Eine Mail endet mit den Worten „Danke für dein Verständnis“. Der Inhalt: eine zu späte Absage zur Teilnahme an einer Veranstaltung (ich finde die Nachricht NACH der Veranstaltung, zu der die Person erscheinen sollte, als ob ich mitten in einem laufenden Termin auf ein Handy schauen würde). Ich habe jedoch kein Verständnis. Sich bei mir für ein nicht vorhandenes Verständnis zu bedanken empfinde ich als unangemessen. Warum soll ich permanent Verständnis haben? Dinge entschuldigen, die ich nicht gutheiße? Alles akzeptieren, was anderen in den Kram passt, jedoch für einen Gruppenprozess und gemeinsames Lernen weder hilfreich noch anderen, die sich committet haben, gegenüber fair ist?
Wir haben eine wachsende „Unkultur“ von unangemessenem Verhalten. Ich bleibe allem fern, was sich für mich als Verpflichtung anfühlt, selbst wenn es um eine selbst ausgesuchte Fortbildung geht. Wenn mir spontan nach „alle fünfe grade sein lassen“ ist, mache ich das und bedanke mich dann bei der im Stich gelassenen Gruppe fürs Verständnis. Finde den Fehler.
Herrlich – so eine Ernte hätte ich auch gern. Zwei Zwetschgen am Baum dieses Jahr. Danke an Ursula für das Füllefoto.
Der Sommerfaden
Der Sommerfaden
Da fliegt, als wir im Felde gehen,
Ein Sommerfaden über Land,
Ein leicht und licht Gespinst der Feen,
Und knüpft von mir zu ihr ein Band.
Ich nehm ihn für ein günstig Zeichen,
Ein Zeichen, wie die Lieb es braucht.
O Hoffnungen der Hoffnungsreichen,
Aus Duft gewebt, von Luft zerhaucht!
Ludwig Uhland
Kein Sommerfaden, dafür Sommerabend – von Ursula. Danke für dein Bild!
Zufallsfund
„Durch Übung der ‚sieben Künste‘ öffnet und befreit der Mensch seinen Geist für die Welt – und bringt sich als geistiges Wesen zuallererst selbst hervor“. Diese Worte des französischen Mönchs Alanus ab Insulis (1120–1202) aus der Schule von Chartres sind mir sehr stark hängengeblieben. Ein Zufallsfund. Eigentlich wollte ich ein Heft über Rainer Maria Rilke ordern, doch es kam „Himmel. Erde. Menschen. Kunst“, ein wunderschöner Titel von Stefanie Gather und Silke Kirch über die Sommerakademie Alfter. Schnell war der Rilke vergessen und die Freude am Lesen, Schauen und Staunen groß. Zugleich auch eine gewisse Wehmut, weil derzeit wenig Zeitfenster sind für Kunst und eigene Kreativität (stimmt nicht ganz, Skripten und Artikel schreiben sind ein sehr kreativer Akt).
Bildung im weitesten Sinne ermöglicht, dass sich der Mensch als ein geistiges Wesen selbst hervorbringt. Eine bedenkenswerte Aussage, die in den nächsten Wochen sicherlich viel in meinem Kopf herumgeistern wird. Natürlich führte die Beschäftigung mit Chartres dazu, mal wieder in den Bildbänden über das Meisterwerk zu blättern. Das gehörte als Kind zum Schönsten auf der Welt: Ich lese etwas. Ein unbekanntes Wort taucht auf. Ich schlage im Lexikon nach und lese die Erklärung, doch gibt es weitere Verweise – am Ende vergesse ich, weshalb ich überhaupt ein Lexikon in die Hand genommen habe und mäandere mich, Zeit und Raum restlos vergessend, durch Worte, Erklärungen und Unbekanntes. Die einen bereisen die Welt real, ich durchforste am liebsten Bibliotheken. Oder werde von wunderschönen Buchpaketen überrascht, die sich als großartiges Geschenk des Wochenendes erweisen.
Allen einen guten Start in eine Woche mit lauter wundervollen, freundlichen und wertschätzenden Momenten.
Ursula hat die Schönheit im Gegenlicht fotografiert. Danke für dein Bild.
Weltendenken
An Sinnesoffenbarung hingegeben
Verlor ich Eigenwesens Trieb
Gedankentrau, er schien
Betäubend mir das Selbst zu rauben
Doch weckend nahet schon
Im Sinnenschein mir Weltendenken.
Wochenspruch aus dem anthroposophischen Seelenkalender von Rudolf Steiner.
Borretschblüte mit Bienenbesuch, von Ursula dankenswerterweise im Bild festgehalten.
Ich freue mich
Das wird ein interessantes Wochenende. Die angehenden Cardea-Coaches haben ihren zweiten systemischen Ausbildungsteil. Wir befassen und mit Entwicklungszyklen, Virginia Satir, Organigrammen, Strukturen und Mustern. Systemische Arbeit mit Teams ist anders als Familienaufstellung. Systemisches Denken ist ein zentraler Ansatz unserer Arbeit. Langsam schwingt sich die Gruppe auf ihre letzten Kurseinheiten ein, bald stehen die Präsentationen der Abschlussarbeiten an.
