Kategorie: Allgemein

  • Gut Aussichten

    Der erste kräftige Herbstwind bläst und wirbelt mancherlei Laub herunter. Wir haben die Quitten gepflückt und werden sie in den nächsten Wochen Lage um Lage entsaften. Einige Flaschen sind schon fertig und köstlich, mit wundervoller Farbe.

    Am Wochenende werden wir uns in der Coachingausbildung noch einmal vertieft mit Ken Wilber befassen und der Arbeit mit dem Schatten. Das wird ein intensives Wochenende. Die Uhr wird zum Sonntag umgestellt, das ist schön, eine Stunde zurück zu bekommen.

    Das Auto ist aus der Werkstatt zurück, der neue Anlasser hat nicht getan, was er sollte, nun geht hoffentlich alles wieder. Die Dekubituspflaster für Bruders neueste Errungenschaft sind eingetrudelt und müssen auf eine diffizile Stelle geklebt werden, Freude pur. Er ist der Meister der Überraschungen – über Nacht.

    Letzter Gedanke heute: Bevor wir über die Notwendigkeit fliegender Autos sprechen, sollten wir über die Notwendigkeit von Mitmenschlichkeit sprechen. Wir brauchen vielleicht nicht mehr Technik, sondern mehr Miteinander, einander sehen und unterstützen, damit Wärme entsteht und das, was Thích Nhất Hạnh Interbeing genannt hat – was zwischen Menschen webt und lebt.

    Einen liebevollen Venustag.

     

    Ursula hat das wunderschöne Foto gemacht. Ist das nicht zauberhaft? Danke dir.Gu

  • Grundlegende Idee

    Wir können bei der Betrachtung des Weltgebäudes, in seiner weitesten Ausdehnung, uns der Vorstellung nicht erwehren, dass dem Ganzen eine Idee zum Grunde liege, wonach Gott in der Natur, die Natur in Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit, schaffen und wirken möge.

    Johann Wolfgang von Goethe

    In so einer Landschaft können einem durchaus solche Gedanken klarer werden. Stephanie hat das Bild in der Schweiz gemacht.

  • Ohrentage

    Krankenhausflure gehören seit meiner Kindheit zu den „bevorzugten“ Aufenthaltsorten. Einmal im Jahr ist Ohrencheck. Ich habe auf der linken Seite ein Implantat, eine sogenannte Soundbridge wegen Taubheit, im rechten Ohr reicht ein normales Hörgerät. Wie bei jeder Brücke macht Prüfung Sinn- Hörtests, Arzt, Techniker checken meine Ohren, damit ich das Gras wieder wachsen höre. Großartige Technik, die mir die hörentspannte Teilnahme am Leben möglich macht.

    Dennoch – sowie ich eine Klinik betrete, wird mir bewusst, wie viel Zeit ich als Glaskind (Geschwister eines Kindes mit Handicaps, Glas deshalb, weil man durch sie durchschaut auf das schwierigere Kind, beschreibt Kinder, die funktionieren müssen, weil die Eltern schon genug Stress haben etc.) in Kliniken verbracht habe. Zu erleben, wie ein Geschwister vor Schmerzen schreit, bei endlosen Therapien dabeisitzen zu müssen, die Kindheit in Einrichtungen zu verbringen, weil dauernd diese und jene OP/Therapie/Reha/sonstwas ansteht ist gelinde gesagt gruselig, auch wenn das Geschwisterkind nicht diesen Horror direkt körperlich erleben muss. Ich habe viel Verständnis für meine Klientinnen und Klienten, die Glas- und/oder Reservekinder sind, also als „Ersatz“ für ein verstorbenes Geschwister geboren wurden. Ich bin beides und weiß, wovon die Menschen in der Praxis sprechen. Heute kommen viele Themen hoch, die vor 50 Jahren als „ist so, gewöhn dich dran“ abgewunken wurden.

    Allen einen freundlichen Jupitertag.

    Drei Wochen nach der Ohren-OP war ich froh, dass alles gut heilen konnte.

     

  • Hören und verstehen

    Es hört doch jeder nur, was er versteht.

    Johann Wolfgang von Goethe

    In Hannover gibt es eine Skulptur, die Michael Endes „Momo“ gewidmet ist und der zauberschönen Geschichte darüber, WIE Momo zuhören konnte. Wenn ich das auch nur ansatzweise hinbekommen könnte, wäre das wundervoll, genau so mit dem Herzen zu lauschen wie Momo. Theresa hat das Foto gemacht, Dankeschön.

  • Erstaunlicher Film

    Turbulent ist das passende Wort für diese Tage. Auf allen Ebenen dehnen sich Komfortzonen. Also habe ich mir Zeit genommen, einen Film anzuschauen, der lange auf meiner Liste stand und der in der Arte Mediathek zu finden ist. Matthias Glasners Film Sterben von 2024 mit Lars Eidinger, Corinna Harfouch und vielen anderen ist herausfordernd. Er zeigt ungeschönt, was hinter vielen Haustüren geschieht und was kaum Worte findet. Ungeliebte Kinder. Sucht. Selbstzweifel bis zur Selbstaufgabe. Pflegesituationen, Krankheit und Tod, dazu ein erstaunliches Musikgerüst, das am Ende in einem Celloton verweht.

