Wer Ohren hat …

Der Hörsinn: Mit diesem Sinn stoßen wir das Tor zu Seele und Geist vollends auf. Mit den Ohren erschließen wir uns den seelischen Innenraum. Das Ohr ist für uns Therapeuten ein ganz wesentliches Sinnesorgan, mit dem wir lernen dürfen, in das Gegenüber hinein zu lauschen, seine Stimmung, Stimmigkeit im wahrsten Sinn des Wortes wahrnehmen dürfen. Das Ohr lässt sich nicht täuschen, das Auge sehr wohl. Ein Geräusch gehört zur physischen Welt, ein Klang zur ätherischen Welt, die Stimme zur Seele und der Ton zum Geist. Das hat Karl König auf seiner Lebensreise herausgearbeitet zu diesem Sinn und es zeigt sehr anschaulich auf, worauf wir unser Lauschen richten können.

Betrachten wir das Ohr, fällt auf, dass das Ohr durch das Trommelfell verschlossen wird. Ton und Klang reiten auf der Luft bis zum Trommelfell. Das Ohr ist mit dem menschlichen Gesamtorganismus komplett verbunden: Das Außenohr ist Haut wie der Gehörgang, das Trommelfell ist Bindegewebe. Das Mittelohr ist mit der Kehle und damit mit unserem gesamten rhythmischen System verknüpft (s. u.), das Innenohr enthält Lymphe, die direkt mit der Gehirnflüssigkeit verbunden ist. Ohr und Kehlkopf sind ebenfalls eng vergesellschaftet, denn ohne Kehlkopf können wir unserer Stimme keinen Ausdruck verleihen. Jeder kennt den Effekt, wenn er seine eigene Stimme aufgenommen hört, sie klingt ganz anders als die Stimme, die wir selbst durch unsere Knochen im Schädel wahrnehmen.

Wenn Menschen in einem absolut geräuschlosen Raum sind, drehen sie in kurzer Zeit durch – uns fehlt dann jegliche Orientierung. Wir sind permanent auf das Hören angewiesen.

Spannendes Experiment: Zeige mit den Händen tiefe und hohe Töne – jeder zeigt es instinktiv richtig.

Wie ist es mit dem Kratzen von Kreide auf einer Tafel? Dieses Geräusch hören wir eher mit dem Körper, wir bekommen Gänsehaut, es schüttelt uns – unser Körper kann also auch eine gewisse Reaktion zeigen. Lauschen wir einem Konzert – hier werden wir in der Seele berührt. Eine Flöte wirkt anders als Schlagzeug, als Klavier oder Oboe, als Geige, Orgel oder Cello. Wenn wir etwas hören wollen, müssen wir vor allem eines: still sein und lauschen. Wir lauschen mit dem ganzen Körper, mit offenem Herzen. Erst dann hören wir.

 

Danke an Theresa für das Foto der Skulptur „Momo“ der Künstlerin Ulrike Enders, die an den wunderbaren Text aus Michael Endes Buch erinnert, wie Momo zuhören konnte. Die Skulptur ist in Hannover am Michael-Ende-Platz zu finden.

 

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