
Der Bruder war vier Wochen schwer krank. Letzten Dienstag die letzte Antibiose. Bis Samstag alles fein. Samstagabend bestens gelaunt. Sonntagmorgen – Horror. Fieber. Schmerzen. Mit Mühe 200 ml im Katheter. Kurze Überlegung: Krankenwagen rufen? Klinik? Erstmal Notfallmaßnahmen hier ergriffen. Blasenauflage mit Olivenöl und Eucalyptus globulus. Entkrampfungszäpfchen. Globuli. Hinlegen. Kurze Diskussion – Wärmflasche ja oder nein? An die Seite gelegt. Er liegt eine Stunde ganz ruhig. Dann hat er die Nase voll von allem, will angezogen werden, sein Frühstück, seine Puzzles legen. Der Urinstick sagt: keine Bakterien, dafür alle anderen Werte hoch. Mittags wird es besser, abends nochmal, Montagmorgen Urinprobe ins Labor. Zu seinem chronischen Nierenversagen gibt es eben auch akutes Nierenversagen.
Der Sonntag war eine Herausforderung. Für ihn ist Krankenhaus der Ort der größten Angst. Die ist so tief, die können wir ihm mit nichts nehmen. Eine Fahrt im Krankenwagen löst wochenlange Infekte aus – deshalb feiern wir den ambulanten Zahnarzt und warten wir in dem Maß, in dem wir als medizinische Laien es wagen, den Zustand zu halten.
Jemand sagt: Das ist ja doof, wenn das so schnell geht. Ja. Für ihn, denn er muss das alles bewältigen. Wir haben nicht seine Angst, nicht seinen Schmerz. Unsere Aufgabe ist es, einfach da zu sein, das Notwendige und Richtige zu tun, damit er sich aufgehoben, sicher und behütet fühlt. Update Dienstag: Gut gelaunt. Alle Werte bessern sich. Er flüstert permanent vor sich hin: Alles ist gut.

