Das gilt für Eltern, die ihr Bestes geben, ebenso für alle, die Kinder begleiten als Erziehende, Lehrende, als Menschen. Heranwachsende zu ermutigen, die Zukunft als großartige Chance zu begreifen und nicht als Horrorszenario zur Rettung der Menschheit ist die Kunst, der sich jeden Tag viele verschreiben. Respekt und Wertschätzung!

 

Kinder brauchen Gelegenheit zu Bewegung, Spiel, dazu gehört, sich richtig dreckig machen zu dürfen. Sinnesschulung ist die zentrale Aufgabe der Kinder im ersten Jahrsiebt, damit sie Kräfte ausbilden, die ihnen als Schulkinder erst Denken möglich machen. Danke für dein Bild, Ursula!

Kinder sind Zukunft

Kinder sind immer Zukunft. Unsere Aufgabe als Elterngeneration – ihnen helfen, die Welt weiter als Wunder zu erhalten und die Herausforderungen kreativ bewältigen zu können, indem wir sie zum Entdecken  einladen.

 

Ursula hat das Kinderfoto geschickt. Danke!

TraumZauberBaum

Ein Traumzauberbaum – ein einladendes Wort. Ein alter Baum, der nicht mehr austreibt, wird zu neuem Leben eingeladen, eine Idee von Siglinde Kestel und Gisela Völles. Einen Traum zaubern, im Traum zaubern, ein Baum, der Träume herbeizaubert, viele Möglichkeiten, die sich auch nach einem Baumleben ergeben können und wir sind eingeladen, mitzuträumen.

Auf die Frage „wovon träumst du?“ finden wenig Menschen eine spontane Antwort. Irgendwann kommt dann „Weltfrieden“ oder „nicht mehr arbeiten und nur noch Urlaub haben“. Wir erlauben uns nicht, groß zu träumen (nicht mal klein). Warum? Wenn wir innerhalb der Box bleiben, leben wir „und ewig grüßt das Murmeltier“, was für viele ihre Lebensrealität ganz gut  beschreibt, so sie nicht die „Truman Show“ bevorzugen, ohne zu bemerken, dass alles Fake ist.

Wo findet „das wahre Leben“ statt? Jetzt. In diesem Moment. Du kannst nur jetzt die Box verlassen. Das Neue denken, andere Wege gehen, die Schritte anders setzen. Dass das Angst macht, ist die normale Reaktion. Wenn du im Herzen möchtest, dass sich etwas in deinem Leben verändern soll, dann bist du die Person, die die Initiative ergreift dafür. An einem Punkt im Leben ist der Veränderungswunsch größer als der, in der Box vermeintlich Sicherheit zu suchen. Dann beginnt das Abenteuer, vielleicht mit Chaos, Unsicherheit, Krisen. Während du wächst, erkennst du – hinter dem Horizont geht’s weiter. Das war gerade nicht das Ende der Welt.

Einen tatkräftigen Dienstag!

 

Beate hat den Traumzauberbaum entdeckt und fotografiert. Danke!

Traumbeweis

Der Traum ist der beste Beweis dafür, dass wir nicht so fest in unsere Haut eingeschlossen sind, als es scheint.

Friedrich Hebbel, 1813–1863

Ein Traumhimmel! Stephanie hat ihn fotografiert. Danke!

Möchtest du mal reinschnuppern?

Kurswochenende mit Aufstellungen. Das ist so ein intensives Arbeiten mit Menschen an ihren Herzensthemen! In diesem Jahr haben wir zwei Präsenzaufstellungstage, am 14. Mai und am 1. Oktober. Die anderen Aufstellungen sind online und mit die tiefste und schönste Arbeit mit Menschen. Wer etwas aufstellen mag, kann sich gern bei mir melden.

Noch drei Freitage können Interessenten am Probeunterricht für den im Mai startenden Ausbildungsgang Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie reinschnuppern. Am Freitag ist Forensik, dann zwei Freitage das Thema Therapien. Am 5. 5. startet der Kurs, 26 Kursfreitage, 16 bis 21 Uhr, live online mit der Möglichkeit, Fragen zu stellen und sich mit den Kurskollegen auszutauschen. Wer gern am Probeunterricht dabei sein mag, kann sich per Mail melden: Christine@seelengarten-krokauer.de

Die therapeutische Arbeit mit Menschen ist wunderbar und berührend. Auch im Bereich Coaching empfehlen wir die HPP-Ausbildung, denn die Zeiten sind herausfordernd, die Grenzen zwischen Coaching und Therapie werden immer fließender. Coachinnen und Coaches sollten durchaus achtsam wahrnehmen, ob die Coachees nicht bereits in einem Bereich unterwegs sind, der nicht mehr durch Coaching allein auf gute Wege kommt.

Die Woche wird spannend, weil wir zwei Tage lang eine große Photovoltaikanlage aufs Dach bekommen. Heute werden Stromzähler getauscht, die Materialien angeliefert, wir sind guter Dinge.

Allen einen gelingenden Start in die neue Woche!

