Autor: Christine Krokauer

  • Der jährliche Irrsinn

    Der jährliche Irrsinn

    Ich sitze über dem jährlichen Betreuungsbericht, suche Unterlagen für das Sozialamt zusammen und lese, dass die Windeln, die jahrelang gepasst haben, nicht mehr lieferbar sind und wir uns mit Ersatz befassen müssen. Was der Verwaltungsaufwand für einen schwerstbehinderten Menschen an Zeit frisst glaubt einem keiner. Mindestens zwei bis drei volle Tage im Monat gehen für Ämterangelegenheiten, Warteschleifen und anderes drauf, was nervt und dem Bruder an Zeit für seine Bedürfnisse fehlt (von meinen gänzlich abgesehen). Pflege hat Anteile, die nichts mit dem Alltag (der ist ohnehin krass) zu tun haben und on top kommen. Als ob eine Querschnittlähmung über Nacht schwindet, das geistige Fassungsvermögen Level Kleinstkind Uniniveau erreichen würde – ich muss es ständig neu bestätigen. Wir zementieren Pathologisches, anstatt den Alltag zu erleichtern durch Windeln, die weder scheuern noch Allergien auslösen, die richtige Größe haben. Ich wünsche mir Unternehmen, die für Menschen mit unüblichem Körperbau (oben Sumo, unten dünn) und Spezialwünschen (nicht eng am Hals, bequem zum Schlupfen, dehnbar ohne Ende, hautfreundliche Stoffe und leicht zu pflegen) Kleidung herstellen. Hilfen wie: Wer kennt vor Ort einen ambulanten Zahnarzt, der auf Menschen mit geistiger Behinderung und Panik vor Ärzten eingeht? Wie bewege ich jeden Tag einen Menschen, der sich nicht bewegen mag und nur begrenzt kann? Das wäre Hilfe. Der Rest ist Behinderung von Menschen mit Behinderung und jenen, die sie sehr liebhaben, pflegen und vor lauter Bürokratie und weil sie „nebenher“ auch noch einen Beruf und vielleicht ein Leben hätten, nicht (freundlich) antworten können auf die Frage: „Hast du dich am Wochenende erholt?“ Nee, hab ich nicht, weil ausschlafen in der Pflege ein Traum ist. Was ich habe: Einen fein aufgestellten durchgeknuddelten Bruder, der zwei neue Lieder kann und ein Stück mehr Vertrauen hat, dass die Welt doch gut sein kann.

    PS Falls wer megamollige gemütliche Schlafsäcke handgenähte für Menschen mit Handicap braucht, hier nach drei Jahren Suche das Resultat https://www.re-naht.de/

    Beate war im Schnee unterwegs (sturmfrei) und hat das Foto mitgebracht. Danke!

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  • Vorfreude

    Vorfreude

    Man muss immer etwas haben, worauf man sich freut.

    Eduard Mörike

    Danke an Stephanie für das Winterfoto!

    gefällt mir Man muss immer etwas haben, worauf man sich freut. Eduard Mörike Danke an Stephanie für das Winterfoto!

  • Wegschieben

    Wegschieben

     

     

     

    Wetterchaos. Ich bitte die Klientinnen und Klienten, Termine aus Sicherheitsgründen ausnahmsweise online zu machen. Die meisten sind froh, andere sagen: „Das wird schon nicht so schlimm. Es wird doch gestreut.“

    Wir schieben Dinge weg, die unangenehm sind. Wir glauben, dass irgendwer für unsere Sicherheit sorgen muss (und das auch tut). Wir leben, als gäbe es kein morgen. Wetter, Stomausfall in Berlin, Weltlage und Postpandemie – was lernen wir daraus? Business as usual, ohne Stille, um nachzudenken. Dass diese Ereignisse aufzeigen, wo es klemmt, dringend Handlungsbedarf besteht, ist unbequem, also weg damit, Urlaub in der Sonne buchen ist wichtiger, solange es noch geht.

    Menschen sind großartig, kreativ, hilfreich, sozial und liebenswert im Kern, intelligent, wenn sie nicht das Gehirn dank ihrer Taschenkobolde in eine Ablenkungswüste verwandeln und das Herz dabei vergessen. Was ist notwendig, damit wir uns um Lösungen und angemessenen Umgang mit dem, was ist, bemühen, anstatt wegzuschauen, zu flüchten, Angst zu nähren oder das blinde Vertrauen zu füttern, dass irgendwer die Welt rettet?

