Monthly Archives: November 2025

Staunend

Menschen tragen unglaubliche Schicksale. Sie sitzen da, die Worte purzeln nur so heraus, bilden einen Lebenslandschaft mit ständig wechselnden An-, Ein- und Aussichten oder sie ringen um Begriffe, die nicht einmal annähernd wiedergeben, was sie bewegt. Es sind Geschichten von Gewalt und Angst, von Leid und Not, von körperlichen und seelischen Schmerzen. Es sind auch lustige Erzählungen aus dem Lebens, voller Humor, entwickelt aus Überstandenem. Menschen, die viel erlebt haben, tragen Tag und Nacht, Sonne und Mond, Sommer und Winter, den gesamten Kosmos in ihrer Herzensweisheit. Als Begleitende sitze ich still und staunend im Raum, der gestaltet wird aus Respekt, Anerkennung, Würde, Ruhe, Stille, Freundlichkeit und Vertrauen. Wir lachen, weinen, schweigen. Es sind keine Begegnungen, sondern immer wieder auch Kraft- und Phönixmomente. Danke dafür.

 

Stephanies Bilder sind eine Kraftquelle der besonderen Art.

Bist du im neuen Kurs mit dabei?

Jahresende ist auch Terminplanung und Orga. Vieles will festgezurrt werden, Anfragen von Firmen gehen oft Monate im Voraus ein. Planung schafft eine gewisse Sicherheit, wobei natürlich niemand weiß, was im November 2026 sein wird. Planungen sind einfach best case-Wunschzettel.

Am Dienstag werden wir uns in der Alten Synagoge in Kitzingen im Foyer mit dem wunderbaren Thema „Licht in dunklen Zeiten“ befassen, keine Anmeldung notwendig, Abendkasse, Beginn 19 Uhr. Um das innere Licht, um Einmittung, Ruhe und Kraftschöpfen geht es auch im Stärke-Seminar, das online am 6. 12. startet und Alltagsübungen mit Bewegungen verbindet. Wer gern mitgehen mag, kann sich hier anmelden https://www.seelengarten-krokauer.de/aktuelles/#staerke

Gerade fallen die ersten Schneeflocken vom Himmel, hier oben weht ein eisiger Wind. Mögen alle, die daußen unterwegs sind, gut und sicher da hinkommen, wo sie hinkommen wollen. Nehmen wir auf vielen Ebenen den Fuß vom Gas und schauen, ob wir auf der Straße unterwegs sind, auf der wir gerade wirklich, mit ganzem Herzen, sein wollen. Einen fröhlichen Jupitertag für dich.

 

Nicht jede Rosenblüte wird sich in diesem Jahr noch öffnen.

Krass

Die Themen in der Praxis sind diese Woche erstaunlich. Gleich mehrfach geht es um den jede Vorstellung übersteigenden Verlust von Kindern, um Entscheidungen, die getroffen werden müssen, denen ethisch-moralische Konflikte zugrunde liegen, um Beenden von langjährigen Freundschaften. Der Umgang mit Verlust, Tod und Trauer ist schwer, da gibt es keine einfache Lösung, sondern ein stilles Raumhalten, Begleiten und Halten von Schmerz.

Vorgestern fragt eine Kollegin: „Wie gehst du denn mit dem um, was derzeit alles so los ist? Ich muss viel mehr Pausen einlegen.“ Das kann ich gut nachvollziehen, November ist oft ein Monat, in dem sich Müdigkeit und Erschöpfung vom Jahr bemerkbar machen. Ich habe festgestellt, dass Pflege enorm erdet. Wenn ich meinem Bruder die Zähne putze, ihn rasiere, wasche, wickle, schaue, dass er trinkt und sich beim Essen nicht verschluckt bin ich extrem präsent, sonst endet es im Chaos. Dieses permanente „Hier-und-Jetzt-Training“, so anstrengend es ist, hat das Potential, alles Dramatische herunterzubrechen auf basale Dinge. Das ist hilfreich für Tage, an denen ich an meine Grenzen stoße.

Farbhüllen

Pflanzenfarben wirken unglaublich hüllend. Treppenhäuser sind nicht unbedingt ein Ort, an dem man sich behütet fühlen mag. Am Goetheanum in Dornach ist das anders.

