Menschen brauchen Menschen

Das Wetter schlägt manchem aufs Gemüt mit all dem Grau und Schneematsch. Es ist weniger das Wetter. Es ruft etwas hervor, was viele nicht wahrhaben wollen – Menschen sind einsam geworden seit der Pandemie. Wir kommunizieren über technische Geräte. Da kann man sagen „ich hatte einen Netzausfall“. Ausfall meint eher Auf-fall: Mir fällt auf, dass ich es nicht mehr gewohnt bin, mit echten lebendigen Menschen umzugehen. Wenn mich jemand kritisiert, gehe ich offline und bin beleidigt, anstatt zu lauschen, zu prüfen und notfalls zu sagen – gut, dass du mich darauf hingewiesen hast, da bin ich falsch unterwegs gewesen! Danke!

Paare schreiben sich WhatsApp-Nachrichten, obwohl sie miteinander in einem Raum sind. Kinder klingeln nicht mehr oft bei Freunden, um sie zum Spielen abzuholen, weil sie mit ihren Tablets beschäftigt sind. Infos am Arbeitsplatz kommen übers Intranet, dabei ist die Gefahr von Missverständnissen und Unklarheiten deutlich höher, als wenn man zehn Meter über den Flur geht (Bewegung kostenlos) und direkt etwas bespricht.

Das Wetter verhindert, dass wir in Fußgängerzonenmassen mäandern und nicht als Single wahrgenommen werden, wenn es sehr voll ist. Jetzt sieht man, wer alleine unterwegs ist und sich gegen den kalten Wind stemmt. Nix derzeit mit rumhängen mit Weinglas in der Hand auf Brücken (das macht man in Würzburg sehr gern) und sich als Gruppe fühlen.

Menschen brauchen Menschen. Zum Erkennen von Macken, um sich aneinander zu reiben, zu lachen, weinen, meckern und kichern, zum Leben und sich lebendig fühlen. Das Wetter ist nur Winter.

Einen liebevollen Venustag mit vielen wunderbaren Menschen in deinem Leben!

 

Danke für das geniale Foto, liebe Stephanie.