Tiefer schauen

Ein kleiner Junge mit Bauchschmerzen. Organisch ist nichts zu finden. Während der behandelnde Arzt, der anderes als organische Befunde vermutet, mit der Mutter spricht, geht der Junge zur Sprechstundenhilfe und berichtet ihr, dass er so viel Angst hat. Angst vor Krieg, dass Menschen sterben, vor allem, was die Erwachsenen über die Welt sprechen. Angst um seine Freunde, dass ihnen etwas geschieht. Das Kind ist im Kindergarten. Es versteht die Nachrichten nicht, die bei den Großeltern im Hintergrund laufen und nicht, was die Großeltern darüber sprechen. Bilder, die sich ins Kinderherz brennen von Fronten, von Luftangriffen, verletzten Menschen, vor allem von hungernden, blutenden Kindern.

Wir haben als Erwachsene die Aufgabe, die Kinder aufs Leben vorzubereiten. Nicht, sie zu verängstigen. Wir wollen sie gut heranwachsen lassen, damit sie ihren Körper freudig bewohnen und ihren Weg finden. Wir wünschen uns gesunde, glückliche und resiliente Kinder. Uns ist oft nicht bewusst, wie Kinder unsere Welt wahrnehmen. Was das mit ihrem Herzen, ihrer Seele macht, wie viel Angst sie aushalten müssen und wir es in unserer Alltagshektik nicht einmal bemerken. „Sind so kleine Seelen“ … und doch mutig genug, um Signale auszusenden. Mögen unsere Ohren und Herzen allzeit offen sein für die leisen Botschaften.

 

Goetheanum Dornach

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