Kategorie: Allgemein

  • Abfärben

    Halbe Tage gehen manchmal drauf, wenn man pflegt. Mietverlängerung für den Pflegerollstuhl, Diskussion, ob es nicht andere Windeln sein dürfen. Das zur Erkenntnis, dass das angesetzte Medikament gegen den Keim in der Blase nicht greift und wir kurz vor dem Wochenende nicht wissen, was jetzt die beste Vorgehensweise ist und hoffen, dass der Hausarzt eine Rückmeldung gibt (macht er normalerweise, was für ein Glück). All die Zeit, die ich mit Bürokratie aller Art verbringe, geht an meiner Lebenszeit ab. Wer pflegt, hat nicht allzuviel Zeit für sich selbst, wenn man berufstätig ist. Wer selbstständig ist und pflegt, muss noch zehnmal organisierter sein als nur mit Arbeit, weil an manchen Tagen jedwede Planung um Patienten herum gestrickt werden muss. Je aufwändiger die zu pflegende Person, desto komplexer wird die Angelegenheit, vor allem dann, wenn sie erkrankt. Bei all dem, was außen herum ist und wie sein gesundheitlicher Zustand wirklich ist, ist der Bruder frohgemut. Er ist dann stiller als sonst, kein Jammern, kein Klagen, mehr Stille. Er sitzt da und macht „seine Arbeit“: er baut seine Puzzles, fädelt seine Perlen auf, setzt seine Spielsachen zusammen. Es würde ihm nie einfallen, das nicht zu tun, auch wenn es ihm nicht gut geht. Er ist dankbar für alles, was wir an Hilfen geben können. Wenn er stur ist, hat er Gründe dafür (die sich mir dann durchaus später erschließen und mich staunen lassen) und sie sind niemals egoistisch. Was für ein Lernfeld. Und wie schade, dass eben nicht mehr Zeit für ihn ist, weil alle naselang jemand anderes wissen will, warum wir nicht die Superwindeln nehmen wollen. Ich hoffe, die Geduld des Bruders färbt auf mich ab.

    Augenferien vom Strahlendsten, Stephanie hat das Bild gemacht. Danke!

     

  • Weltgeheimnis

    Herbstlich sonnige Tage,
    mir beschieden zur Lust,
    euch mit leiserem Schlage
    grüßt die atmende Brust.

    O wie waltet die Stunde
    nun in seliger Ruh′ !
    Jede schmerzende Wunde
    schließet leise sich zu.

    Nur zu rasten, zu lieben,
    still an sich selber zu baun,
    fühlt sich die Seele getrieben
    und mit Liebe zu schaun.

    Jedem leisen Verfärben
    lausch ich mit stillem Bemühn,
    jedem Wachsen und Sterben,
    jedem Welken und Blühn.

    Was da webet im Ringe,
    was da blüht auf der Flur,
    Sinnbild ewiger Dinge
    ist′ s dem Schauenden nur.

    Jede sprossende Pflanze,
    die mit Düften sich füllt,
    trägt im Kelche das ganze
    Weltgeheimnis verhüllt.

    Emanuel Geibel, 1815–1884

    Herrlich dazu Stephanies Bild von einer Wanderung in der Schweiz. Danke!

  • Es gibt halt so Tage …

    Manche Tage erscheinen uns wenig erfreulich, zu viel stürmt auf uns ein, nichts scheint zu funktionieren, das Leben zeigt eine lange Nase, wir fühlen uns einfach nur ausgelaugt.

    Ja, genau so ist es immer wieder. An solchen Tagen darf man wütend, müde, meckerig, jammernd und nölend sein, alles bescheuert finden und meinen, das Leben sei doch wirklich hart und ungerecht. Bei genauerem Hinschauen leiden wir  weniger an dem, was tatsächlich ist, sondern eher an der Tonspur, die dazu in den Köpfen abläuft. Da rattern Vergleiche (bei anderen klappt es doch auch), Wahrnehmungen (Halsweh hab ich auch noch), Geschichten (war ja klar, wenn ich mal durchstarten will, sind die Kinder/der Partner krank, bekomme ich den Startkredit nicht …) und Kritik (was denkst du, wer du bist? Vergiss es mal, lass das mal Menschen machen, die Ahnung haben).

