Zufallsfund

„Durch Übung der ‚sieben Künste‘ öffnet und befreit der Mensch seinen Geist für die Welt – und bringt sich als geistiges Wesen zuallererst selbst hervor“. Diese Worte des französischen Mönchs Alanus ab Insulis (1120–1202) aus der Schule von Chartres sind mir sehr stark hängengeblieben. Ein Zufallsfund. Eigentlich wollte ich ein Heft über Rainer Maria Rilke ordern, doch es  kam „Himmel. Erde. Menschen. Kunst“, ein wunderschöner Titel von Stefanie Gather und Silke Kirch über die Sommerakademie Alfter. Schnell war der Rilke vergessen und die Freude am Lesen, Schauen und Staunen groß. Zugleich auch eine gewisse Wehmut, weil derzeit wenig Zeitfenster sind für Kunst und eigene Kreativität (stimmt nicht ganz, Skripten und Artikel schreiben sind ein sehr kreativer Akt).

Bildung im weitesten Sinne ermöglicht, dass sich der Mensch als ein geistiges Wesen selbst hervorbringt. Eine bedenkenswerte Aussage, die in den nächsten Wochen sicherlich viel in meinem Kopf herumgeistern wird. Natürlich führte die Beschäftigung mit Chartres dazu, mal wieder in den Bildbänden über das Meisterwerk zu blättern. Das gehörte als Kind zum Schönsten auf der Welt: Ich lese etwas. Ein unbekanntes Wort taucht auf. Ich schlage im Lexikon nach und lese die Erklärung, doch gibt es weitere Verweise – am Ende vergesse ich, weshalb ich überhaupt ein Lexikon in die Hand genommen habe und mäandere mich, Zeit und Raum restlos vergessend, durch Worte, Erklärungen und Unbekanntes. Die einen bereisen die Welt real, ich durchforste am liebsten Bibliotheken. Oder werde von wunderschönen Buchpaketen überrascht, die sich als großartiges Geschenk des Wochenendes erweisen.

Allen einen guten Start in eine Woche mit lauter wundervollen, freundlichen und wertschätzenden Momenten.

Ursula hat die Schönheit im Gegenlicht fotografiert. Danke für dein Bild.


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