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Ars vivendi – ars moriendi

Ars vivendi – Ars moriendi: Thema des VHS-Vortrags in der Alten Synagoge. Wir sind der Frage nachgegangen, was es mit der Kunst des Sterbens auf sich hat, vom Ägyptischen Totenbuch über das Tibetische Buch vom Leben und Sterben über das „Memento mori“ im antiken Rom ging es um das Loslassen und wie wir das jeden Tag im Kleinen üben können. Ausatmen, sich von Dingen trennen, die keine Freude mehr bereiten, Menschen loszulassen, die andere Lebenswege einschlagen. Über die Lebenskunst wanderten wir zur Lebenskönnerschaft: Was könnte der Nutzen von Tugenden in unserem Alltagsleben sein und wie kann „gutes Leben“, das für jeden etwas anderes bedeutet, gelingen? Was bereuen Menschen am Lebensende? Das, was sie getan, oder das, was sie eben nicht getan haben? Es war ein nachdenklicher und auch fröhlicher Abend. Vielleicht hat den einen oder anderen die Erkenntnis erschreckt, dass wir rund 4000 Wochen Lebenszeit haben bis zum 80. Lebensjahr in Anbetracht des Tempos, mit der eine Woche vorbeifliegt. Möglicherweise kann es jedoch sehr hilfreich sein, das Leben vom Ende her zu betrachten, um dessen Stunde wir nicht wissen: Wie würde ich jeden Tag leben und entscheiden, wenn ich wüsste, dass es mein letzter Tag wäre? Lohnt sich Streit und Zwist oder wäre das Bemerken der kleinen, glücklichen Momente, der Schönheiten und Freude im Alltag, nicht viel stärkender?

Einen frohen Jupitertag heute für dich mit lauter kleinen Goldnuggets der Freude.

 

Wonach alles strebt

Jede Kunst und jede Lehre, desgleichen jede Handlung und jeder Entschluss, scheint ein Gut zu erstreben, weshalb man das Gute treffend als dasjenige bezeichnet hat, wonach alles strebt.

Aristoteles, Nikomachische Ethik

Den kleinen lächelnden Buddha hat Stephanie bei ihrer China-Studienreise entdeckt. Danke fürs Foto!

Technik kann hilfreich sein

Eine Tüte Bärlauch – herrlich. Da haben wir doch gleich mal ein feines Süppchen gekocht und freuen uns am frischen Grün. Das erste Grün aus dem eigenen Garten hatten wir am Sonntag – der Spinat war erntereif. Herrlich! Spinat frisch auf dem Tisch keine Stunde nach der Ernte, mit Rührei und gebratenem Kräutertempeh – Festessen. Wir sind dankbar dafür.

Aufs Wochenende freue ich mich – unser „Stärkekurs“ mit Erfahrungen zur Eurythmie endet, eine Winterarbeit über den Vortrag von Rudolf Steiner „Nervosität und Ichheit“. Am Samstag geht es um Lebensstilmedizin im Seminar, ein großartiges Thema.

Zwischendurch Hörgerätecheck – stimmt alles? Funktionieren die Geräte angemessen und muss etwas nachgesteuert werden? Zudem werden die Geräte dann professionell gereinigt, das ist wie Brille putzen. Jeden Morgen, wenn ich „meine Ohren anziehe“, merke ich den Unterschied und auch hier bin ich sehr dankbar, dass moderne Technik dafür sorgt, dass ich im Gegensatz zu meinen überwiegend gänzlich ertaubten Vorfahren hören darf. Als Kind war es für mich erstaunlich, wie sie am Leben teilnahmen, obwohl sie wirklich auf Lippenlesen angewiesen waren. Gebärdensprache kannten sie noch nicht. Auch hier – Technik kann vieles möglich machen bis hin zur Augensteuerung von PCs, um Kommunikation zu ermöglichen. Dennoch: Trotz aller Kenntnis über Kommunikation leiden wir bis heute unter eklatanter Unfähigkeit, angemessen zu kommunizieren.

 

Einen feinen Wochenteilungstag heute für dich!

 

Theresa hat Momo mit dem Lausche-Ohr in Hannover fotografiert. Lieben Dank!

Warum nicht?

Du siehst Dinge und fragst “Warum?”, doch ich träume von Dingen und sage “Warum nicht?”

