
Halbe Tage gehen manchmal drauf, wenn man pflegt. Mietverlängerung für den Pflegerollstuhl, Diskussion, ob es nicht andere Windeln sein dürfen. Das zur Erkenntnis, dass das angesetzte Medikament gegen den Keim in der Blase nicht greift und wir kurz vor dem Wochenende nicht wissen, was jetzt die beste Vorgehensweise ist und hoffen, dass der Hausarzt eine Rückmeldung gibt (macht er normalerweise, was für ein Glück). All die Zeit, die ich mit Bürokratie aller Art verbringe, geht an meiner Lebenszeit ab. Wer pflegt, hat nicht allzuviel Zeit für sich selbst, wenn man berufstätig ist. Wer selbstständig ist und pflegt, muss noch zehnmal organisierter sein als nur mit Arbeit, weil an manchen Tagen jedwede Planung um Patienten herum gestrickt werden muss. Je aufwändiger die zu pflegende Person, desto komplexer wird die Angelegenheit, vor allem dann, wenn sie erkrankt. Bei all dem, was außen herum ist und wie sein gesundheitlicher Zustand wirklich ist, ist der Bruder frohgemut. Er ist dann stiller als sonst, kein Jammern, kein Klagen, mehr Stille. Er sitzt da und macht „seine Arbeit“: er baut seine Puzzles, fädelt seine Perlen auf, setzt seine Spielsachen zusammen. Es würde ihm nie einfallen, das nicht zu tun, auch wenn es ihm nicht gut geht. Er ist dankbar für alles, was wir an Hilfen geben können. Wenn er stur ist, hat er Gründe dafür (die sich mir dann durchaus später erschließen und mich staunen lassen) und sie sind niemals egoistisch. Was für ein Lernfeld. Und wie schade, dass eben nicht mehr Zeit für ihn ist, weil alle naselang jemand anderes wissen will, warum wir nicht die Superwindeln nehmen wollen. Ich hoffe, die Geduld des Bruders färbt auf mich ab.
Augenferien vom Strahlendsten, Stephanie hat das Bild gemacht. Danke!










