Grüß GöttIn

Auf meinem Augustkalenderblatt hat Jwala Gamper „Grüß Göttin“ kalligrafiert. Das erinnert mich an einen Donnerstag vor einiger Zeit. Donnerstag 13 Uhr ist unsere Schwestern-Podcast-Zeit. Da klingelt mich Gabi an und stellt mir eine Frage und das Mikro ist sofort offen. Ihre Frage vor einiger Zeit war das Gender-Thema und da hatte sie mich sehr kalt auf dem Fuß erwischt. Selten so geeiert! An dem Thema war ich bis dahin gut vorbeigeschrappt, weil mich die Plackerei mit -Innen und dergleichen ein wenig angenervt hat. Ich hatte mich nicht mal ansatzweise ernsthaft mit der Fragestellung befasst, doch habe ich einfach seit diesem Donnerstag angefangen, immer mal wieder drüber nachzudenken und jetzt schaue ich 30 Tage auf ein goldenes Grüß Göttin. Vielleicht die Gelegenheit, mich damit zu befassen.

Sprache ist ein lebendiger Organismus. Sprache spiegelt Landschaften wieder – Ländern, die viel Berg und Tal haben, haben eine ganz andere Sprachmelodie und andere Laute, mehr „ch“ und „k“, „ü“, „i“. In manchen Gegenden ist der Sprachfluss gemütlich, entspannt, keine kämpferische Gegend also. Sprache spiegelt die Betonung des männlichen Prinzips wider. Gabi sagte einige Begriffe und bat mich, ein weibliches Pendant dazu zu finden. Das war gar nicht einfach und hat mich zum Nachdenken gebracht.

Das Thema ist keines über sprachlichem Firlefanz, sondern dahinter steckt ein Anliegen, das gehört werden muss. Gleichbehandlung, Gleichberechtigung, Gleichstellung – wir sind in allen Fragen weit entfernt von einer Umsetzung geschweige denn einer vernünftigen Auseinandersetzung damit. Der Equal Pay Day zeigt jedes Jahr die krassen Unterschiede in der Bezahlung von Mann und Frau auf. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte ist ein Beleg dafür, dass Männer über die Frage nachzudenken haben, um es mit Grönemeyer zu sagen: „Wann ist Mann ein Mann?“, und auch die verschiedenen Rollenbilder der Frau sind neu zu greifen.

Da Menschen enorm kreativ sind, gehe ich davon aus, dass wir uns von unseren typisch deutschen Bandwurmformulierungen (allein das Wort ist ein Beleg dafür) irgendwann verabschieden und ganz pragmatische Lösungen finden werden. Die Schweizer sind uns da in Bezug auf mein Kalenderblatt in jedem Fall voraus, die haben das gendergerecht vor langer Zeit gelöst und sagen fröhlich: „Grüzi mitenand“ und der Käse ist gegessen.

In diesem Sinne allen Lesenden einen kraftvollen Marstag.

 

Wer beim Lesen gedacht hat: „Dunnerkeil, hat Mann (!) nirgends seine Ruhe vor dem Quatsch“ – hier ist das passende Foto für dich. Von Stephanie. Ich danke dir.

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