George Bernard Shaw

Das haben sich auch manche Stadtplaner gedacht, so wie in Chongqing. Da fährt der Zug einfach mal durch das Haus. Stephanie hat sich das vor Ort angeschaut. Danke für dein Foto!

Krafttag

Aprilwetter mit Hagelschauer, Schneeregen, Wind und Sonne. So schaut es auch derzeit in vielen Leben aus, ein Auf und Ab zwischen Sorgen, Nöten und Freumomenten. Ähnlich beschreibt es Goethe in seinem Text „Im Atemholen sind zweierlei Gnaden“ – „so wunderbar ist das Leben gemischt“.

Leben ist deshalb kostbar, weil es viele Schlechtwettertage und überraschend wundervolle Sonnentage gibt. Wir wissen oft nicht, wie uns geschieht – positiv wie negativ. Umso kostbarer sind die Momente der Freude, der Dankbarkeit und des Gefühls, angenommen und angekommen zu sein. All das können wir auch kultivieren: Dankbarkeit und Mitgefühl sind trainierbar, Freude entsteht, wenn wir bereit sind, die vielen kleinen Lichtfunken entlang unseres Lebensweges wirklich wahrzunehmen und wenn wir offen anderen Menschen gegenüber sind, entsteht schneller Bindung und tragfähiger Kontakt. Werte wie Authentizität, Freundlichkeit, Mitgefühl, Klarheit, auch Eigenschaften wie Neugier auf Anderes, bislang Fremdes sind Herzensöffner.

Dienstag ist Mars-, also auf gewisse Weise auch ein Krafttag. Wo entdeckst du heute Minikraftquellen für dich wie eine Runde um den Block in der Pause, einen Tee, in Ruhe am offenen Fenster getrunken, bewusstes Lauschen auf den immer stärker werdenden Morgenchor der Vögel, was immer dir begegnen mag? Hab einen wunderschönen Tag.

 

So ähnlich schaute der Himmel Montagnachmittag aus, dann kam dicker Hagel und kurz darauf ein wunderschöner Regenbogen. Danke an Stephanie für das Foto.

Atemholen

Aus dem West-Östlichen Diwan

Im Atemholen sind zweierlei Gnaden:

Die Luft einziehen

Sich ihrer entladen.

Jenes bedrängt, dieses erfrischt.

So wunderbar ist das Leben gemischt.

Du danke Gott, wenn er dich presst,

Und dank ihm, wenn er dich wieder entlässt.

            Johann Wolfgang von Goethe

Hier kann man auch gut durchatmen. Stephanie hat das Bild gemacht, Danke.

Eine neue Woche lädt uns ein

Diese Woche wird sehr vielfältig. Arbeit mit Klienten in der Praxis, Vortrag über die Kunst des Lebens und die Kunst des Sterbens am Dienstagabend in der Alten Synagoge Kitzingen, Hörgerätetest steht an und am Samstag hat der Nautiluskurs vom September schon Bergfest! Die Hälfte ist geschafft und wir feiern das mit einem feinen Kurstag zum Thema „Körper-Seele-Geist“. Am Samstagabend endet auch schon unser kleiner Stärkekurs mit Übungen aus Steiners Vortrag „Nervosität und Ichheit“ und Eurythmie.

Die angehenden Heilpraktiker haben am Mittwoch schriftliche Überprüfung – wir drücken allen Prüflingen sehr die Daumen für ein erfolgreiches Bestehen.

Im Hintergrund läuft der Alltag noch unrund, fehlt mir Luft zum Schreiben von Vorträgen und Seminaren. Es ruckelt sich nach Christophs Sturz mit dem gebrochenen Fuß erst noch ein. Hauptsache, alles heilt gut zusammen, der Rest ergibt sich. Er kommt mit der Fußorthese klar und nachts packen wir den Fuß in den Gips, das ist angenehmer. Wer hätte es gedacht: Familienleben bedeutet offenbar neben vielem anderen, nebenher eine Pflegeausbildung zu absolvieren. Bei uns jedenfalls.

Einen freundlichen Wochenstart allen.

 

Morgenstimmung. Danke an Stephanie für das Foto.

 

Des Weltendaseins Werdelust

Es spricht zum Menschen-Ich

Sich machtvoll offenbarend

Und seines Wesens Kräfte lösend

Des Weltendaseins Werdelust:

In dich mein Leben tragend

Aus seinem Zauberbanne

Erreiche ich mein wahres Ziel.