    In meiner Arbeit bin ich häufig mit dem Tod konfrontiert, sei es, weil eine schwere Erkrankung für die Wahrnehmung des Themas sorgt, Angehörige durch Pflege erschöpft sind oder es um Ängste geht. Der Tod ist uns allen bewusst, er ist nicht das, was Sorge bereitet. Es ist das ungelebte Leben, das wir bereuen werden, wenn der Tod schneller kommt als gedacht. Es sind die aufgeschobenen Wünsche, Pläne und Gedanken. Das ist dann der Moment, in dem uns jede Minute vor Augen steht, in der uns das Ende nicht bewusst war und die wir deshalb nicht lebendig waren. Es macht so viel Sinn, vom Ende her zu denken und sich die Frage zu stellen: Wie wäre meine Entscheidung, wenn ich wüsste, dass meine Zeit bald zu Ende ist? Mit wem oder was würde ich diese Zeit dann wie verbringen?

    Einen lebendigen Wochenteilungstag allen.

     

    Wie ein Tor stehen die Mauerreste zwischen den bunten Bäumen auf Stephanies Bild. Danke!

  • Blättermeer

    Der Herbstwald raschelt um mich her.

    Ein unabsehbar Blättermeer

    Entperlt dem Netz der Zweige.

    Du aber, dessen schweres Herz

    Mitklagen will den großen Schmerz:

    Sei stark, sei stark und schweige!

    Du lerne lächeln, wenn das Laub

    Dem leichteren Wind ein leichter Raub

    Hinabschwankt und verschwindet.

    Du weißt, dass just Vergänglichkeit

    Das Schwert, womit der Geist der Zeit

    Sich selber überwindet.

    Christian Morgenstern

    Ursula hat das Foto gemacht, Dankeschön!

  • ErWARTungen

    Warten ist eine Kunst in einer Zeit, in der alles overnight geschehen soll. Damit nehmen wir uns Vorfreude und die Erkenntnis, dass vieles, was gut werden soll, Zeit braucht. In der Natur lernen wir das automatisch. Bäume blühen und fruchten zugleich nur im Notprogramm, in aller Regel folgen sie jahrtausendealter Weisheit im Kreislauf von Werden und Vergehen.

    Das Tempo der Tage ist uns zu hoch – was auch an uns selbst liegen kann, weil wir uns so schnell in Hetze bringen lassen. Tempo rausnehmen bedeutet, achtsam Dinge zu tun und nicht gleichzeitig mehreres schlecht zu erledigen. Im Wort Erwartungen steckt das Warten darauf, dass jemand anderes genau das tut, was ich will. Finde den Fehler.

    Was brauchen wir? Die Erkenntnis, dass vieles im Leben wie das Besteigen eines Berges ist. Im Basislager gewöhnt man sich an Höhe und erkennt die vor einem liegende Herausforderung. Dann geht es Schritt für Schritt hinan, immer mit dem Wissen, dass Wetter zur Umkehr zwingen kann, also Äußeres nicht vorhersehbar ist und unsere Reaktion flexibel bleiben darf. Den Gipfel erreichen ist nicht nur Ziel erreicht haben, denn wir müssen es auch wieder gut zurück ins Tal schaffen, unsere Kraft also klug einteilen.

    Wenn wir den Berg als Bild nehmen für das, was zu tun ist, ist das hilfreich. Ankommen am Fuß, in kleinen sinnigen Schritten voranschreiten, Plateaus zur Pause nutzen, äußere Bedingungen und innere Fähigkeiten im Auge haben und bug out, wenn nichts mehr geht oder Gipfelsicht genießen und frohgemut wieder auf Anfang.

    Heute einen gut bewältigbaren Dienstagshügeltag dir.

     

    Stephanie hat das Foto der „blauen Berge“ in der Schweiz gemacht. Danke.

  • Baumlehre

    Die Bäume lehren uns das Warten.

    Friedrich Nietzsche

    Atemberaubende Formen in Schwarzweiß, von Stephanie stammt das Bild. Danke.

  • Neu sehen dürfen

    Unser Leben ist manchmal wie ein Geröllfeld. Jeder Schritt kann Lebensgefahr bedeuten. Jede Kurve birgt ein Risiko. Sinn des Ganzen erschließt sich nicht. Gedanken im Kreisel. Müdigkeit, Abgrund und Chaos.

    Das ist nicht selten die Ausgangslage vor einer Familienaufstellung. Entfaltet sich dann das Familiensystem vor unseren Augen, erkennen wir Zusammenhänge, Fragestellungen, getragene und übernommen Lasten, Anteile, die nicht zu uns gehören, auch wenn wir das viele Jahre genau so geglaubt haben. In der Aufstellungsarbeit werden Wege sichtbar, die unter der Oberfläche verborgen waren. Da kommt in Bewegung, was wie ein zu enges Korsett eingeschnürt hat. Da erleben wir Veränderungsimpulse, mit denen wir in Kontakt treten, manches neu sehen und damit für uns handhabbarer machen können. Für mich ist Aufstellungsarbeit in weiten Teilen gelebte Friedensarbeit. Am Wochenende durften wir das in einigen berührenden Aufstellungen wieder tief erfahren. Ich bin so dankbar, dass wir das gemeinsam erleben können.

    Allen einen guten Wochenstart in diese Woche.

     

    Mit einem Mal blitzt hinter dem steilen Aufstieg und den Felsen das Sonnenlicht hervor und macht jeden Schritt sicherer und leichter. Licht und Wärme, die beiden Helfer im Leben. Stephanie hat das Foto in der Schweiz gemacht, Danke dir!

  • Des Denkens Leuchten

    Sich selbst des Denkens Leuchten

    Im Innern kraftvoll zu entfachen

    Erlebtes sinnvoll deutend

    Aus Weltengeistes Kräftequell

    Ist mir nun Sommererbe

    Ist Herbstesruhe und auch Winterhoffnung.

    Wochenspruch aus dem anthroposophischen Seelenkalender von Rudolf Steiner.

    Stephanie hat das Foto gemacht. Aus ganzem Herzen DANKE.