Konfliktpotentiale

                     

Am Sonntag hat sich der Bruder Waffeln gewünscht. Mit Apfelmus und roter Grütze. Und das, obwohl er mir am Samstag schon Pilze mit Nudeln abgeschwatzt hat. Er hat es gefeiert und wir waren dankbar, dass wir ein Doppel-Waffeleisen haben, sonst wäre das eine Tagesaktion geworden. Menschen pflegen und begleiten bedeutet manchmal auch, Lebensfreude über Zuckerwerte zu stellen, wobei das kein Thema mehr ist, weil er richtig gut eingestellt ist.

Dennoch waren in diesen Tagen die Themen Streichung von Verhinderungspflege und Pflegehilfsmittel sowie Entlastungsbetragsänderungen Diskussionspunkt. Wenn man jemanden pflegt, der nicht 08/15 versorgt wird, sondern achtsam mit Ernährung, Medikamenten und anderem umgeht, auf einen stabilen Rhythmus, klare Strukturen und Konsequenz achtet, ist vieles eine freiwillige Leistung. Damit jemand, der mit Lähmung nicht immer einfach anzuziehen ist, dennoch ordentlich gekleidet ist, braucht er mehr Kleidung als nicht gehandicapte Menschen, weil der Verschleiß nicht zuletzt durch viel mehr Waschnotwendigkeit sehr hoch ist. Möchte ich anregende Beschäftigung, muss ich mir richtig viel einfallen lassen. All das kostet gigantisch viel Zeit und Geld. Da Zeitfenster weniger sind durch die Pflege, begrenzt das naturgemäß Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Ab hier wird es dann ungerecht. Dazu kommen Aussagen wie „Gib ihn doch ins Heim, wie kann man seinen Bruder pflegen.“ Ethisch-moralische Konflikte lassen sich nicht für alle Seiten zufriedenstellend lösen.


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