Wochenspruch aus dem Seelenkalender von Rudolf Steiner.

„Werdelust“ war bei diesem Foto von Stephanie auch mein erster Gedanke. Danke!

Altes Wissen

In alten Zeiten waren Menschen darauf angewiesen, im Rahmen des Möglichen (darüber sollten wir uns keinerlei Illusionen machen) für die eigene Gesundheit zu sorgen. Es gab weder MRTs noch aufwändige Chemotherapien, Antibiosen und anderes. Sterblichkeit war hoch, ein Knochenbruch konnte den Tod bedeuten. In Jahrhunderten wurde Erfahrungsmedizin gesammelt – Handauflegen als einfachste Methode, Kenntnisse über Heilpflanzen, Anwendungen von Wickeln und Auflagen, Kataplaste, Kohlblatt ums Knie und Tausenderlei! Schlichte Methoden, große Wirkung. Heute kann z.B. ein Leberwickel mit Schafgarbentee Menschen zusätzlich zu ihrer sonstigen Behandlung sehr unterstützen (z.B. bei Migräne oder depressiver Verstimmung). Ein Tässchen Tausendgüldenkraut in Zeiten herausgezüchteter Bitterstoffe aus der Nahrung ist, wie der Name sagt, durchaus Gold wert. Wer weiß, wie man mit Wadenwickeln Fieber senkt, geht weniger schnell bei Kindern in die Gabe von Medikamenten, sondern vertraut der Heilkraft des Immunsystems. Jede Form einer solchen Anwendung ist Zuwendung, denn die Patienten sind gehüllt, behütet und begleitet. So entstehen Vertrauen in die eigene Heilkraft und den inneren Arzt, das Wissen, dass wir auch auf Naturheilmöglichkeiten zugreifen können und die Wertschätzung des Prozesses, den jede Erkrankung darstellt.

Wer in diesem Jahr quasi im Vorbeigehen etwas für seine Gesundheit tun mag – Wassertretbecken gibt es an vielen Orten. Wer daran vorbeikommt, einfach Schuhe und Socken aus und rein im Storchengang. Erfrischt und trainiert Beine und den Kopf.

 

Wassertretbecken in Oy-Mittelberg

Vorfreuen

„Die Kunst des Lebens und die Kunst des Sterbens“ – das wird das Thema des Vortrags am Dienstag um 19 Uhr in der Alten Synagoge Kitzingen sein (Abendkasse, ohne Anmeldung). Die Endlichkeit des Daseins macht es so kostbar. Und Sterben kann man ein wenig üben – mit bewusstem Loslassen. Machen wir übrigens  jeden Tag rund 25920 Mal, wenn wir ausatmen. So viele Atemzüge ungefähr sind ein Erdentag. Die Sonne braucht rund 25920 Jahre, um einmal durch den Tierkreis zu wandern, da platonische Weltenjahr. Mikro- und Makrokosmos. Im Kleinen finden wir das Große und umgekehrt.

Im Seminar am Wochenende werden wir uns mit Biohacking befassen. Was nach Nahrungsergänzungsmittel-Werbung klingt, ist eher simpel: Schlaf, Bewegung, Stärkung sozialer Beziehungen, Weglassen von Suchtstoffen, Ernährung, gutes Stressmanagement, also die Säulen der Lebensstilmedizin, die oft tief in den Topf der Erfahrungsmedizin greift und mit aktuellen Erkenntnissen der Forschung verbindet. Ein bisschen Kneippwissen kommt oben drauf, denn kaltes Wasser ist ein hervorragendes Mittel zur Stärkung, wenn man weiß, wie es geht.

Allen einen freundlichen Venustag heute mit vielen Momenten des Durchatmens.

 

Kneippfigur vor dem nachgebauten Badehaus in Bad Wörishofen.

Was machst du eigentlich so?

„Was machst du eigentlich?“ Schöne Frage. Die Antwort ist dreiteilig.

Ein berufliches Bein ist die Arbeit mit erwachsenen Menschen in meiner Praxis (Heilpraktikerin beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie). Die meisten Klienten stecken in Krisen, suchen Antworten auf tiefe Fragen, kämpfen im Alltag, leiden unter Depression und Burnout plus das gesamte Spektrum, das wir als HPPs sehen.

