Im wahrsten Sinne des Wortes berührend

„Früchte der anthroposophischen Pflege inmitten der medizinischen Bewegung“ – hinter dem leicht sperrigen Titel verbirgt sich ein wundervoller Vortrag von Michaela Schnur und Christoph von Dach, den man auf der Seite von goetheanum.tv entdecken kann über die Geschichte der anthroposophischen Pflege, die eng mit dem Namen Ita Wegmans verbunden ist. Man lauscht, staunt und hat Freude – was für wundervolle pflegerische Dinge werden entwickelt bis hin zur Stirn-Fünfsterneinreibung. Für mich gehört Pflege zum Alltag und weil ich Pflege nicht gelernt habe, sondern nur 57 Jahre Erfahrung im Umgang mit dem Bruder habe, begeistert mich das Thema sehr. Deshalb lese und erarbeite ich mir schon seit vielen Jahren alles, was man in diesem Bereich lernen kann (bis es hybride Schulungen im Bereich anthroposophische Pflege auch für „Alltagspflegende“ geben wird). Jeden Sonntagabend bekommt der Bruder eine klingende Fußwaschung in unserer riesigen Emailleschüssel – das tropfende Wasser auf dem Material beruhigt, das Wasser ist warm und sorgt für Entspannung, das Lavendelbad duftet und tut pflegender und gepflegter Person gut. Wickel und Auflagen sind Geschenke für Kranke. Unsere Kinder wurden rundum gewickelt je nach Notwendigkeit. Auflagen habe ich sehr schätzen gelernt. In der Kneippausbildung gab es den Satz „Anwendung ist Zuwendung“. Pflege bedeutet für mich, dem Menschen, der sie bekommt, den Alltag zu erleichtern, zu lindern, wo es machbar ist, Zuwendung zu geben und Fürsorge spürbar werden zu lassen, ohne überzustülpen.

Pflege ist zutiefst menschlich. Egal, wie fit Roboter werden – das Zwischenmenschliche, das auf anderen Ebenen wirkt, ersetzen sie nicht. Pflege bedeutet Achtsamkeit im Alltag, Respekt vor der Wesenheit des darauf angewiesenen Menschen und im Sinne Gibrans: „Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe.“

 

Einen schönen Start in diese erste Oktoberwoche mit diesem Foto aus dem Goetheanum.


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