    Einen freundlichen Venustag allen und sichere Wege für jeden, der draußen unterwegs sein muss. Möge jeder gesund nach Hause kommen.

    Klarheit – Schwarzweißfotos wie dieses von Stephanie schaffen das. Danke dir fürs Foto!

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  • Alles ist Maya

    Alles ist Maya

    So viele unserer Wahrnehmungen sind allein Gaukeleien der Sinne und ohne Bezug zur Realität.

    Nicola Tesla

    Danke an Stephanie für das feine Winterbild!

    gefällt mir So viele unserer Wahrnehmungen sind allein Gaukeleien der Sinne und ohne Bezug zur Realität. Nicola Tesla Danke an Stephanie für das feine Winterbild!

  • Was uns gesund macht – Einladung zum Mini-Nautilus

    Was uns gesund macht – Einladung zum Mini-Nautilus

    Salutogenese fragt nach der Entstehung von Gesundheit. Gesundheit hat viele Wurzeln, neben der Genetik ist der Lebensstil wesentlich. Jede Wahl, die ich für oder gegen meine Gesundheit treffe, entscheidet, wie es mir geht. Es ist weniger schwaches Durchhaltevermögen, wenn Neujahrsvorsätze nicht langfristig umgesetzt werden, sondern tief liegende Überladung des Systems. Statt Aktionismus sind Pause, Regulation, Schlaf und Natur angesagt. Salutogenese beschreibt das Kohärenzgefühl, wenn wir in einer Situation Sinn erkennen, sie für bewältigbar halten und Verständnis entwickeln können. Wir haben mehr Schlüssel zur eigenen Gesundung in der Hand als wir meinen. Erster Schritt wäre: Innehalten. Einfach wahrnehmen, was gerade in dir ist. Bedürfnis nach Schlaf? Nach einem Spaziergang? Einer Tasse Tee, in Ruhe getrunken oder nach Action, Herausforderung? Nimmst du dich überhaupt wahr? Oder anders – nimmst du dich ernst? Wenn du Lust auf das Thema Salutogenese hast, schau mal: Am Dienstag, 13. 1., kannst du von 10 bis 11.30 Uhr, das Nautilusprojekt im ersten „Nautilus-Mini“ kostenfrei kennen zu lernen. Wir haben vier Termine mit ausgewählten Themen aus dem Kurs, so dass du ein bisschen reinspüren kannst, was wir in diesem Jahr miteinander machen. Thema: „Life Empowerment: Mit Salutogenese das Lebensschiff besser steuern“, kostenfreie Anmeldung hier: http://www.seelengarten-krokauer.de/#minis

    Einen wunderschönen Jupitertag für dich!

    Anna war letztes Jahr in den Vogesen wandern war und hat das tolle Foto mitgebracht. Danke dir!

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  • Schnell sein

    Schnell sein

    Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt, auch nicht die intelligenteste, sondern diejenige, die am schnellsten auf Veränderungen reagiert.

    Charles Darwin

    Wir haben viel Luft nach oben. Natur macht uns vor, wie es geht: Eine starke Gemeinschaft, die sich gegenseitig schützt und trägt, ist die beste Voraussetzung für Lebensfreude.

    gefällt mir Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt, auch nicht die intelligenteste, sondern diejenige, die am schnellsten auf Veränderungen reagiert. Charles Darwin Wir haben viel Luft nach oben. Natur macht uns vor, wie es geht: Eine starke Gemeinschaft, die sich gegenseitig schützt und trägt, ist die beste Voraussetzung für Lebensfreude.

  • Dreikönig

    Dreikönig

    Dreikönigstag – Feiertag in Bayern. Klassischer „Weihnachtsabräumtag“. Die Fenster werden von Dekosternen befreit, der Baum abgebaut, die gesamte Deko zurücksortiert und verstaut. Unser Draußentannenbaum ist im Ständer festgefroren, am Montag ist Baumabfuhr, mal sehen, ob er bis dahin aufgetaut ist. Wir nutzen die Zweige, um die Rosen abzudecken. Der Bruder wartet gespannt auf die Sternsinger.