Mein zweites berufliches Bein ist Potentialentfaltung wie das Nautilusprojekt. Darin begleiten wir Menschen ein Jahr lang auf dem Weg zu sich selbst: Wer bin ich wirklich und wer möchte ich sein? Ein Jahr mit gemeinsamen Seminartagen, Wochenlektionen und Buddysystem zum Üben und Vertiefen. Danach besteht die Möglichkeit, ein weiteres Jahr in die Therapeutenausbildung zum/r Cardea-Therapeuten zu gehen (systemisch-hypnosystemische Arbeit, Gesprächspsychotherapie) oder elf Monate bis zum/r Cardea-Coach/in anzuhängen (Systemisches Coaching, Gesundheitsfürsorge, Arbeit mit Einzelmenschen und Teams). Dazu bieten wir noch viele andere Seminare an. Grundlage aller Arbeit: ein Achtsamkeits- und ein anthroposophisches Bein oder kurz gesagt: Ein Mensch, der andere dabei begleitet, ihr Menschsein wieder zu entdecken.

Privat pflege ich meinen schwer gehandicapten Bruder mit Pflegestufe 5 (Querschnittlähmung, seelenpflegebedürftig, Autismus, nur eine Niere, diverse Grunderkrankungen), wurstle mich durch den Haushalt, freue mich über zwei großartige erwachsene Töchter und meinen Mann, mit dem ich seit 40 Jahren durch die Welt gehe bzw. er gerade mit Gipsbein humpelt.

Ich öffne, halte und schütze Räume, in denen Menschen ankommen, sein und sich entwickeln können. Egal, in welchem Bereich. Ich bin da für Menschen und das, was kommt. Auf jeden Fall treten stets Wundertüten herein und zeigen nach und nach (vielleicht war es tief versteckt) ihr Goldkörnchen, das sie einzigartig macht. Ich freue mich auf dich! www.seelengarten-krokauer.de

 

Danke an Britta Leonhard-Kuschner für das Bild!

Neugier

Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will.

Galileo Galilei

Ursula hat das Foto gemacht. Danke!

Zerbröselt

Zerbröselt – das ist das Wort, wenn Dinge in winzig kleine Stücke zerbrechen. Blicke ich in die Welt, zerbröseln alte Systeme. Zerfallen Unternehmen in unkittbare Teile, tragen Wahrheiten nicht mehr länger, weil sie zu verbogen sind. Tapfere Menschen halten Systeme aufrecht durch freiwillige Mehrarbeit, längere Schichten und anderes, damit dieser Teil ihrer Welt nicht auch kollabiert. Wenn nicht mehr allzu viel trägt, was wäre dann ein guter Weg?

Anerkennung, dass viele getan haben, was möglich war. Jeden Tag stehen eine Menge Menschen auf und leisten Großartiges. Wesentlich mehr als sie müssten, weil sie über ihre Grenzen gehen aus vielerlei Gründen. Manche aus brutaler Kindheitsprägung, andere aus Liebe, wieder andere, weil sie die Hoffnung auf ein Wiedererholen nicht aufgeben wollen.

Genaue Analyse: Was trägt noch, was nicht mehr? Braucht es dies und jenes wirklich, oder hat es ausgedient und man darf es dankbar für das Gewesene zur Seite legen?

Welche neuen Wege brauchen wir und wie können wir sie gemeinsam gestalten?

Die Brösel mit viel Kitt zusammenkleben und hoffen, auf dieses Fundament ein Hochhaus stellen zu können, ist gefährlich und wenig ratsam. Manchmal braucht es einen klaren Blick, um in die Zukunft mitzunehmen, was gut ist und trägt und gemeinsam auf gute und wertschätzende Weise zu verändern, was not-wendig ist. Das erfordert Mut, Entwickeln von Ideen und Prototypen, die Gelassenheit, dass nichts perfekt ist und sich alles stets verändert. Das muss nicht nur schlecht sein und Zukunft ist nicht per se gut, weil sie noch nicht mit Vergangenheit zugedeckt wurde.

Allen heute einen Wochenteilungstag mit der Kraft, sich anzuschauen: was trägt in meinem Leben gut? Was nicht mehr? Was wäre denn ein guter Umgang damit? Was kann ich alleine und wo wäre ein gemeinsames Handeln der bessere Plan?

 

Bei guter Pflasterung kann man leichter Höhenmeter machen. Anne hat das Bild in Kopenhagen gemacht. Danke.