Nächste Woche lerne ich ein neues Team im Coaching kennen, darauf freue ich mich sehr. Am nächsten Samstag haben wir im Jahreskurs den Seminartag zum Thema „Sehnsucht nach Heimkehr“. Das nächste Aufstellungswochenende ist ausgebucht, auch das im September, für Oktober nehmen wir gern Anfragen an.
Raphael erntet mit seiner Mama Zuckerschoten im Garten – herrlich! So eine kleine Haushaltshilfe ist großartig. Danke an Aurelia für euer zuckersüßes Foto!
Ich bin der Juli
Grüß Gott! Erlaubt mir, dass ich sitze.
Ich bin der Juli, spürt ihr die Hitze?
Kaum weiß ich, was ich noch schaffen soll,
die Ähren sind zum Bersten voll;
reif sind die Beeren, die blauen und roten,
saftig sind Rüben und Bohnen und Schoten.
So habe ich ziemlich wenig zu tun,
darf nun ein bisschen im Schatten ruhn.
Duftender Lindenbaum,
rausche den Sommertraum!
Seht ihr die Wolke? Fühlt ihr die Schüle?
Bald bringt Gewitter Regen und Kühle.
Paula Dehmel, 1862–1918
Aurelia hat bei einer Sonnenblume genau hingesehen. Danke für dein Foto!
Sinkende Hemmschwelle
Turbulente Tage mit viel Wind im Außen und auch Menschen, die sehr durch den Wind sind nach Hitze und Backofenfeeling. Die Bandbreite der Themen ist erstaunlich. Von Trennung über Erstdiagnosen mit durchaus krassen Folgen über Erziehungsfragen und gleich zwei Fälle, in denen Menschen massivem emotionalem Missbrauch ausgeliefert sind. Das Thema häusliche Gewalt nimmt in meiner Wahrnehmung stark zu. Das begann in der Pandemie, als die Menschen eng aufeinandersaßen und setzt sich fort. Nach außen wird aus Scham oft nichts darüber gesagt. Sich „HELP“ auf die Augenlider schreiben mag in Reels nützlich sein, in Wirklichkeit leben rechts und links von uns oft Menschen, die hinter den verschlossenen Türen nicht mehr als Menschen behandelt werden und zu wenige Menschen reagieren, wenn sie es bemerken. Hier darf Bewusstsein wachsen. Im Wartezimmer unseres Hausarztes hängen zwei Plakate mit Hinweisen auf Hilfe bei häuslicher Gewalt und Frauenhaus.
Respekt- und Würdelosigkeit sind weit verbreitet, der Anfang einer sinkenden Hemmschwelle in Bezug auf Gewalt. Wir sind im wahrsten Sinn des Wortes eine gewalt-tätige Menschheit geworden gegenüber allen Lebewesen. Der alte Spruch „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu“ darf wieder ins Repertoire. Ehrfurcht vor allem, was lebt, gehört in jede Kinderstube, denn das ist die Homebase von Höflichkeit und Herzenstakt.
Einen freundlichen, friedlichen und achtsamen Freitag allen.
Höflichkeit
Höflichkeit ist Wahrheit, gebrochen durch Takt.
Viktor de Kowa
Zauberhaft bewachsenes Gebäude auf dem Gelände der Klinik Arlesheim. Es summt und brummt dort hingebungsvoll.
Stromausfall
Dienstagmittag Patsch!, alles steht still. Rechner hart runtergefahren. Alle Geräte aus. Sicherungskasten – alles okay. Wenige Minuten später rattert alles los. Der eine Rechner findet das interne Netzwerk nicht mehr, der AB muss neu gestartet werden, ein paar Zeilen Text fehlen in einem Dokument. Den gesamten Nachmittag stürzt immer wieder alles ab, nichts läuft stabil. Es dauert bis zum Abend, bis der Zugang zum Netzwerk mit einem Mal wieder funktioniert. Die Nachbarn berichten dasselbe bei ihnen. Ich finde keine Infos über Stromausfälle in der Stadt, was mich irritiert. Zum Glück konnten wir alles wieder richten, es zeigt, dass ohne Strom nicht viel läuft. Selbst das Pflegebett des Bruders könnte ich dann nicht so verstellen, wie wir das dauernd müssen. Also entweder kniend versorgen oder ihn sehr hoch im Bett haben mit dem Sturzrisiko. Je nachdem, wann der Strom ausfällt, haben wir also das eine oder das andere.
Wir üben in letzter Zeit einige Dinge – Wasser abkochen wegen Keimen – Wasservorrat anlegen, für solche Fälle gut versorgt sein, vor allem mit Pflegefall. Strom: Also wieder Apfelmus im Herbst kochen aus den Äpfeln und Saft machen, das braucht keine Kühlung und getrocknete Apfelwürfel herstellen, Quitten und die Beeren versaften, kühlungsfrei. Auf dem Einkaufszettel: Lebensmittel in Gläsern wie Bohnen, weil der Gefrierschrank im stromlosen Fall nichts nutzt. Kommt froh durch den Jupitertag!