Autor: Christine Krokauer

  • Eine Ehre

    Eine Ehre

    Die größte Ehre, die man einem Menschen antun kann, ist die, dass man zu ihm Vertrauen hat.

    Matthias Claudius

    1 gefällt mir Die größte Ehre, die man einem Menschen antun kann, ist die, dass man zu ihm Vertrauen hat. Matthias Claudius

  • Mal kurz versagen

    Mal kurz versagen

    Der Bruder war vier Wochen schwer krank. Letzten Dienstag die letzte Antibiose. Bis Samstag alles fein. Samstagabend bestens gelaunt. Sonntagmorgen – Horror. Fieber. Schmerzen. Mit Mühe 200 ml im Katheter. Kurze Überlegung: Krankenwagen rufen? Klinik? Erstmal Notfallmaßnahmen hier ergriffen. Blasenauflage mit Olivenöl und Eucalyptus globulus. Entkrampfungszäpfchen. Globuli. Hinlegen. Kurze Diskussion – Wärmflasche ja oder nein? An die Seite  gelegt. Er liegt eine Stunde ganz ruhig. Dann hat er die Nase voll von allem, will angezogen werden, sein Frühstück, seine Puzzles legen. Der Urinstick sagt: keine Bakterien, dafür alle anderen Werte hoch. Mittags wird es besser, abends nochmal, Montagmorgen Urinprobe ins Labor. Zu seinem chronischen Nierenversagen gibt es  eben auch akutes Nierenversagen.

    Der Sonntag war eine Herausforderung. Für ihn ist Krankenhaus der Ort der größten Angst. Die ist so tief, die können wir ihm mit nichts nehmen. Eine Fahrt im Krankenwagen löst wochenlange Infekte aus – deshalb feiern wir den ambulanten Zahnarzt und warten wir in dem Maß, in dem wir als medizinische Laien es wagen, den Zustand zu halten.

    Jemand sagt: Das ist ja doof, wenn das so schnell geht. Ja. Für ihn, denn er muss das alles bewältigen. Wir haben nicht seine Angst, nicht seinen Schmerz. Unsere Aufgabe ist es, einfach da zu sein, das Notwendige und Richtige zu tun, damit er sich aufgehoben, sicher und behütet fühlt. Update Dienstag: Gut gelaunt. Alle Werte bessern sich. Er flüstert permanent vor sich hin: Alles ist gut.

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  • Dankbarkeit

    Dankbarkeit

    Dankbarkeit ist nicht nur die größte aller Tugenden, sondern auch die Mutter von allen.

     

    Cicero, 106 v. Chr. – 43 v. Chr.

     

    Kraftquelle Goetheanumpark. Herrlich, die Rosen.

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  • Was für ein Luxus!

    Was für ein Luxus!

    Was für ein Luxus ist eine Waschmaschine in einem Haushalt mit pflegebedürftiger Person. Da fallen am Tag gut und gern zwei Maschinen Wäsche an. Netterweise hat sich letzte Woche die dicke Gummidichtung in der Tür um sich selbst gedreht und meinte, direkt ein wenig rauchen zu müssen. Zum Glück hat sie dicht gehalten. Wir haben versucht, alles an Wäsche zu reduzieren und die letzten Tage habe ich konventionell wie früher von Hand in großen Töpfen auf dem Herd gewaschen. Klar hätte ich die Wäsche auch zu Tochter oder Bruder fahren können, doch rechne ich Fahrzeit und Wartezeit, bis die Wäsche gewaschen ist, habe ich das hier selbst erledigt, wenn vielleicht auch nicht so erfolgreich. 1400 Umdrehungen beim Schleudern schaffe ich mit der Hand nicht ganz.

    Das hat mir aufgezeigt, wie krass die Hausarbeit früher war – und wir haben einen normalen Herd, also nix mit Holzhacken, Wasser schleppen und Feuermachen.

    Manchmal sind solche Momente wichtig, um vieles zu hinterfragen und froh zu sein, wenn ein Gerät funktioniert. Mir ist aufgefallen, wie viel Wäsche hier wirklich jeden Tag anfällt, wenn man den pflegebedürftigen Menschen 24/7 sauber und frisch haben möchte. Er ist auch anderes gewohnt, umso glücklicher bin ich, dass wir das jetzt für ihn anders gestalten können.

    Hurra – das Teil kam am Wochenende an und alles läuft wieder. Wäschetechnisch.

     

    Bald ist Kohlrabierntezeit.

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  • Nun ziehen die Sinne nach draußen

    Nun ziehen die Sinne nach draußen

    Mein Selbst es drohet zu enfliehen

    Vom Weltenlichte mächtig angezogen

    Nun trete du mein Ahnen

    In deine Rechte kräftig ein

    Ersetze mir des Denkens Macht

    Das in der Sinne Schein

    Sich selbst verlieren will.

