
Eine Klientin berichtet über ihre Kindheit. Sie erzählt, wie schlimm es für sie als Kind war, Lebertran einnehmen zu müssen, weil sie so ausgezehrt war. Allein die Geruchserinnerung löst bis heute Übelkeit in ihr aus. Vermutlich teilt sie diese Erfahrung mit vielen gleichaltrigen. Lebertran galt als Nonplusultra in den Monaten mit R. Daran muss ich im Basler Pharmaziemuseum denken, wenn ich einen der „barmherzigen Samariter“ sehe – Hilfsmittel, die durchdacht in der Technik waren, um Patienten das Leiden zu erleichtern. Eines davon ist dieser Lebertranlöffel mit Deckel, damit man den Geruch nicht einatmen muss. Wollte das Kind den Tran nicht nehmen, konnte man in den Griff blasen und damit den Lebertran mit Schwung ins Kind befördern (sensible Kinder machten das sofort im Rückwärtsgang obsolet).
Vielleicht muss es nicht unbedingt Lebertran sein und vermutlich auch nicht die Mengen an Nahrungsergänzungsmitteln, die Hersteller beglücken. Die Erinnerung daran, dass viele unserer Heilmittel am Rand unseres Alltags einladend auf uns warten, sei gestattet. Jetzt kommen gerade die Hagebutten überall vor unsere Augen, Juckpulver für die Jugend, großartige Vitaminquelle für alle. In wenigen Wochen, wenn die Quitten entsaftet werden, kann man Hagebuttenmark mit Quittenmus vermengen und daraus köstliche Quittenwürfel machen. Der Herbst ist mit seinem Ernteangebot voller Kraft, damit wir für die kalte Jahreszeit gerüstet sind.

