
Kleist wird nachgesagt, er habe auf ein Werk von Caspar David Friedrich mit der Anmerkung reagiert, das sei, als ob „Einem die Augenlider abgeschnitten“ wären. Das ist bei Bildern von Friedrich durchaus nachvollziehbar. Eine ähnliche Wahrnehmung hatte ich bei Rilkes Torso Apollos in Bezug auf die letzten Zeilen: „Denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht. Du musst dein Leben ändern.“ Was wie eine dahingeworfene Aussage wirkt, beiläufig, kann ein massiver Paukenschlag sein. Mir sitzen oft Menschen gegenüber, die ihr Leben radikal verändern, weil es so, wie es ist, nicht weitergeht. Rilkes „muss“ trifft es gut – kaum jemand verändert freiwillig sein Leben, Gewohnheit und Bequemlichkeit, auch wenn es negative Folgen hat, sind stark.
Vielleicht kommt vor dem Ändern auch erstmal eine Erkenntnis: Das System hat bis jetzt den bestmöglichen Job gemacht. Der Grund für manche Verhaltensweisen, die uns schaden, ist alt, liegt in der Kindheit, ist die Antwort eines überforderten Systems, das sich schützen muss, abspaltet, um zu überleben, Muster und Wege findet, unsichtbar, angepasst und pflegeleicht zu werden, den Teller leer zu essen, nicht zu weinen, was immer Menschen widerfährt, es ist vielfältig.
Es braucht für mein Gefühl eine absolute Wertschätzung des genialen Systems. Ein Ausatmen und gemeinsam mit dem System entscheiden: Wie können wir uns besser aufstellen? Und dann besteht der Prozess aus verschiedenen Teilen: Körper, Seele und Geist sind nicht trennbar. Nur Sport allein bringt nichts, nur neu und frisch denken auch nicht, nur Vagusnerv chillen nicht. Alles muss gesehen, erkannt und dann auf gute Weise genährt werden, um in Bewegung zu kommen. Bewegung meint gezielt körperliche Bewegung, das Beachten von Schlafhygiene, gründliche Analyse über den Zustand des Körpers, der Seele und des Geistes, letztes würden wir statt Bewegung „neues Mindset“ nennen. Und die Erlaubnis, das Leben zu ändern. Ohne Erlaubnis, sich zu ändern, geschieht nicht viel.
Der griechische Bergtee im Garten hilft auch dem Körper, anstrengende Phase gut zu überstehen.

