Polaritäten

Spannend – ein Klient wirft das Thema hell und dunkel auf. Er hat Respekt vor der Finsternis. Für ihn ist Finsternis die Abwesenheit nicht nur von Licht, sondern auch von Hoffnung, während Dunkelheit den Pol von Helligkeit oder Licht in sich trägt. Etymologisch gehen die Worte Finsternis und Dämmerung vermutlich auf das indogermanische Wort tem für dunkel zurück.

Wenn wir von dunklen Zeiten sprechen, schwingt vielleicht immer auch ein Hauch von Wissen mit, dass danach auch wieder das Licht erscheint, ein tröstlicher Aspekt wie der Gedanke, dass (beim Licht) Weiß die Summe aller Farben ist.

Gelandet sind wir in der Antike. Bei den Ägyptern reist Sonnengott Ra am Tag mit der Sonnenbarke über den Himmel (tagsüber mit Mandjet, nachts mit Mesktet), nachts durch die Unterwelt, wo er viele Gefahren überstehen muss wie den Kampf gegen Apophis, die Schlange, die das Chaos symbolisiert und die Sonne verschlingen will. Im antiken Griechenland fährt Helios am Tag mit dem Sonnenwagen von Ost nach West. Am Abend steigt er in einen goldenen Becher (oder ein Boot), den Hephaistos, der Schmiedegott, angefertigt hat, und treibt darin über den Okeanos, den Strom, der die Erdscheibe umgibt, wieder in den Osten, um die Fahrt erneut zu beginnen. Er muss bei dieser Fahrt nicht wie Ra kämpfen.

 

Das Heizhaus auf dem Goetheanumgelände, baumgeziert.


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