Kategorie: Allgemein

  • Der Eisklassiker

    Vom Büblein auf dem Eise

    Gefroren hat es heuer

    noch gar kein festes Eis.

    Das Büblein steht am Weiher

    und spricht zu sich ganz leis:

    »Ich will es einmal wagen,

    das Eis, es muss doch tragen.

    Wer weiß!«

    Das Büblein stapft und hacket

    mit seinem Stiefelein.

    Das Eis auf einmal knacket,

    und krach! schon bricht’s hinein.

    Das Büblein platscht und krabbelt,

    als wie ein Krebs und zappelt

    mit Arm und Bein.

    »O helft, ich muss versinken

    in lauter Eis und Schnee!

    O helft, ich muss ertrinken

    im tiefen, tiefen See!«

    Wär‘ nicht ein Mann gekommen –

    der sich ein Herz genommen,

    o weh!

    Der packt es bei dem Schopfe

    und zieht es dann heraus,

    vom Fuße bis zum Kopfe

    wie eine Wassermaus.

    Das Büblein hat getropfet,

    der Vater hat’s geklopfet

    zu Haus.

    Friedrich Güll, 1827

    Stephanie hat das Bild gemacht, herzlichen Dank!

  • Der Wurm drin

    Vorgestern war vielfach ein krasser Tag. Unfälle, Stürze, Trennungen. Als wäre kollektiv der Wurm drin. Manches hat Vorgeschichten wie bei Trennungen, manches liegt am Blitzeis, manches ist einfach richtig schiefgelaufen. Allen, die in diesen Tagen stürzen oder durch das Wetter Leid erleben – gute Besserung. Es macht mehr Sinn als sonst, gut auf den Weg zu achten und Dinge, die nicht notwendig sind, auch mal sein zu lassen.

    Was eher weniger Sinn macht, ist mediale Panikmache. In meiner Kindheit (im Taubertal) gab es Winter mit Schnee und Eis, Thermohosen waren so unbekannt wie beheizbare Sohlen, Stiefel nie wasserdicht. Wir wussten, dass man bei Eis dicke Socken oder Lappen um die Schuhe macht, wenn man unbedingt rausmusste, die Erwachsenen haben sich am Wetter direkt orientiert. Geht so: Tür auf, rausschauen, mit dem Fuß vorsichtig antasten und entscheiden – drinbleiben, langsam fahren oder „geht scho“. Vermeiden, was nicht notwendig ist, achtsam, langsam und rücksichtsvoll, wenn man draußen unterwegs ist. Gute Genesung und Lösungen allen, die in diesen Tagen aus vielerlei Ecken Schlimmes erleben.

    Manche Seen frieren langsam zu. Sigrid hat das Foto gemacht. Dankeschön.

  • Zwischen Traum und Tag

    Zwischen Traum und Tag mit einer Tasse Tee am Fenster stehen und die unglaublichen Ausblicke in die Natur genießen – Sigrid hat dabei dieses wunderschöne Foto gemacht. Hab heute immer wieder Momente des Durchatmens. Danke an Sigrid für das Bild!

  • Suppenkasper

    Manchmal muss es ein Teller guter Suppe sein. Wenn es draußen kalt ist und man vom Schneeschippen ins Warme kommt, tut ein Eintopf richtig gut. Im Winter gibt es fast jeden Abend Gemüsesuppe bei uns, weil es wärmt, schmeckt und es gemütlich ist, am Esstisch zu sitzen und sich zu freuen über Lauch, Sellerie, Wurzelpetersilie, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Karotten, Petersilie, Topinambur, ein wenig Kurkuma und Ingwer. Mal mit Gerstengraupen, mal mit Grieß, mal mit Backerbsen. Jedes Land hat seine Suppenspezialitäten. Wir sind richtige Suppenfans mit den Jahren geworden. Ja, es macht Arbeit, Gemüseschnippeln kann jedoch auch eine Form der Achtsamkeit und des Abschaltens sein.

    Theresa hat diesen Suppenteller in Schweden serviert bekommen. Guten Appetit.

  • Beherrschung

    Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen.

    Albert Schweitzer

    An Orten wie diesem in Schweden zeigt sich die Natur in unglaublicher Schönheit. Danke an Theresa für das Foto!

  • Worauf freust du dich heute?

    Worauf freust du dich in dieser Woche? Hast du genügend Sachen, die dich stärken? Das ist für jeden Menschen etwas anderes – die einen erholen sich beim Sport, die anderen stricken Socken, wieder andere finden ihre Erfüllung, indem sie etwas für andere Menschen bewirken. Auch unsere Arbeit, wenn sie sinnstiftend und erfüllend ist, kann uns in unsere Mitte und Kraft bringen! Was dich stärkt, ist hilfreich. Und wenn gerade keine Zeit für irgendwelche guten Projekte da zu sein scheint – ein paar Minuten in der Sonne mit einer Tasse Tee stehen ist ein erster guter Schritt.

    Einen guten Start in die dritte Januarwoche!

