
Warten ist eine Kunst in einer Zeit, in der alles overnight geschehen soll. Damit nehmen wir uns Vorfreude und die Erkenntnis, dass vieles, was gut werden soll, Zeit braucht. In der Natur lernen wir das automatisch. Bäume blühen und fruchten zugleich nur im Notprogramm, in aller Regel folgen sie jahrtausendealter Weisheit im Kreislauf von Werden und Vergehen.
Das Tempo der Tage ist uns zu hoch – was auch an uns selbst liegen kann, weil wir uns so schnell in Hetze bringen lassen. Tempo rausnehmen bedeutet, achtsam Dinge zu tun und nicht gleichzeitig mehreres schlecht zu erledigen. Im Wort Erwartungen steckt das Warten darauf, dass jemand anderes genau das tut, was ich will. Finde den Fehler.
Was brauchen wir? Die Erkenntnis, dass vieles im Leben wie das Besteigen eines Berges ist. Im Basislager gewöhnt man sich an Höhe und erkennt die vor einem liegende Herausforderung. Dann geht es Schritt für Schritt hinan, immer mit dem Wissen, dass Wetter zur Umkehr zwingen kann, also Äußeres nicht vorhersehbar ist und unsere Reaktion flexibel bleiben darf. Den Gipfel erreichen ist nicht nur Ziel erreicht haben, denn wir müssen es auch wieder gut zurück ins Tal schaffen, unsere Kraft also klug einteilen.
Wenn wir den Berg als Bild nehmen für das, was zu tun ist, ist das hilfreich. Ankommen am Fuß, in kleinen sinnigen Schritten voranschreiten, Plateaus zur Pause nutzen, äußere Bedingungen und innere Fähigkeiten im Auge haben und bug out, wenn nichts mehr geht oder Gipfelsicht genießen und frohgemut wieder auf Anfang.
Heute einen gut bewältigbaren Dienstagshügeltag dir.
Stephanie hat das Foto der „blauen Berge“ in der Schweiz gemacht. Danke.