Psychoaktive Tage

Vor vier Wochen war ich im Schweigeretreat. Was ist geblieben? Erkenntnisse daraus sind psychoaktiv, entfalten weiter Wirkung. Ich lausche achtsam, nehme intensiv wahr und stelle die Tendenz fest, dass wir Menschen gern demontieren. Ob das Menschen in der Öffentlichkeit sind, in unserem Umfeld, ganze Völker. Eine Sache, die uns nicht passt, schon kommt alles in die Schachtel „persona non grata“. Dabei missachten wir Zusammenhänge, aus denen Äußerungen herausgenommen werden, Geschichten, die hinter Worten stecken und unbekannt sind und vieles mehr. Selbstverständlich ist eine klare Stellungnahme, eine deutliche Haltung absolut wichtig, wenn jemand sich vergaloppiert, wehret den Anfängen.

Wunsch in Bezug auf Haltung: Ich habe einen eigenen Standpunkt und kann mich auch in andere hineinversetzen, nicht nur emotional, sondern auch mit klarem Verstand, was wir mit Schaulogik bezeichnen. Ich habe Werte. Ich lausche mit Herz und Ohren und nehme wahr, was hinter Worten steckt. Ich erforsche mich und kann ruhig mein Statement abgeben, weshalb ich so oder so denke und handle. Ich kann klar adressieren und benennen, wenn mir etwas auffällt, als Frage formulieren, wie die andere Person das sieht. Möglicherweise lerne ich viel aus dieser Antwort über meine eigenen Aufgaben. Haltung ist, was mich hält – nicht einengt, nicht dichtmacht, sondern trägt, wenn es schwierig wird. Haltung bewährt sich nicht im Sonnenschein, sondern in der Rushhour des oft quirligen Alltags. Einen kraftvollen Marstag für dich heute!

Haltung statt Worten

Kein Ansatz, der sich auf Wissen, auf Training, auf die Annahme irgendeiner Lehre verlässt, kann auf Dauer von Nutzen sein. Haltung ist entscheidend, nicht Worte.

Carl R. Rogers

Ita Wegmans Büste in der Klinik Arlesheim. Auch sie ein Mensch mit (mich) beeindruckender Haltung im Leben.

Kurz eskaliert

Intensive Beschäftigung am Wochenende im Seminar mit Ken Wilbers integralen Gedanken. Kurz der Moment, in dem ich dachte „Wäre schön, wenn ich nur das jetzt als Thema hätte heute“. Mein Leben integriert viele Dinge – Pflege ist 24/7, an diesem Wochenende gab es Haushaltsaufgaben, Besprechungen verschiedener Art, Beantwortung von Anfragen, die letzten Arbeiten im Garten für das Jahr, Suche nach der Schneeschaufel zur Sicherheit und Vorbereitung der Woche neben Bügelwäsche und Flickarbeiten, die hier auch ständig anfallen. Der Gemahl findet eine Liste aus 2020, als wir unsere jährliche Zukunftsplanung gemacht haben für alle Lebensbereiche. Er legt es mir vor wegen meiner persönlichen Planung. Kurze Eskalation meinerseits. Die Lebensrealität eines Menschen, der pflegt und selbstständig ist, sieht anders aus als damals, als ich keinen Pflegefall hatte. Davon abgesehen hat sich unser Leben wie das aller anderen seit der Pandemie massiv verändert, was davor als Ideen für die Zukunft im Raum stand, ist heute obsolet. Spannend daran war in jedem Fall, wie krass sich Leben in kurzer Zeit auf vielerlei Ebenen verändern kann. Und ich denke, wir alle werden massivere Veränderungen in den nächsten Jahren erleben als wir uns das heute vorstellen. Daher Motto der Stunde: Gleichgewicht anpeilen, egal wie stark der Boden schwankt. Darauf eine Tasse grünen Tee.

 

Maike hat das wundervolle Bild in den Bergen gemacht. Lieben Dank dafür!

Frostig leeres Leben

So fühl ich erst die Welt

Die außer meiner Seele Miterleben

An sich nur frostig leeres Leben

Und ohne Macht sich offenbarend

In Seelen sich von neuem schaffend

In sich den Tod nur finden könnte.

Wochenspruch aus dem Seelenkalender von Rudolf Steiner.

Steffen hat diese zauberhafte Aufnahme gemacht. Vielen Dank!

