Vom Wandel

Kennst du das? Du brütest Jahre über einer Sache, für die du keine Idee hast. Es gärt vor sich hin. Es blitzt ab und an was auf. Du gehst diesen Weg, jenen Weg und keiner führt dich dahin, wo du weißt – das ist es. Und dann sitzt du ahnungslos in deiner Morgenmeditation, versuchst, die blöden Gedanken aus der Birne zu bitten, die dir sagen, dass es total bescheuert ist, zu spät ins Bett zu gehen und zu früh aufzustehen, weil das mit Sicherheit echt stressig wird und mit einem Mal macht etwas leise „oh!“. Die Gedanken verstummen. Das „oh“, leise, war deutlich. Es hatte Klarheit. Krasse Präsenz.

Du spitzt die Ohren. Du bist sowas von knallwach. Und plötzlich erscheint vor deinem inneren Auge so eine Art Glaswand. Du kennst sie gut. Seit Jahren starrst du auf die notierte Formel ohne Lösung. Plötzlich lösen sich die Formeln auf, Bilder erscheinen. Sie wandern über die Glaswand. Sie stehen mit einem Mal gestochen scharf vor deinen Augen. Dann fangen sie an zu tanzen, legen sich übereinander und endlich siehst du den Schlüssel, nach dem du seit Jahren suchst. Den Schlüssel, der genau ins Schloss deiner Frage passt. Und dir fällt auf: der lag all die Jahre direkt vor deiner Nase. Direkt. Mehr geht nicht! Erster Gedanke: Koffer packen. Zwei Wochen abhauen auf eine Insel und nur schreiben, schreiben, schreiben, das Konzept ausarbeiten und die Konsequenzen abchecken. Zweiter Gedanken: Mittwoch, 5. 5. Dein Terminkalender ist (glücklicherweise) voll.

Szenenwechsel, eine Stunde später. Zum Glück hab ich die Bilder auf der Glaswand sofort aufgeschrieben, aufgemalt, Bilder dazu gesucht und ausgedruckt, den Schlüssel aus dem Gedächtnis abgemalt und alles, was an Stichpunkten durchs Hirn geschossen ist, notiert. Safe. Geschafft.

Sechs Stunden später. Ein mehrstündiges Coaching ist beendet. Super wars.

Heute knallt es an allen Ecken und Enden – jemand ist in eine Psychose gerutscht und braucht sofort ärztliche Hilfe. Mehrere Zusammenbrüche bei Menschen, die bisher taff im Feuer gestanden haben und jetzt in die Grätsche gehen. Berichte von Überforderung, Not, Leid, Angst und offene Fragen ohne Ende. Der AB hat die Anrufe heute nicht mehr fassen können. Ich arbeite sie nach und nach ab, beantworte Mails. So viel Not heute, so viel Chaos in den Familien.

Kurze Auszeit für den Post des Tages vor dem nächsten Termin. Die Zettel vom Morgen liegen hier und senden mir eine Botschaft, dass es oft viel Geduld benötigt, bis etwas klar, verständlich und logisch wird. Es darf brauchen, wenn wir nicht aus dem Vertrauen gehen, dass wir Lösungen finden werden und dass sie schon längst da sind, auch wenn wir sie nicht sehen können. Wir dürfen nur nie aus dem Vertrauen zu uns selbst fallen. Wenn wir alles verlieren im Außen – uns selbst dürfen wir nicht verlieren. Alles, was geschieht, ist eine immense Herausforderung.

Wir haben Angst, wir verzweifeln, wir weinen, werden wütend und sind hilflos. Wir sind überfordert, gestresst, genervt. Wir verlieren – Geld, Heimat, Partner, was immer. Und eines bleibt: unser innerster Goldkern. Unsere wahre Essenz. Wenn wir nur immer wieder zu dieser Essenz zurückkehren, bleiben wir auf unserem Weg. Egal, was geschieht.

Allen, die heute Erfahrungen machen müssen, die sie an die Grenzen bringen, die heftige Diagnosen bekommen, ihr Auto oder ihre Beziehung schrotten, denen Dinge geschehen, die sie niemals erwartet hätten: Worte helfen oft nicht. Auch keine Umarmungen oder ein Topf Hühnersuppe (alles dieser Art hilft, aber nicht fürs große Ganze). Wisse: nichts bleibt. Nicht das Positive (leider), nicht das Negative (gut so). Du wandelst dich. Vielleicht zum Schmetterling. Kraft und Vertrauen zu euch! Erst rückwirkend erkennen wir, wozu das dienen könnte, falls wir es je erfahren werden. Was bleibt, sind wir. Still.

 

Der Nautilus, den Theresa fotografiert hat, ist für mich das Symbol für meine Morgenerkenntnis. Wir werden sehen, was entstehen mag.

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