Aus- oder weghalten?

Overload. Burnout. Alles zu viel – Hauptthema der Woche. Menschen spüren, dass auch ein paar freie Tage über Pfingsten nicht reichen, die Batterien wieder nachzuladen.  Neulich fragte mich ein Klient: „Halten wir nichts mehr aus?“ Spannende Frage. Was meint aushalten? Erdulden, ertragen, überstehen? Da haben wir sofort die Bilder der Kriegsgenerationen vor Augen, die ertragen, erduldet und überstanden haben, was von außen massiv ihr Leben beeinflusst hat. Wenn wir Kindern Helme für 1 Meter hohe Rutschen aufsetzen, ist das vermutlich nicht hilfreich. Kinder brauchen Bewegung, dazu gehören auch Stürze, aufgeschürfte Knie, ein blauer Fleck. Isst ein Kind aus dem Beet, das nicht mit Dünger versucht wurde, eine Karotte und putzt sie dafür an der Hose ab – perfekt. Radieschen frisch vom Beet, selbst angebaut? Super. Viel draußen spielen und sich austoben, Tiere, Natur, Natur, Natur.

Heute geht es oft nicht um „mehr aushalten“, sondern um „mehr weg/abhalten“. Die Faszination von Medien ist nicht zu unterschätzen fürs Dopaminsystem. Die Welt ist näher und lauter, wilder und chaotischer, weil die Informationen zeitgleich kommen. Ein Vulkanausbruch war früher ein halbes Jahr später am anderen Ende der Welt bekannt, heute erleben wir das quasi in Echtzeit, weil irgendein Touri gerade live streamt. Deshalb ist alles so nah, schnell und damit auch belastender.

Für uns alle gilt. Mehr Natur, mehr Wald, mehr Garten, mehr aus dem eigenen Beet, mehr Bewegung, müde werden vom mit Hand und Fuß was tun, damit dem müden Körper auch ein müder Geist folgen kann, der nicht permanent aufgereizt wurde. Mehr Kneipp, mehr weniger von allem. Schönen Freitag.

 

Dass Sigrids Herz für den Norden schlägt, sieht man sogar im Pfingstrosenbeet. Danke für dein Bild.


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