
Manche Bücher sind wie ein Krimi. Man wird von der ersten Seite in den Bann gezogen und mag es nicht mehr aus der Hand legen. Das erstaunt bei dem Buch, um das es geht: „Der Finger und das Ohr: Vagusnerv-Stimulation ohne Gerät“ von Dr. Fritz #Hemmerich. Das klingt zunächst nach einem Buch aus der Reihe „Vagus der 1000.“, ist es jedoch nicht. Was mich so begeistert, ist die Schilderung der Innervierung des menschlichen Ohrs. Die atemberaubende Geschichte, wie aus Kiemenbögen in der Embryonalzeit der äußere Gehörgang und ein Teil der Ohrmuschel werden. Wie Friedrich Arnold 1831 entdeckte, dass manche Menschen husten müssen, wenn der Ohrenarzt ihr Ohr reinigt und wie das kommt (weil im Ohr ein winziger Vagusast verläuft). Wir reisen durch das Felsenbein und lesen, dass sich durch die Drosselloch-Öffnung drei Hirnnerven quetschen. Ich arbeite mich gerade durch den Nucleus tractus solitarii, der so endlos wichtig ist für uns und den im Grunde keiner kennt (er sortiert quasi den Posteingang dreier Hirnnerven).
Warum finde ich das so spannend? Ganz einfach. Es gibt einen Punkt am Ohr, Cymba conchae, exklusiv vom Arnold-Nerv versorgt. Um diesen Punkt dreht sich das Buch, denn die Berührung des Punktes macht wach und beruhigt den Körper gleichzeitig. Ich möchte nicht nur wissen, dass Dinge wirken, sondern weshalb sie das tun. Fundiert und klar. Deshalb gehört das Lesen von Fachliteratur zu meinem Berufsalltag. Es wird vergnüglich, wenn es ein Werk von Fritz Hemmerich ist, denn bei aller wissenschaftlichen Klarheit verliert er nie den Bezug zum Praxisalltag und hat seit 2001 das Thema Salutogenese als Schwerpunkt seiner ärztlichen und therapeutischen Arbeit. Ein kleines und feines Werk. Allen ein entspanntes Wochenende mit großartiger Lektüre.
Weiße Blütenteppiche des Buschwindröschens – an manchen Stellen wurden sie schon gesichtet in diesem Jahr. Ich freue mich auf diesen Anblick, den Silke fotografiert hat. Danke dir!