    Wenn es uns, vielleicht am Ende des Tages, gelingt, in einer ruhigen Einheit zu reflektieren, was wirklich war und welchen Film unser Kopf daraus gemacht hat, können wir diesen Tag als „war nicht so ganz mein Tag heute“ leichter ablegen und am nächsten Tag neu starten.

    Gute Nerven allen mit einem bad hair day, Gelassenheit und Ermutigung – nichts bleibt, wie es ist. Allen anderen einen fröhlichen Jupitertag.

    Licht und Schatten – Stephanies Foto zeigt, dass wir manchmal im dunklen Wald vor lauter Bäumen das bisschen Licht kaum mehr sehen können. Wie schön, wenn wir es dann entdecken. Dankeschön!

  • Was ist der Mensch

    Aber der Mensch ist nicht ein stehenbleibendes Wesen, er ist ein Wesen im Werden. Und je mehr er sich selbst in die Möglichkeit versetzt, zu werden, desto mehr erfüllt er gewissermaßen hier im physischen Lebenslaufe schon seine wirkliche Aufgabe.

    Rudolf Steiner

    Stephanie hat das faszinierende Foto gemacht. Danke!

  • Cardea

     

    Eines meiner absoluten Lieblingsbilder ist dieses Foto von Rebecca. Es erinnert mich an die Tagesschwellen, die wir aus dem Bewusstsein verloren haben – die Dämmerung am Morgen und am Abend. Früher waren Zeiten des Ein- und Ausatmens, der Einstimmung auf den Tag und des Lösens von den Lasten desselben. Überhaupt fehlen uns die Schwellen nicht nur zwischen Räumen, wie es einst üblich war. Wollte man von einem Raum in den anderen, musste man eine Schwelle bewusst überschreiten, damit man nicht stürzt. Im antiken Rom war Cardea eine der Schwellengöttinnen, weshalb wir unsere Ausbildungen unter ihren Schutz und Namen gestellt haben. Sowohl in der Therapie als auch im Coaching verlassen wir alte, nicht mehr stärkende Räume und betreten neue, die wir erst gestalten dürfen. In der Therapie verweilen Klienten oft eine gute Zeit auf der Schwelle, ehe sie Schritte wagen. Für mich ist der Schwellenbereich der Entscheidungsbereich, in dem ein Mensch in der Krise zur Katharsis kommt und sich für das neue Leben entscheidet. Bewusst die Schwellen wahrnehmen, Momente des Innehaltens, des Atmens, der Bewusstwerdung: ich lasse jetzt etwas Altes hinter mir und beginne Neues.

    Am Wochenende werden wir das hier gemeinsam tun und du bist von Herzen dazu eingeladen: Wir starten den neuen Jahreskurs „Innere Kraft und äußere Stärke“ am Samstagmorgen, am Sonntag werden die angehenden Cardea-Therapeuten ihren ersten Extramodultag haben. Du willst mehr wissen? Hier findest du alle Infos: https://www.seelengarten-krokauer.de/nautilus

    Danke an Rebecca für das Foto!

  • Hier und Jetzt

    Laufe nicht der Vergangenheit nach und verliere dich nicht in der Zukunft. Die Vergangenheit ist nicht mehr. Die Zukunft ist noch nicht gekommen. Das Leben ist hier und jetzt.

    Buddha

    Ayurvedische Kartoffelplätzchen im Hier und Jetzt sind auch nicht übel.

  • Kennst du deine Bestimmung?

    In meiner Jackentasche sind ein paar Eicheln mit Hütchen vom letzten Friseurbesuch. Ein riesiger Eichenbaum steht im Garten der Friseurin, ich nehme jedes Jahr ein paar dieser zauberschönen Eicheln mit.

    Bäume können uralt werden und sie beginnen mit einem Samen. Die Eichel weiß, dass aus ihr kein Radieschen werden wird. Der Spinatsamen, den wir neulich gesät haben, wird kein Feldsalat. Aus einem Hühnerei schlüpft kein Truthahn. Alles kennt seine Bestimmung und nimmt sie wie selbstverständlich an. Wir Menschen tun uns schwerer damit. Wir wollen nicht die sein, die wir sind oder kämpfen mit der Umwelt, um genau die sein zu dürfen, die wir sein wollen. Unser Sinn ist uns oft (schmerzhaft) nicht bewusst. Eine Katze denkt vermutlich nicht darüber nach, weshalb sie auf der Erde weilt. Im Herbst werden wir mit einzigartiger Farbenvielfalt in der Natur beschenkt. Kein fallendes Blatt schert sich darum, ob es so aussieht wie alle anderen, jedes segelt vom Baum in seinem einzigartigen Tanz.

