
Menschen mit Handicaps wie mein Bruder drücken ihre Wahrnehmungen und Gefühle oft sehr anders aus. Zwei Wochen nach Christophs Fußbruch sind wir jetzt mit den Reaktionen darauf hoffentlich durch. Von Aggression über Schimpftiraden bis Schlafveränderung, Ausziehen der Socken, Abreißen von Zuckersensor und Knieverband haben wir hinter uns. Langsam kommt Normalität, Erstreaktion war Erhöhung des Blutdrucks. Er besitzt jede Menge Möglichkeiten zu reagieren. Dass wir auf all diese Symptome mit Ruhe und Gelassenheit reagiert haben, löste Irritation aus, er rechnete mit gewaltigem Schimpfen (das war er gewohnt, wenn er sich „seltsam benommen hat“). Wir denken, Verhalten macht Sinn und schauen, wie wir unterstützen können. So war ich nachts an seinem Bett, wenn er vor Angst, allein zu sein, lauthals gemeckert hat, habe ihn beruhigt, das Nachtlicht angemacht, einen warmen Tee gegeben. Stück für Stück kam er wieder in die Sicherheit des Alltags. Dass er Gipsbein und Orthese anfassen darf, nimmt auch Ängste. Jeder verarbeitet Ungewohntes auf seine Weise. Da gibt es nicht richtig oder falsch, nur staunen über das WIE.
Einen freundlichen Freitag allen.
So, wie sich auf Stephanies Foto Hof um Hof in die Tiefe öffnet, erleben wir die Tiefe von Reaktionen auf Unerwartetes in unserem Pflegealltag. Danke für dein Bild.