    Wochenspruch aus dem anthroposophischen Seelenkalender von Rudolf Steiner

    Pflanzenmetamorphose von Christian Hitsch am Goetheanum

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  • Es liegt in deiner Hand

    Es liegt in deiner Hand

    Manchmal erklären Gesten mehr als jedes Wort. In der Eurythmie gibt es den Laut M, der mit beiden Händen und Armen geformt wird. Eine Hand schiebt nach vorne, eine Hand kommt zu dir, die Fingerspitzen sind oben. Es ist eine fließende Geste, die Hand, die zu dir kommt, wendet an dem Punkt, an dem dir die Nähe reicht und darf ins Wegschieben gehen. Es gibt viele Gedanken und Ideen zu diesem wundervollen Wassermannlaut. Ich habe ihn gestern verwendet, um jemandem zu zeigen: Du darfst entscheiden, wie nah zu etwas an dich heranlassen magst oder auch, was du jetzt erst einmal ein Stück vor dir schieben magst, weil es jetzt nicht dran ist. Es war ein tiefes Erleben: Ich habe es im wahrsten Sinn des Wortes in der Hand, ob ich etwas an mich lassen oder auf seinen Platz verweisen mag. Es sind kleine Gesten, die uns wieder die Erlaubnis erteilen, nicht in der Flut von Außen zu ertrinken, sondern uns bewusst zu positionieren und in die Klarheit zu kommen.

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  • Haustürfreuden

    Haustürfreuden

    Unverhofft kommt oft – ein wundervoller Blütenkorb kam an. Herzensdank an Anne! Freundlicher Empfang an der Haustür für die Menschen, die hierher kommen.

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  • Es geht wieder los

    Es geht wieder los

    Nach dem Fußbruch des Gemahls Anfang März gehen nun in langsamem Tempo die Innenarbeiten am Gewächshaus wieder los. Ein Beet hatten wir noch im Herbst befüllen können, jetzt kommen die beiden anderen Beete an die Reihe. Ein sorgsamer Aufbau im Hochbeet ist wichtig, auch eine gute Versorgung mit Würmern ist sinnig. Dafür haben wir Wurmtürme eingebracht mit fleißigen Helfern, damit „der Betrieb“ starten kann. Jetzt fehlen noch ein wenig Kompost und Erde, dann ziehen auch in diese Beete die Pflanzen ein und die Bewässerung wird gelegt. Danach kommt der Garten dran in dem Maß, was nach dem Bruch möglich ist. Ich bin nach zwei Minuten Garten wieder drin – die Grasmilbenallergie ist zu heftig. Da hilft auch keine Mütze, kein Neem, rein gar nichts außer: vermeide deinen eigenen Garten. Das ist schlimm, weil ich ja ein absoluter Gartenfan bin. Selbst Blumenschneiden für die Vasen im Haus bedeutet mehrfach Haarewaschen danach.

    In den nächsten Tagen stehen Veränderungen bei einem Projekt an, das uns seit langem begleitet und das wir auf neue Füße stellen werden. Folge von – wer hätte das bei uns gedacht – intensiver Auseinandersetzung mit vielen Büchern, die wir in den letzten Monaten durchgearbeitet und vielem, was wir uns angeschaut, überlegt, bedacht und geprüft haben. Die Welt verändert sich und wir uns mit.

     

    Letztes Jahr Anfang Juni sah ein Rosenbusch am Goetheanum aus wie ein Blütenvorhang.

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  • Läuft die Zeit

    Läuft die Zeit

    Eins, zwei, drei im Sauseschritt,
    läuft die Zeit, – wir laufen mit.
    Schaffen, schuften, werden älter,
    träger, müder und auch kälter.
    Bis auf einmal man erkennt,
    dass das Leben geht zu End.
    Viel zu spät begreifen viele,
    die versäumten Lebensziele:
    Freude, Schönheit der Natur,
    Gesundheit, Reisen und Kultur.
    Darum Mensch – sei zeitig weise:
    Höchste Zeit ist’s! Reise, reise!

    Wilhelm Busch, 1832-1908

    Vorfreude auf die Lavendelblüte.

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  • Schleudergang

    Schleudergang

    Krasse Tage. So viele Themen! Overload bei der Arbeit, Krebserkrankung der Mutter eines Klienten, Jobwechsel, der gar mit einem Kontinentwechsel verbunden ist – soll ich das wagen oder nicht? Persönlichkeitsveränderung des Partners durch Unfall, wie gehe ich damit um? Wo und wie finde ich Hilfe, wenn Gewalt in der Ehe im Spiel ist? Umgang mit Panikgefühlen, weil jemand vor vielen Menschen sprechen soll, Vorbereitung einer Familienaufstellung mit Konkretisierung des Themas, Stalking nach Trennung von einem Menschen mit Überwachungsneigung, wie kann ich mich schützen? Diese Tage zeigen die Bandbreite des Lebens ganz besonders.

    Auffallend: Wir verlieren in diesen Tagen das Gefühl von Sicherheit. Je lauter und chaotischer die Welt im Außen ist, desto stärker schwankt der Boden unter unseren Füßen, desto gefährlicher sind Menschen, die versuchen, uns die Welt schlicht und einfach zu erklären. Die Welt ist komplex, das ändert sich nicht mehr ins Schlichte. Es gibt keine Zweiteilung in „gut“ und „böse“.  Es gibt keine einfachen Lösungen mehr. Sicherheit finden wir in uns selbst, in unserem Herzen, das ein Löwenherz sein kann, wenn wir es ihm zutrauen. Und im klaren Nein zu jenen, die uns weismachen wollen, dass man die Welt ganz einfach einteilen kann.

     

    Wie ein magischer Zauberwald – Ursula hat diesen Ort entdeckt und fotografiert. Danke.

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