    Wenn die Fenster wieder frei sind, atme ich regelrecht auf. Deko ist schön, aber im Januar brauche ich klare Sicht und Licht, so viel es geht. Wie immer finden wir, nachdem alle Kisten fest verschlossen sind, irgendwo übersehene Dinge und quetschen sie dann zum Christbaumständer :-))))

    Der Kater ist persönlich beleidigt. Die Krippe ist weg, damit sein liebstes Spielzeug – Moos aus der Krippe plus Jesuskind. Wir haben ihn mit Baldrianspray auf seinem Wurfsack bestochen, das Jesuskind ist auch gefunden. Ich kann endlich das Pflegebett wieder schieben, ohne millimeterweise zwischen Krippe und Deko zu jonglieren. Jetzt kann ich zwischendrin Gartenkataloge durchforsten und das Jahr draußen planen. Gefühlt beginnt der Sommer genau jetzt.

    Einen feinen Wochenteilungstag dir!

    Vorfreude auf den Sommer entsteht beim Anblick dieses kleinen Randstreifens am Goetheanum.

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  • Beherzigung

    Beherzigung

     

    Beherzigung

    Ach, was soll der Mensch verlangen?
    Ist es besser, ruhig bleiben?
    Klammernd fest sich anzuhangen?
    Ist es besser sich zu treiben?

    Soll er sich ein Häuschen bauen?
    Soll er unter Zelten leben?
    Soll er auf die Felsen trauen?
    Selbst die festen Felsen beben.

    Eines schickt sich nicht für alle!
    Sehe jeder, wie er’s treibe,
    Sehe jeder, wo er bleibe,
    Und wer steht, dass er nicht falle!

    Johann Wolfgang von Goethe

    Wem die Kräfte schwinden – Brennnesselsamen sind ein echtes Powerfood!

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  • Verständnis, Sinn, Machbarkeit

    Verständnis, Sinn, Machbarkeit

    Rilkes Gedanke, dass möglicherweise alles Schreckliche im Grunde das Hilflose ist, das von uns Hilfe will, taucht oft als Frage in mir auf. Ich glaube nicht, dass alles Schreckliche etwas in die Ecke Gedrängtes, Ängstliches, Ausgeliefertes ist, dem wir behilflich sein können. Es gibt vermutlich Schreckliches, das einfach nur schrecklich ist, wo man stumm zurückbleibt und auch nach Jahrzehnten den Sinn daran nicht finden kann.

    Dennoch hilft mir das innere Bewegen dieser Aussage, wenn ich mit heftigen Kliententhemen in Kontakt komme. Wir können einen Teil des gehaltenen Raumes als Schutzraum für das Hilflose anzubieten, wenn es das möchte. Schlimmes, das Menschen angetan wurde, hat vielfach eine Generationen lange Geschichte, ebenso viele Ursachen im Außen wie im Inneren der Menschen. Manches kann man erfahren, vieles bleibt verborgen. Salutogenetisch können wir das Selbstmitgefühl des Betroffenen einladen; einen Sinn vielleicht darin erkennen, dass sein Survivor-System ermutigt werden darf, aus dem Überleben ins Leben zu kommen. Eher gelingt eine Form der Machbarkeit – ein Atemzug, ein Gewahrsein eines geschützten Raums in mir selbst, die Orientierung am Ort, an dem ich mich gerade befinde. Wir müssen das Hilflose im Schrecklichen nicht entschuldigen oder retten. Wir dürfen uns jedoch die Erlaubnis erteilen, aus unserer eigenen Hilflosigkeit kein Schreckliches erwachsen zu lassen, sondern den Mut, um Hilfe zu bitten und eine andere Wahl für unser Leben zu treffen. Vielleicht noch nicht schnell, sondern in dem Tempo, in dem es für uns möglich sein mag. Dann wachsen wir um das Schrecklich herum in unser Sein.

     

    Theresa hat das Foto aus Kanada mitgebracht. Traumfutter für Buchfreunde.

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  • Vielleicht …

    Vielleicht …

     

    Vielleicht sind alle Drachen unseres Lebens Prinzessinnen, die nur darauf warten uns einmal schön und mutig zu sehen. Vielleicht ist alles Schreckliche im Grunde das Hilflose, das von uns Hilfe will.

    Rainer Maria Rilke, Briefe an einen jungen Dichter (Franz Xaver Kappus), vom 12. August 1904

    In vielen Kulturen gelten Drachen als Glücksbringer. Danke an Steffen für das Foto!

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