     

    Winterbild von Manuela. Dankeschön!

  • Menschenliebe und Menschenwerke

    Der Seele Schaffensmacht

    Sie strebet aus dem Herzensgrunde

    Im Menschenleben Götterkräfte

    Zu rechtem Wirken zu entflammen

    Sich selber zu gestalten

    In Menschenliebe und im Menschenwerke.

    Wochenspruch aus dem anthroposophischen Seelenkalender von Rudolf Steiner.

    Manuela hat das beeindruckende Foto gemacht. Dankeschön!

  • Der jährliche Irrsinn

    Ich sitze über dem jährlichen Betreuungsbericht, suche Unterlagen für das Sozialamt zusammen und lese, dass die Windeln, die jahrelang gepasst haben, nicht mehr lieferbar sind und wir uns mit Ersatz befassen müssen. Was der Verwaltungsaufwand für einen schwerstbehinderten Menschen an Zeit frisst glaubt einem keiner. Mindestens zwei bis drei volle Tage im Monat gehen für Ämterangelegenheiten, Warteschleifen und anderes drauf, was nervt und dem Bruder an Zeit für seine Bedürfnisse fehlt (von meinen gänzlich abgesehen). Pflege hat Anteile, die nichts mit dem Alltag (der ist ohnehin krass) zu tun haben und on top kommen. Als ob eine Querschnittlähmung über Nacht schwindet, das geistige Fassungsvermögen Level Kleinstkind Uniniveau erreichen würde – ich muss es ständig neu bestätigen. Wir zementieren Pathologisches, anstatt den Alltag zu erleichtern durch Windeln, die weder scheuern noch Allergien auslösen, die richtige Größe haben. Ich wünsche mir Unternehmen, die für Menschen mit unüblichem Körperbau (oben Sumo, unten dünn) und Spezialwünschen (nicht eng am Hals, bequem zum Schlupfen, dehnbar ohne Ende, hautfreundliche Stoffe und leicht zu pflegen) Kleidung herstellen. Hilfen wie: Wer kennt vor Ort einen ambulanten Zahnarzt, der auf Menschen mit geistiger Behinderung und Panik vor Ärzten eingeht? Wie bewege ich jeden Tag einen Menschen, der sich nicht bewegen mag und nur begrenzt kann? Das wäre Hilfe. Der Rest ist Behinderung von Menschen mit Behinderung und jenen, die sie sehr liebhaben, pflegen und vor lauter Bürokratie und weil sie „nebenher“ auch noch einen Beruf und vielleicht ein Leben hätten, nicht (freundlich) antworten können auf die Frage: „Hast du dich am Wochenende erholt?“ Nee, hab ich nicht, weil ausschlafen in der Pflege ein Traum ist. Was ich habe: Einen fein aufgestellten durchgeknuddelten Bruder, der zwei neue Lieder kann und ein Stück mehr Vertrauen hat, dass die Welt doch gut sein kann.

    PS Falls wer megamollige gemütliche Schlafsäcke handgenähte für Menschen mit Handicap braucht, hier nach drei Jahren Suche das Resultat https://www.re-naht.de/

    Beate war im Schnee unterwegs (sturmfrei) und hat das Foto mitgebracht. Danke!

  • Vorfreude

    Man muss immer etwas haben, worauf man sich freut.

    Eduard Mörike

    Danke an Stephanie für das Winterfoto!

  • Wegschieben

     

     

     

    Wetterchaos. Ich bitte die Klientinnen und Klienten, Termine aus Sicherheitsgründen ausnahmsweise online zu machen. Die meisten sind froh, andere sagen: „Das wird schon nicht so schlimm. Es wird doch gestreut.“

    Wir schieben Dinge weg, die unangenehm sind. Wir glauben, dass irgendwer für unsere Sicherheit sorgen muss (und das auch tut). Wir leben, als gäbe es kein morgen. Wetter, Stomausfall in Berlin, Weltlage und Postpandemie – was lernen wir daraus? Business as usual, ohne Stille, um nachzudenken. Dass diese Ereignisse aufzeigen, wo es klemmt, dringend Handlungsbedarf besteht, ist unbequem, also weg damit, Urlaub in der Sonne buchen ist wichtiger, solange es noch geht.

    Menschen sind großartig, kreativ, hilfreich, sozial und liebenswert im Kern, intelligent, wenn sie nicht das Gehirn dank ihrer Taschenkobolde in eine Ablenkungswüste verwandeln und das Herz dabei vergessen. Was ist notwendig, damit wir uns um Lösungen und angemessenen Umgang mit dem, was ist, bemühen, anstatt wegzuschauen, zu flüchten, Angst zu nähren oder das blinde Vertrauen zu füttern, dass irgendwer die Welt rettet?

    Einen freundlichen Venustag allen und sichere Wege für jeden, der draußen unterwegs sein muss. Möge jeder gesund nach Hause kommen.

    Klarheit – Schwarzweißfotos wie dieses von Stephanie schaffen das. Danke dir fürs Foto!