Geh mal etwas vom Gas

Rituale sind wichtig, wir vergessen sie sehr gern und oft. Sie gestalten Übergänge, Feste, begleiten unser Leben und setzen wichtige Momente der Stille, Besinnung und des Bewusstwerdens. Viele Rituale sind zu Automatismenverkommen, sie verdienen das Wort Ritual nicht. Ich mag Rituale, wenn sie bewusst in das Leben eingebaut sind. Dann stärken sie uns, geben Erinnerungen und gliedern unseren Alltag in Einheiten.

Der Verzicht auf die Früchte der eigenen Taten ist besser als Meditation, befindet die Bhagavad Gita mit der Begründung, dass sofort Frieden erfolgt, wenn wir Erwartungen aufgeben. Wie schade, dass wir das in unserem Leben oft nicht berücksichtigen. Gerade jetzt in der Ferienzeit wird es vielfach krachen, weil die Erwartungen an die Auszeit sehr hoch sind. Erholung soll sein, Spiel und Spaß für die Kinder, andere Länder, tolles Essen, klasse Strände – wie oft ist es gerade nicht so. Dafür gibt es viele Gründe, meistens sind es enttäuschte Erwartungen. Der Partner ist im Urlaub vielleicht nicht der tolle smarte Typ, sondern einfach nur fix und fertig und würde am liebsten 14 Tage durchschlafen. Der Strand ist zu kiesig, das Wasser zu warm, die Quallen zu giftig, die Berge zu hoch, die Hütten zu voll, die Autobahnen zu verstopft und der Flieger zu zugig – all das gehört oft auch dazu, wenn man wegfährt und passt vielen nicht. Warum? Weil die Erwartungen andere waren. Irgendwie schöner eben.

Für alle, die jetzt noch wegfahren: nehmt mal den Erwartungsdruck aus allem etwas raus. So wenig, wie wir selbst in den Ferien zu blühenden erholten Zauberwesen mutieren, tun das die anderen. Ich würde der Nation nach den letzten Monaten am liebsten kollektiv Schlaf verordnen, damit sich die Nerven erstmal wieder erholen, unsere Überreiztheiten verschwinden und wir entspannt aufeinander zugehen können. Erwartungsfrei. In Erwartung steckt Warten und wir wissen seit Godot, dass das dauern kann. Andere Menschen sind nicht die Erfüllungsgehilfen unserer Wünsche, für unser Glück sind wir selbst zuständig.

Also – weg mit den Erwartungen. Her mit Offenheit und Neugier darauf, was kommen mag. Annehmen dessen, was ist und wie es ist, denn was nutzt mir Gemecker über ein Buffett, wenn es die nächsten 14 Tage so bleiben wird? Entweder finde ich dann dennoch was, das mir schmeckt oder ich schaue eben anderweitig, wie ich das lösen mag.

Verbringt die Auszeit nicht mit Streit, weil Erwartungen nicht erfüllt werden. Füllt sie mit Freundlichkeit euch selbst gegenüber, mit Freude über das Leben und Dankbarkeit, wenn ihr an schönen Orten der Welt sein dürft. Was für ein Privileg! Die meisten unserer Vorfahren hatten einen Radius von maximal 50 Kilometern. Da sind wir heute regelrechte Weltbürger. Schauen wir lieber genau hin auf dieses Wunder Erde, damit wir begreifen, weshalb sie schnellstens unsere Achtsamkeit und Hilfe benötigt. Nicht, um noch mehr zu ernten, sondern um endlich wieder aufzubauen.

Allen einen beweglichen Merkurtag mit Freude und ohne hochgespannte Erwartungen.

 

Auch dieses Jahr erfreut uns der Apfelbaum mit einer feinen Ernte. Das erste Apfelmus ist bereits gekocht und wird sich bestens zu unseren Grießschnitten machen. Sommer-Kinder-Essen muss manchmal sein.

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