Kurswochenende

Ein Wochenende ohne selbst Kurs halten, sondern selbst lernen ist ein Highlight. In den letzten Wochen war viel zu tun, da ist das eigene Lernen ins Hintertreffen geraten, insofern erhoffe ich mir, dass ich wieder mehr den Fokus aufs Fortbilden lenken kann. An Motivation hat es mir zum Glück noch nie gefehlt, in den letzten Jahren jedoch an Zeitfenstern. Das ist ein Bereich, in dem ich merke, wie viel Zeit Pflege wirklich jeden Tag bedeutet und vor allem im Verlauf, wie krass viel Energie das kostet. Wir gehen derzeit neue Wege mit dem Bruder in Bezug auf Aromatherapie und Kräuterabkochungen aus der TCM, um zu schauen, was jenseits von Antibiose sinnvoll machbar ist. Das kostet Zeit, Geld und Einarbeitung, denn bei Menschen mit vielerlei Handicaps können erstaunliche paradoxe Reaktionen auf Mittel erfolgen, mit denen keiner rechnet. Ich beobachte noch genauer als sonst schon, muss exakter dokumentieren, damit wir sehen können, was gut funktioniert und was wir nicht weiterverfolgen. Auch das sind Fortbildungen – in tiefer Wahrnehmung, Begleitung von Menschen mit speziellen Herausforderungen, abschätzen lernen, wann welche Abkochung zielführend ist und welche nicht. Irgendwie ist alles ein stetes Lernen im Leben.

 

Mächtig, dachte ich beim Anblick des Fotos von Annemarie, als Weitetyp sind Berge für mich immer wieder erstaunlich. Die Kombination Berg und See jedoch ist auch spannend.

Heimatseelenlandschaften

Spannende Erkenntnis eines Klienten, dass ein ihm wichtiges Lebensthema Heimat ist. Er reist, führt Gespräche, gestaltet Podcasts und am Fuß des Diamir/Nanga Parbat, 8125 Meter hoch aufragend im Kaschmirgebiet, wurde ihm bewusst, dass Heimat auch ein Gefühl sein kann, nicht nur ein geographischer Ort. Wichtige Punkte in seiner Biografie sind stets mit einem Ort verbunden, der wie ein Anker einen Lebensmittelpunkt darstellt, von dem er hinauszieht in die Welt, um Geschichten zu sammeln. Es war so schön zu erleben, wie dieser Ort mit einem Mal Erdungspunkt wird, Lebensraum, aber eben nicht wie ein „an der Scholle kleben müssen“, sondern die Freiheit bedeutet, von diesem Ort aus hinauszuziehen und wieder heimzukehren. Orte werden zu Kraftorten, zu einer Form von Homebase, wo man auftankt, sich versorgt, lebt, um dann erneut aufzubrechen, um in der Ferne zu erfahren, was Menschen dort Heimat, Zuhause ist und so die eigenen Wurzeln sind.

Das hat mich an Rüdiger Sünners bewegende Filmreihe über Seelenlandschaften erinnert (https://www.ruedigersuenner.de/meine-filme/), in denen er achtsam Orte aufsucht und ihrer Energie und Kraft nachspürt.

 

Eine meiner Seelenlandschaften ist der Goetheanumspark in Dornach.

Was isst du?

Ernährung – es ist ein Privileg, darüber nachdenken zu können. Es gibt aus meiner Sicht nicht DIE Ernährung, die für uns alle passt, sondern ist stets individuell. Ein Highlight für Annemarie war dieses Sushimahl, das sie mit Freude fotografiert und dann verzehrt hat. Danke für dein Bild!

Miteinander

Vieles sieht von Außen gut aus, blickt man hinter die Kulissen, erkennt man Schmerz, Leid, Trauer und vieles anderes mehr. „Unter jedem Dach ein Ach“ hieß es früher, wenn jemand sagte, dass das Gras beim Nachbarn grüner sei. Ich vermute, dass daran viel Wahres ist. Es gibt keinen Grund, einen anderen Menschen um sein Leben zu beneiden, wir wissen nie, was das konkret bedeutet. Die Frage wäre eher, wie man einander unterstützen kann. So mancher ältere Mensch würde gern jüngeren das Reparieren von Fahrradschläuchen zeigen, Waffeln miteinander backen oder sich austauschen. Startups profitieren von der Expertise älterer Mentoren. Die Power der Jüngeren und ihre Sicht auf die Welt, die zukunftsgerichtet ist, weil sie sie gestalten, mag sich gut verbinden mit Ruhe, Gelassenheit und Erfahrung der Älteren, die aus der Vergangenheit manche gelernte Lebenslektion mitbringen. Es braucht Räume des Miteinanders. Des gegenseitigen Lauschens mit wachem Ohr, offenem Herzen und angebotener Hand. Es ist keine Frage von Alter, Religion, Hautfarbe oder sonst etwas. Menschlichkeit entsteht, wenn wir uns selbst und uns gegenseitig die Möglichkeit schenken, menschlich zu sein. Es ist eine Art, das Leben zu leben, keine Attitude.

Bunte Vielfalt ist ein Zeichen von Widerstandsfähigkeit.