
Für Menschen mit Behinderung und Pflegestufe 5, die Vorlagen tragen, ist die Hitze schwer zu verkraften. Fünf Antibiotikabehandlungen liegen hinter uns seit 14. April, seit Montag kein Medikament mehr, dafür zunehmende Hitze. Für meinen Bruder mit nur einer Niere, Bluthochdruck und vielem anderem mehr, der aufgrund seines geistigen Handicaps viele Dinge nicht nachvollziehen kann, schwierig. Damit er sein offenes Knie nicht vom Verband befreit und die Wunde weiter aufreißt, hat er nachts einen dünnen Schlafsack an. Heute Nacht das erste Mal ohne, das geht bei den Temperaturen nicht mehr. Also jede Stunde Kontrollgang. Er sitzt die gesamte Nacht aufrecht im Bett und schwitzt. Zweimal in der Nacht komplett abgewaschen, zu trinken gegeben und getröstet, dass es wieder kühler wird. Tagsüber dreimal am Tag einen querschnittgelähmten Menschen abwaschen wegen Hitze, einpudern, damit Haut nicht auf Haut reibt, mit Zitronendeo versorgen und sich dauernd was einfallen lassen, damit er doch was trinkt – derzeit ein Vollzeitjob on top. Dass er jetzt viel Obst und Salate essen soll, geht noch, weil er ein Obst-, Gemüse- und Salatgenießer ist. Nur müssen wir auch permanent den Zuckerspiegel im Auge haben und jonglieren zwischen Hibiskustee und Zitronenmelisse-Basilikum im Wasser. Soweit ich es beurteilen kann, geht es ihm gut. Zum Glück. Wir möchten uns nicht vorstellen, wie es gerade Menschen geht, die kein versorgendes Umfeld haben. Dann ist das derzeit durchaus tödlich. Mögen alle gut durch die Hitze kommen, vor allem jene, die Menschen pflegen und begleiten, in Kliniken, Heimen und allen, die als Helfer Uniformen tragen wie Rettungssanitäter, Notärzte und viele andere. Respekt für eure Arbeit.
Morbider Charme am See, von Ursula fotografiert. Danke dir!