    Im Nautilusprojekt machen wir ein Jahr nichts anderes, als uns daran zu erinnern, wer wir wirklich sind, was unser Dasein für den Planeten bedeuten kann und lernen uns tief in unseren unbekannten Seiten kennen. Wir trainieren Kommunikation und Gelassenheit, Geduld und haben viel zu lachen. Es ist eine Reise in uns hinein, um dann gestärkt hinaus in die Welt zu gehen. Vielleicht mit einem kecken Hütchen wie die Eichel, vielleicht mit einem Flügel wie der Ahorn – auf jeden Fall gestärkt. Komm gern zum Kickstart am Samstag, hier hast du alle Infos: https://www.seelengarten-krokauer.de/nautilus/

     

    Ursula hat das Bild gemacht, lieben Dank!

  • Dass mir so die Seele leuchte

    Sieh, des Herbstes Geisteshelle
    klärt und adelt die Gelände;
    Erdenbreiten, Himmelswände
    kost dieselbe lautre Welle.

    O du glückversunken Säumen,
    eh die Sommerfarben sterben!
    O du letztes Liebeswerben
    aus den unbegriffnen Räumen!

    Dass mir so die Seele leuchte,
    wann ich einst des Winters werde!
    Und in meines Auges Feuchte
    spiegelt sich der Schmelz der Erde.

    Christian Morgenstern

    Danke an Ursula für das schöne Bild.

  • Was alles in ein Wochenende passt

    Die Therapeuten sind kraftvoll in ihre Ausbildung gestartet. Das ist wunderbar. Wir haben das Glück, dass erfahrene Therapeutinnen als Mentorinnen in der Gruppe mit dabei sind, Halt und Sicherheit geben, den Raum für Übungen und vieles mehr mithalten und tragen. Das ist eine ausgezeichnete Mischung. Erste Schritte in der systemischen Arbeit sind wir gegangen. Das werden spannende Monate.

    Nun bin ich neugierig, wie der Start der Teilnehmenden im neuen Nautiluskurs am Samstag sein wird. Auch hier treffen Mentorinnen und Mentoren aus früheren Ausbildungen auf die Beginnenden und gehen gemeinsam den Weg. Am nächsten Sonntag ist schon das erste Extramodul zum Thema „Was sind Systeme“ für die Therapeuten am Start, auch das wird ein für mich wichtiger Tag, denn Zukunft ist viel stärker systemisch ausgerichtet.

    Neben dem Positiven erleben wir derzeit wieder Gesundheitsprobleme mit dem zu pflegenden Bruder. Kaum haben wir durchgeatmet nach der letzten dreimonatigen Odyssee auf der Suche nach Auswegen aus einer Infektkette, nun ging es abermals los. Bei allem geht es ihm soweit gut, das ist erstaunlich, wie zufrieden Menschen trotz gravierender gesundheitlicher Probleme sein können. Es sind Learnings auf vielen Ebenen. Für mich als Pflegende und Mensch eine Herausforderung, die mich als Person verändert ebenso wie meine Sicht auf das Leben und die Welt. Leben ist kostbar und fragil. Es in der Arbeit mit Menschen wieder lebenswert machen, gehört zu meinem Alltag. Meinen Bruder kann ich begleiten und unterstützen, doch keine Wunder wirken. Grenzen machen auch demütig.

     

    Liebevoll geehrter Buddha am Benediktushof.Wochen

  • Ich darf nun mir gehören

    Ich darf nun mir gehören

    Und leuchtend breiten Innenlicht

    In Raumes- und in Zeitenfinsternis.

    Zum Schlafe drängt natürlich Wesen

    Der Seele Tiefen sollen wachen

    Und wachend tragen Sonnengluten

    In kalte Winterfluten.

    Der Wochenspruch aus dem anthroposophischen Seelenkalender von Rudolf Steiner.

    Stephanie hat in der Schweiz fotografiert. Herzensdank.