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Medizin der anderen Art

Christian Morgensterns Text „Träum Kindlein träum“ habe ich letzte Woche von Aurelia geschickt bekommen. Ihre kleine Tochter liebt den Text und kann ihn auswendig sagen, obwohl sie noch sehr klein ist. Herrlich! Wie schön, wenn Kinder Freude an Gedichten haben. Das Sprechen von Gedichten ist nicht nur für unsere Atmung und das Sprachgefühl gut, ich setze das auch in der Arbeit mit Klienten ein. Zungenbrecher aufsagen oder Morgensterns Galgenlieder mit der nicht dominanten Hand abschreiben können uns schnell ins Hier und Jetzt bringen, wenn negative Gedankenvögel durch unser Gemüt brausen.

Texte in vielerlei Versmaßen helfen uns beim Gehen, wieder Ruhe und Ordnung in den Kopf zu bringen. Einen Fünfstern laufen und dabei still einen Text durchfühlen bringt uns in die innere Mitte. Sprache ist für mich eines der größten Wunder des Menschen. Die Herkunft der Worte ist faszinierend, ihre Wirkung nicht minder. Probier mal von Morgenstern  „Das große Lalula“ ernsthaft, ruhig und gediegen zu sprechen, während du auf einem Bein stehst. Oder nimm dir sein „Fisches Nachtgesang“ vor – wer da nicht an das Koan denkt „Wie klingt das Klatschen einer Hand?“

Was in der Schulzeit vielleicht nervig war und peinliche Momente bescherte (wenn du mitten in Schillers Kranichen des Ibykus steckengeblieben bist) empfinde ich heute als „Medizin der anderen Art“. Wenn mich etwas überwältigt, sage ich innerlich oft Texte auf – wie ein Leitpfosten im Nebel hält mich das halbwegs in der Mitte. „… und grausig gutzt der Golz“!

 

 

Manuela hat dieses zauberhafte Schneebild geschickt. Danke dir!

Träum, Kindlein, träum

Träum, Kindlein, träum!

Im Garten stehn zwei Bäum‘.

Der eine, der trägt Sternlein,

der andre Mondenhörnlein.

Da kommt der Wind der Nacht gebraust –

und schüttelt die beiden mit rauher Faust.

Das Mondenhörnleinbäumlein steht,

als wäre gar kein Wind, der weht.

Dem Sternenbäumlein aber, ach,

dem fallen zwei Sternlein in den Bach.

Da kommen zwei Fischlein munter –

und schlucken die Sternlein hinunter.

Und hätte es nicht sterngeschnuppt,

so wären sie nicht so schön geschuppt.

Träum, Kindlein, träum,

im Garten stehn zwei Bäum…

Der eine, der trägt Sternlein,

der andre Mondenhörnlein…

Träum, Kindlein, träum…

Christian Morgenstern

Das Vollmondfoto hat Britta Leonhard-Kuschner gemacht. Herzensdank!

Grüne Fantasie

   

Traditionell Anfang Februar wird unsere Jahrespflanzenbestellung aufgegeben. Welche Lücken sind im Garten entstanden und womit bestücken wir die durch den Gewächshausbau entstandenen neuen Beete? Der Rühlemannkatalog wird wochenlang durchgeblättert. Wir lesen, staunen und überlegen. Nachdem bei uns kein Rasen gedeiht (logisch bei dem Ministück, auf dem zudem noch unsere Obstbäume stehen), werden wir in diesem Jahr die Fläche füllen mit Rasenpflanzen – kriechende Thymiane, Rasenkamille und anderes. Mal schauen, wie es wird. Alles, was blüht und duftet, ist willkommen. Wir sind wir Fans von Tees aus dem eigenen Garten, von Gewürz- und Heilpflanzen aller Art. Im Gewächshaus wachsen Feldsalat und Spinat, dieses Jahr wird unser erstes Testjahr mit dem Haus. Der Bruder wünscht sich Melonen, Gurken und Tomaten. Er freut sich schon, denn der Weg zum Gewächshaus ist breit genug für den Rollstuhl. Samentüten werden vorsortiert, das werfen wir immer zwischendurch überall in den Garten und freuen uns, wenn die Vögel was übriglassen. Bei jedem Artikel kommt der Kommentar von der Seite: „Bist du sicher, dass das noch reinpasst? Wird das nicht groß?“ Beim Bienenbaum hatte er Recht. Der wäre zu umfangreich. Dafür ist ein (weiterer griechischer) Bergtee auf die Liste gerutscht. Notfalls geht der in einen Kübel, davon stehen hier auch genug. Dicht bepflanzen können wir 🙂 Habt einen tollen Wochenstart!

 

Letzte Woche lag eine dicke Schneeschicht auf dem Gewächshaus. Doch bald schaut es wieder so aus wie auf dem zweiten Foto. Vorfreude ist eine wunderbare Sache.

Ergreifend neue Sinnesreize

Ergreifend neue Sinnesreize

Erfüllet Seelenklarheit

Eingedenk vollzogner Geistgeburt

Verwirrend sprossend Weltenwerden

Mit meines Denkens Schöpferwillen.

Wochenspruch aus dem anthroposophischen Seelenkalender von Rudolf Steiner.

Jedes Jahr denke ich bei der Zeile „Ergreifend neue Sinnesreize“ an unseren Muskatellersalbei – der Geruch und die Haptik sind Sinnesreize pur. Ab diesem ersten Februarspruch freue ich mich auf die Blüten und die Holzbiene, die ihren Winterschlaf hält und Muskatellersalbei liebt, vielleicht auch.