Mittwochs-Nachdenk-Input

Die Zukunft möglich machen! Diese Stelle fand ich in dem erstaunlichen Buch „Die Stadt in der Wüste“. Dank Corona nehme ich mir gerade die Zeit, Bücher aus dem Stapel „Ungelesenes“ herauszuziehen und dieses gehört seit langem zur Lesewunschliste.

Wie machen wir die Zukunft möglich? Saint-Exupéry rät, sie nicht voraussehen zu wollen. Diese Tage zeigen uns, dass wir nichts voraussehen können und dass nichts sicher ist. Oft erkläre ich den Klienten, dass Menschen zwei Sicherheiten haben: „Die erste ist, dass alles, was lebt, stirbt. Die zweite ist, dass nichts bleibt, wie es ist.“ Mehr Sicherheiten kenne ich nicht. Oder, wie es in Anzeigen so schön heißt: VS. Verhandlungssache. Na dann!

Zukunft möglich machen heißt für mich als Grundannahme: es gibt sie. Und wie! Wichtiger Aspekt für alle Anhänger der These, dass die Welt bald untergeht. Ja, vielleicht wird sie das. Bis dahin aber möchte Zukunft Raum bekommen und gestaltet werden.

Wie soll sie denn aussehen, die Zukunft? „Irgendwie schöner“, wünschen sich die Klienten oft und meinen: So, dass es gut für mich läuft und ich nicht viel dazu tun muss. Von dem Gedanken dürfen wir uns rasch und schmerzfrei verabschieden.

Wir brauchen heute keinen physischen Krieg mehr, um uns klarzumachen, dass das Rahmschöpfen kein Zukunftsszenario mehr ist. Die andere Variante, die des Fröschleins in der Sahne, das überlebt, weil es wie verrückt strampelt und aus Sahne Butter macht, aus der es dann nach Beendigung der Überlebenskrise fröhlich heraushüpft, erscheint mir ebenfalls nicht sinnvoll. Das Gestrampel, um die Krise zu überstehen, bedeutet in meiner Denkweise, dass wir den to-do-Mechanismus füttern, der die Krise erzeugt hat. Wir sind dauernd beschäftigt. Es geht um „to be“, nicht um „to do“. Wir sind so beschäftigt, dass wir die massiven Stoppschilder übersehen, die wir bekommen haben. Beim Menschen sind es Krisen, Schwächemomente, aus denen er sich mit Willenskraft erhebt, die er ignoriert und wegdrückt, mit Pillen beseitigt.

Auf die Welt bezogen haben wir folgende Stoppschilder übersehen: Die Botschaft des Club of Rome zur Zukunft. Die Botschaft aus zwei Weltkriegen. Die Krise des Menschen, der den höchsten Wert, die Freiheit, auf dem Markt der Unmöglichkeiten verkauft hat für Bequemlichkeit. Das Waldsterben war ein Aspekt, die Vermüllung, unser Touriverhalten: vorn liegen die Menschen bequem am Strand mit Schirmchendrink und hinterm Zaun der Touristenanlage starren die hungernden Menschen auf den kranken Luxus 200 Meter weiter. Wir haben nicht hingehört, als Gewässer umgekippt sind, weil die Gier des Menschen dafür gesorgt hat. Den sauren Regen haben wir uns zurechterklärt und die Waldbrände. Das dritte Dürrejahr in Folge ist ärgerlich, aber wie groß ist die Zahl derer, die sagt: Megawetter bei uns! Brauchste gar nicht mehr wegfahren!

Wir überrennen mit Schwung (den wir unseren Dopingmitteln verdanken wie Geldgier, Hamsterrad und Drogen aller Art, um uns wegzubeamen am Abend) jedes Stoppschild. Nun sind wir dabei, das größte bisher gebotene Horrorszenario wegzudrücken, um zum normalen Gierkonsum zurückzukehren.

Dann braucht es nicht viel Sehergabe, um zu prognostizieren, dass „das Imperium zurückschlägt“. Wer dauerhaft wider Vernunft, Natur, Geist und klaren Menschenverstand agiert, bekommt die Rechnung serviert. Wir sehen sie gerade und denken zähneknirschend: Zahlen wir sie halt und hoffen, dass wir möglichst schnell zum Normalzustand zurückkehren können.

Der Normalzustand ist der Ausnahmezustand! Wir müssen uns erst auf ein neues „Normal“ einigen. Dazu müssen alle Völker an einen Tisch. Es geht nicht um Religion, um Hautfarbe oder um arm oder reich. Es geht darum, ob der Planet Erde als Wohnraum für Menschen weiterhin Bestand haben wird und ob wir endlich so wach geworden sind, dass wir die Herausforderungen als Challenge begreifen, nicht als Angriff auf unsere Egozentrik. Awake!

Zukunft ist möglich, das liegt in ihrer Natur. Wir haben es in der Hand, ob es eine lange und gute Zukunft werden kann, oder ob das alte Motto gilt: Si vis pacem, para bellum. Wie wäre es da mit einem Gedanken von John Nobel aus dem Jahr 1963:  Friede sowohl in inner- als auch in zwischenstaatlicher Hinsicht sollte verstanden werden als ein gewaltfreier und auf die Verhütung von Gewaltanwendung gerichteter politischer Prozess, in dem durch Verständigungen und Kompromisse solche Bedingungen des Zusammenlebens von gesellschaftlichen Gruppen bzw. von Staaten und Völkern geschaffen werden, die nicht ihre Existenz gefährden und nicht das Gerechtigkeitsempfinden oder die Lebensinteressen einzelner oder mehrerer von ihnen so schwerwiegend verletzen, dass sie nach Erschöpfung aller friedlichen Abhilfeverfahren Gewalt anwenden zu müssen glauben. Um Frieden zu erreichen, sind deshalb anhaltende Bemühungen um Rechtsstaatlichkeit, Erwartungsverlässlichkeit, ökonomischen Ausgleich und Empathie erforderlich

Also, ran an die Empathie, an die Erwartungsverlässlichkeit, unter der ich Verbindlichkeit verstehe, ran an einen gesunden ökonomischen Ausgleich im Sinne von „was ich irgendwo entnehme, muss ich wieder sinnig reinstecken“ und „wie kann Arbeit anders betrachtet und bezahlt werden?“

Frieden und Freiheit sind das höchste Gut für Menschen, sei es politisch oder auch im eigenen Herzen. Wo Frieden und Freiheit herrschen, haben Gier, Wertelosigkeit, Mangel an Respekt und Lieblosigkeit jedweder Couleur keinerlei Raum. Wenn wir den Frieden mit dem Planeten möchten, müssen wir im eigenen Herzen und im eigenen Leben anfangen, freundlich zu sein.

Allen einen gesunden, freundlichen und damit gesundenden Mittwoch mit der Kraft des beweglichen Merkurs.

Wie stark der Impuls des „Ja zum Leben“ ist, zeigt die Blüte auf dem Foto an.

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