Kategorie: Allgemein

  • Minotaurusmeeting

    Das Labyrinth von Chartres ist immer faszinierend, ob im Original oder wenn man es irgendwo entdecken kann. Es birgt unzählige, teilweise noch nicht gelöste Rätsel und Geheimnisse. Der Eingangsstein entspricht der Größe eines mittelalterlichen Menschen, es hat elf Gänge, das ist ungewöhnlich, ist außen herum gezahnt. Wir erleben heute viele Labyrinthmomente in unseren Biografien. Das sind die Zeiten, in denen wir im Dunkeln, im tiefsten Inneren unseres Seins stehen und dort dem Minotaurus begegnen, den ungelösten Themen, den Schattenanteilen, dem Verdrängten und wegen Schmerzhaftigkeit Weggeschobenen. Es gilt, sich diesem Minotaurus zu stellen, um die Kehrtwende zu schaffen, um den Weg wieder nach draußen ins Licht zu nehmen. Wer nach dieser Arbeit wieder ins Freie tritt kann sich neu ins Leben wurzeln und seine Zweige neu entfalten.

     

    Danke an Stephanie für das Foto.

  • Rat

    Die verehrlichen Jungen, welche heuer

    Meine Äpfel und Birnen zu stehlen gedenken,

    Ersuche ich höflichst, bei diesem Vergnügen

    Wo möglich insoweit sich zu beschränken,

    Dass sie daneben auf den Beeten

    Mir die Wurzeln und Erbsen nicht zertreten.

    August, Theodor Storm

    Stephanies Blick geht weit in die Landschaft. Feine Augenferien für dich. Danke für das Foto!

  • Himmelsgewölbe

    Beim Abrebeln der Holunderbeeren und beim Würfeln von Äpfeln fürs Entsaften hat man Zeit zum Nachdenken. Wenn eines der Kinder eine Reise macht, informiere ich mich gern über die Route und was sie dort erleben. Nicht zum ersten Mal war Theresa in Barcelona und konnte wieder Werke von Gaudi vor Ort ansehen. Vor 20 Jahren, als sie mit dem Würzburger Domchor das letzte Mal in der Sagrada war, stand vieles noch nicht, was heute vorhanden ist. Wir haben uns als Daheimgebliebene mit der Sagrada befasst und eine tolle Dokumentation über den Bau angeschaut. Man kann viel lesen und hören, etwas anderes ist es jedoch, vor Ort genau in diesem Sakralbau zu stehen und die Architektur zu erleben. Vermutlich ging es den Menschen am Übergang von der Romanik zur Gotik ähnlich: Nach gedrungenen, klaren und ruhigen Formen plötzlich eine zum Himmel beinah endlos strebende Architektur, feingliedrig, lichtbegleitet und auch ein bisschen nervös. Schaut man in der Sagrada Familia nach oben, sieht man diese grandiose Gestaltung – neben der „Malerei mit dem Licht“ durch die bunten Glasfenster ist das atemberaubend.

    Ich wünsche dir heute Momente, in denen du total begeistert bist von etwas, das dich innerlich freut, erhebt und staunen lässt, was immer das auch sein mag. Danke an Theresa für das Foto.

  • Was man braucht

    Leben allein genügt nicht, sagte der Schmetterling. Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muss man auch haben.

    Hans Christian Andersen, 1805–1875

    Stephanie hat das schöne Bild gemacht. Danke!

  • Ordnung

    Geschafft. Die beiden Bibliotheken im Haus sind durchsortiert. Zahllose Bücher haben das Haus verlassen, die Regale sind nach wie vor voll, aus zweireihig wurde teilweise einreihig.  Es gibt Titel, die überstehen jede Umzugs- und Sortieraktion, andere verlassen uns recht schnell wieder. Spannend, dass dieses Mal die Diskussionen, was bleibt und was geht, noch einen anderen Ton hatten: Wann werden wir noch dazu kommen, das Thema weiter zu vertiefen? Wir sehen auch, wie sich Schwerpunkte verändern und dass unsere Interessen seit Jahrzehnten sich ausweiten, doch dem Tenor treu bleiben.

    Diese Woche steht im Zeichen der Holunder-, Brombeer- und Apfelernte. Langweilig ist es uns also nie neben der normalen Arbeit her. Allen einen freundlichen Start in hoffentlich endlich kühlere und vor allem mal nassere Tage.

  • So fühl ich erst mein Sein

    So fühl‘ ich erst mein Sein

    Das fern vom Welten-Dasein

    In sich, sich selbst erlöschen

    Und bauend nur auf eignem Grunde

    In sich, sich selbst ertöten müsste.

    Wochenspruch aus dem Seelenkalender von Rudolf Steiner.

    Die geernteten Äpfel werden uns als Saft und Müslizutat im Winter erfreuen.

  • Zack, kaputt!