 

Danke an Rebekka für das Foto zum Montag.

Wartezimmerzeit

Please hold the line. Arzttermin 9.40 Uhr. Wir sind rechtzeitig da und wissen – eigentlich wären wir gerade jetzt beim Pflegen von Vater und Bruder, was dringend nötig wäre. Ich sitze in der Stille und atme hinter meiner Maske. 11.20 Uhr erster Aufruf ins Sprechzimmer. Nach 1 Minute Wartezimmer. Warten aufs Röntgen. Geht fix. 12 Uhr kurze Besprechung. Eine Überweisung ins Krankenhaus für die nächste OP von Christophs Schulter. „Machen Sie gleich den Nachsorgetermin aus.“ Der nächste Termin – Mai. Da wir nicht wissen, wann die OP ist, ist das auch wieder okay. Von daheim aus Anruf im Krankenhaus. Die Vergabe von OP-Terminen geht nur bis 12 Uhr. Please hold the line.

Insgesamt über vier Stunden weg. Kein wirkliches Resultat außer der Ansage „wahrscheinlich brauchen wir noch eine dritte OP, mal sehen.“ Bei Prognosen bin ich gegenüber meinen Klient:innen vorsichtig, um keine negativen Marker zu setzen. Statt „wenn wir schon mal nicht pflegen, gehen wir noch einen Kaffee in Ruhe trinken“ heimgerast, damit wir rechtzeitig für die Kursvorbereitung da sind. Den Kaffee haben wir dann selbst gemacht. So viel zum „Frei-tag“.

Spannend: Ein Mann hat sich im Wartezimmer meckernd aufgebaut. Alle wurden dadurch unruhig. Irgendwann spricht er mich an (weil nicht auf ein Handy starrend vermutlich), ob ich das auch nervig finde. Ich sage: „Warten mag niemand. Was jedoch auch keiner mag, ist, wenn einer den ganzen Raum mit seiner Laune beeinflusst. Gehen Sie doch ein bisschen im Hof spazieren zum Abregen. Wenn Sie aufgerufen werden, holen wir Sie rein.“ Überraschte Blicke der anderen. Der Mann wird reingerufen. Drei Leute bedanken sich. „Hätten wir uns nicht getraut zu sagen.“ Zur Höflichkeit gehört vielleicht, wenn klar ist, dass man warten muss und sich alle Angestellten wirklich bemühen, einfach ruhig zu sein oder zu gehen. Warten lässt sich oft nicht wirklich vermeiden.

Allen ein wartefreies Wochenende mit Freude.

 

Sonja hat diesen Schriftzug auf einer Tür entdeckt. Danke für das Bild!

In Stille sitzen

Jeden Moment nutzen, um in Stille zu sitzen. Manchmal gelingt das trotz Gelegenheiten nicht und manchmal ganz ohne Gelegenheiten.

Steffen hat das Foto des Buddha gemacht. Danke!

Letzte Hilfe

75 % der Menschen würden gern zuhause sterben, bei 25 % gelingt das. Alle anderen sterben in Einrichtungen von Krankenhaus, Pflegeheim über Hospiz und ähnliches. Über Neugeborene sprechen wir gern, über Sterben nicht. In meiner Herkunftsfamilie ist das Thema worst case ever. Auf hartes Nachfragen kommen Auskünfte, was gewünscht wird, es gibt eine Grabstätte, das wars, terra incognita. Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht – ein Gezerre, bis das alles unter Dach und Fach war. Ich habe das alles längst inklusive Grab. Ich möchte nicht, dass die Familie in einer Notsituation nicht weiß, was zu tun ist.

Um mich tiefer mit dem Thema zu befassen, war ich beim Letzte Hilfe-Kurs, bei dem Tod und Sterben aus vielen Blickwinkeln betrachtet wird und der viele praktische Hilfen bietet. Themen wie Palliativ Care, wann beginnen Sterben und Trauer, was tun in den letzten Stunden und nach dem Tod gehen alle an. „Was ist mir wichtig am Lebensende? Wer soll für mich entscheiden? Wo und wie will ich sterben? Wann hat das Leben für mich noch einen Sinn?“ Fragen, die sich jeder immer wieder stellen sollte, denn unsere Sicht darauf kann sich mit den Jahren verändern.

„Mitten im Leben stehen wir im Tod“ – an diese Zeile (eine Überschrift aus Onkel Toms Hütte) denke ich seit Jahrzehnten regelmäßig und mache mir bewusst, dass unsere Uhr auf einen bestimmten Zeitraum gestellt ist, den wir nicht wissen. Wie gehen wir in jeden Tag? Bist du vorbereitet? Falls nein, ist ein Letzte Hilfe-Kurs mit Sicherheit hilfreich. Mein Augenöffner in diesem Kurs: Die begleitenden Menschen müssen auf ihre eigene Kraft gut achten. Das wird gern vergessen.

Allen einen lebensfreudigen Freitag, der Venus gewidmet.

 

Danke an Beate für das wunderbare Foto!