Immer wieder neu anfangen

Rilkes Aussage, dass man ein Beginner werden muss, der das erste Wort schreibt hinter einen jahrhundertelangen Gedankenstrich, wird mich eine Weile begleiten. Das Zitat kam mir heute in die Hand und ich war sofort von diesen Gedanken gefangen. „Das erste Wort hinter einen jahrhundertelangen Gedankenstrich“ ist eine riesige Hausnummer, die auch abschrecken kann, Teil eins mit dem „Beginner werden“ klingt wie eine zauberhafte Einladung. Mein Vormittag war krass überfüllt. Als der Bruder nach dem Mittagessen fertig versorgt war und ich die Terrassentür aufmachte, kam ein Wind, der anders war als in den letzten Tagen. Es war der erste Wind, der uns bewusst machte, dass nun wieder etwas Neues beginnt – eine Verschiebung der Sommerhitze Richtung Spätsommer, die ersten verfärbten Blätter, der nun wieder sehr andere Sonnenstand. Mit einem Mal rutschte das Elektrokabel die 15 Meter unter dem Garten durch, was wir Tage erfolglos probiert hatten. Die Brombeeren waren entsaftet, die Haushaltsaufgaben geschafft und wir standen da, schauten in den Wolkenhimmel und freuten uns. Jetzt am Nachmittag beginne ich mit dem, was bereits heute Morgen hätte sein sollen und diese Verschiebung und das Chaos, das wir heute hatten, liegt bewältigt hinter uns. Beginnen wir jetzt also nochmal ganz neu. So, wie jeder Tag ein Universum für sich ist, wie ein neues Schulheft, dessen Seiten unbenutzt sind. Mögest du in dir auch immer wieder die Kraft finden, neu zu beginnen und nicht aufzugeben.

Ein schönes Wochenende.

 

Benediktushof-Impression

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