    Der Gemahl will das Dachfenster in der Praxis nach dem Lüften schließen. Ein Ruf, ich renne hoch: das Fenster hängt nur noch an einem kleinen Eckchen, der Rest schwebt über dem Kopf des Gemahls, dem Dach und der Photovoltaikanlage. Das Fenster ist superschwer, halt ein Dachliegefenster mit Rollladen drauf. Mit Mühe zerren wir es (halbwegs) zurück, schließen geht nicht mehr. Check der Fensterbauer in der Stadt. Anruf. Was für ein Glück, am gleichen Mittag kommt jemand und stellt fest – Fenster kaputt. Wir brauchen ein neues. Er sichert das Fenster, schließt und verklebt es, damit alles dicht ist, bis das neue Fenster kommt.

    Der Anblick des richtig schweren Fensters, aus den Angeln gehoben und frei schwebend über dem Dach war wenig erfreulich. Ich sah schon Dach und Photovoltaik zerschmettert, unsere Finger zerquetscht weil eingeklemmt. Jaja, ich bin ein Meister der Worst case-Szenarien. Gemahl ganz ruhig: „Das Ding zickt ja schon ne Weile, jetzt kommt ein neues Fenster, dann sind wir wieder gut aufgestellt.“ Vermutlich haben die Wespen, die dort vor Wochen reinnisten wollten, genau das auch gedacht, weil da vermutlich schon eine Lücke war. Ich atme auf, wenn das neue Fenster drin ist und wir den Rollladen umsetzen konnten, der ein echter Luxus ist und lebensrettend bei dem Sommerwetter. Ein weiterer Beitrag aus der riesigen 2026er-Reihe „Dinge, die kein Mensch hier je gebraucht hätte“. 2026 hat das Potential, da ganz weit vorne im Ranking zu liegen. Tag der Sonnenfinsternis eben. Sehr passend. Kann dann ja mal ein Fenster einfach so rausfallen (na, ganz so war es nicht, aber gefühlt, gefühlt, so war das gefühlt, ihr Lieben).

    Habt einen entspannten Freitag.

     

    2016 sah die Praxis noch ganz anders aus. Was da jedoch noch sehr gut aussah, war das Corpus delicti vom Mittwoch. Zack, kaputt.

  • Geschichte ganz nah

    Forum Romanum – Geschichte hautnah. Wie oft stelle ich mir bei solchen Fotos vor, wie das Leben damals genau an diesem Ort ausgesehen hat! Worüber haben die Menschen gelacht, geweint, gesprochen, was trugen, aßen und tranken sie? Klar wissen wir richtig viel darüber, doch an solchen Orten gedanklich mitten drin zu sein im antiken Rom ist etwas anderes.

    Danke an Theresa für das Foto!

  • Diese Tür schließt selbstständig. Eine einfache und zugleich geniale Konstruktion mit einem schweren Stein sorgt dafür, dass das geöffnete Törchen sich wieder schließt.

    Wir Menschen dürfen immer wieder lernen, Türen zu schließen gegenüber Forderungen von außen, anders gesagt: Lernen, Nein zu sagen. Am Dienstagmorgen gab es ein Mini-Nautilus, ein Reinschnuppern in unseren „Jahreskurs innere Kraft und äußere Klarheit“. Eine schöne Runde Teilnehmende waren wir und sind der Frage nachgegangen, weshalb uns ein Nein so schwerfällt, was das mit unserer Angst vor Ausgestoßensein oder nicht geliebt werden zu tun hat und mit unserer Sorge, nicht mehr gefragt zu sein. Wir haben viele Beispiele angeführt, was es uns leichter macht, Nein zu sagen. Ein Nein im Außen ist oft ein Ja zu mir selbst. Ja und nein sind ganze Sätze, wenn hinter dem Wort ein klarer Punkt kommt. Spannend fand ich, dass in der Abschlussrunde mehrfach die Aussage kam, meine These „Jedes Problem hat einen Besitzer“ sei stark hängengeblieben. Ja. Wir nehmen nur gewohnheitsmäßig anderen gern ihre Lasten ab. Dabei übersehen wir, dass das erfolgreiche Tragen einer Last und Bewältigung eines Themas stärken kann und wir mit unserer Übernahme Menschen auch langfristig schwächen können.

    2027 wird es auch wieder Minis geben, die Termine findet ihr schon auf der Homepage. Wer mit uns ab 26. 9. den Jahreskurs mitgehen mag: Herzlich gern. Alle Infos, Termine, Kosten hier: https://www.seelengarten-krokauer.de/nautilus

    Einen freundlichen Jupitertag für dich.

     

    Ansprechende Türschließlösung am Japangarten des Benediktushofs.

  • Venedig

    Venedig ist eine sonderbare Stadt, die gleichsam aus der See emporsteigt, voll Gedränges von Menschen, voll Fleiß und Betrügerei. Es ist mir lieb, dass ich sie gesehen habe.

    Theresa hat Venedig bei Konzertreisen schon einige Male gesehen und hat feine Fotos wie dieses mitgebracht. Lieben Dank dafür!